Gefährliche Expressen in der Route

Gerade in schwierigen Routen hängen oft Expressschlingen. Sie müssen genau kontrolliert werden, je nachdem können abgeschliffene Karabiner ein tödliches Risiko darstellen.

Kletterseile können unter gewissen Umständen reissen, zum Beispiel wenn sie über eine scharfe Kante laufen. Dies muss nicht zwingend eine Felskante sein, auch ein eingeschliffener Karabiner mit einer ausgeprägten Metallkante kann den Seilmantel beschädigen beziehungsweise das Seil durchtrennen. Im April 2008 stürzte in einer Prager Kletterhalle der Vorsteiger kurz oberhalb der ersten Zwischensicherung, worauf das Seil komplett durchriss. Im September 2012 stürzte im Klettergarten Magletsch im St. Galler Rheintal ein Vorsteiger, das Seil riss, er verletzte sich tödlich. Die Ursache ist noch nicht geklärt, die Untersuchungen sind noch im Gang.

 

Achtung vor scharfen Kanten

In sehr steilen und überhängenden Kletterrouten der oberen Schwierigkeitsgrade ist es üblich, die Expressschlingen hängen zu lassen. Mit der Zeit werden die Karabiner durch das Seil eingeschliffen.

Vor allem beim Ablassen kann so eine Kerbe im Karabiner entstehen. Bei Umlenkkarabinern sind solche Kerben meist rund und beschädigen das Seil nicht.

Bei Expressen hingegen, wo das Seil stark umgelenkt wird, entsteht am Karabiner eine Kante. Bei einem Sturz kann diese Kante das Seil beschädigen oder sogar durchtrennen. Diese potenzielle Gefahr durch eingeschliffene Karabiner ist nicht neu, aber noch nahezu unbekannt.

 

Karabiner kritisch beurteilen

Der Schweizer Alpen-Club, der Alpenverein Südtirol, der Deutsche und Österreichische Alpenverein sowie das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit betonen deshalb:

Ein Klettergarten ist keine Kletterhalle. Im Freien muss jeder selbst einschätzen und eigenverantwortlich entscheiden, ob er dem vorhandenen Material vertraut. Im Zweifelsfall gilt es, auf eine Route zu verzichten oder das Material auszutauschen.

Jede Expressschlinge ist kritisch zu

begutachten (beide Karabiner und Bandmaterial) und gegebenenfalls durch eine eigene zu ersetzen. Auch die Qualität des Bohrhakens muss beurteilt werden!

 

Sechs Punkte beachten

•Für einen reibungsarmen Seilverlauf sorgen und Expressen bei Bedarf mit eigenem Material verlängern.

•Die erste Expressschlinge scheint besonders beansprucht zu werden. Steht der Sichernde vor allem beim Ablassen nahe bei der Wand, wird diese weniger eingekerbt.

•Expressschlingen nur in Routen lassen, wo dies auch Sinn ergibt.

•Stahlkarabiner werden weniger stark eingekerbt als Aluminiumkarabiner. Das Problem zeigt sich aber später trotzdem.

•Generell sollte überlegt werden, die erste Expressschlinge nicht zu belassen, sodass hier jeder sein eigenes Material verwenden muss.

•Expressschlingen so zurücklassen, dass der Seilverlauf so reibungsarm als möglich ist.

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