Glamour, Show und Schoggi Nationale Wettkämpfe in der zweiten Jahreshälfte

Die zweite Jahreshälfte 2006 war für die Schweizer Sportkletterer überaus erfolgreich und spannend. Den nationalen Höhepunkt des Jahres bildete die Schweizer Meisterschaft in der Disziplin Speed im Hauptbahnhof Zürich am 7. Oktober. Mit Prominenz, Showelementen und aufregendem Wettkampfgeschehen sorgte dieser Event für viel Aufsehen.

Normalerweise betragen die Zuschauer-zahlen an nationalen Wettkämpfen einige hundert Personen, darunter sind viele Angehörige und Freunde der Athleten. Die Stimmung in den Kletterzentren ist daher nicht selten familiär. Entsprechend aufregend war es für die Wettkämpfer, für einmal vor einem unzählbar grossen Publikum zu klettern. Bei den jüngeren Teilnehmern war die Nervosität gut zu spüren, sie zeigte sich auch an zum Teil überschäumenden Emotionen. Die Erfahreneren hingegen schienen die ungewohnte Wettkampfkulisse eher zu geniessen, ohne aber das Kerngeschäft aus den Augen zu lassen, nämlich eine starke Leistung zu vollbringen.

Dalia Hamdy zum Beispiel, Dritte der Swiss-Climbing-Cup-Gesamtwertung, gab sich professionell gelassen: « Natürlich ist es wunderbar, an einem solchen Ort seine Kletterkunst zeigen zu können. Aber während des Kletterns nehme ich das gar nicht wahr. Dann konzentriere ich mich voll und ganz auf die Route und auf meine Bewegungen. » Trotzdem dürfte ihr die lautstarke Anfeuerung der begeisterten Zuschauer nicht entgangen sein. Vor dieser Kulisse liess sich Lead-Vizeeuropa-meister Cédric Lachat zu einem Exploit hinreissen. Der Jurassier durchstieg die etwa 6b-schwierige Route als Einziger unter zehn Sekunden und gewann damit den Schweizer-Meister-Titel in der Disziplin Speed deutlich vor Martin Jaggi und Daniel Winkler. Wie wichtig ein solcher Anlass für den SAC-Leistungssport ist, betont Nationalcoach Hanspeter Sigrist: « Entscheidend für die langfristige Entwicklung des Wettkampfsports sind neben den traditionellen Wettkampforten in den Hallen auch vereinzelte, medien-wirksame Anlässe. Und diese lassen sich nur dank Sponsoren verwirklichen. » Der Speed-Wettkampf hätte ohne Toblerone jedenfalls nicht im Hauptbahnhof Zürich stattgefunden.

An allen Wettkämpfen der vergangenen Saison fehlte bei der Elite Damen die bislang erfolgreichste Schweizer Athletin, Alexandra Eyer, die von einer erlittenen Schulterverletzung genesen musste. Von ihrer Absenz profitierte jede der aktuellen Konkurrentinnen mindestens ein Mal: Ende August kletterte in Meiringen Dalia Hamdy aus Benglen am höchsten, Anfang September schaffte Christina Schmid aus Neuenegg auf dem Mühle-platz in Thun die meisten Boulders, den Speed-Wettkampf in Schlieren gewann Anouk Piola aus Plan-les-Ouates, und im HB Zürich war die Kübliserin Nina Caprez die Schnellste, die dank ihrer Jahresgesamtleistung schliesslich den Cup-Pokal errang. Am 21. Oktober war im Magnet in Niederwangen aber Ende der Vielfalt. Die Zürcherin Alexandra Eyer, vollständig wieder hergestellt, meldete sich zum letzten Wettkampf der Saison mit einem lockeren Sieg zurück und lässt für nächstes Jahr die Hoffnung auf internationale Erfolge wieder aufblühen.

In der Elite Herren war Cédric Lachat erfolgreich, der damit verdientermassen erneut den Cup-Pokal für die Gesamtwertung mit nach Hause nehmen durfte. Wie viele nationale Wettkämpfe er inzwischen gewonnen hat, sei schwierig zu sagen: « Ich zähle meine Siege nicht », so der bescheidene Superkletterer. Nur in Meiringen war ein anderer besser, nämlich Thomas Schmid aus Neuenegg. Und in Schlieren am Speed-Wettkampf reüssierte Kevin Hemund aus Kappelen, weil Lachat zeitgleich damit beschäftigt war, am Weltcup in Marbella, Spanien, den achten Platz zu erklimmen.

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