Gletscherabdeckungen. Schlechter Witz oder sinnvolle Massnahme?

Gletscherabdeckungen

Mitte Mai wurden in fast allen Schweizer Medien Berichte über Abdeckungen am Gemsstock/UR mit weissen Folien zur Verhinderung des sommerlichen Abschmelzens veröffentlicht. Der SAC-Zentralverband nimmt eine kritische Haltung zu Gletscherabdeckungen ein. 1

Die Aktion am Gemsstock betrifft nicht den eigentlichen Gurschengletscher. Sie dient als lokale Massnahme dazu, die jedes Jahr unter hohem Aufwand aus Pfählen, Stroh und Schnee erstellte künstliche Zufahrtsrampe zum Gletscher vor dem sommerlichen Abschmelzen zu bewahren. Damit können im Frühwinter viel Arbeit und Treibstoff für den Ratrac eingespart werden – was auch aus ökologischer Sicht Sinn macht.

Grossflächige Abdeckungen und Snow-Farming

In Tirol laufen gegenwärtig Versuche mit Folienabdeckungen auf eigentlichen Gletschern – « Gletschertuning » –, die deutlich grössere Flächen umfassen. « Snow-Farming » wird derzeit in Saas Fee betrieben: Mit dem Ratrac verfrachtet man Schnee in grossen Massen auf eine Art Terrassen, um das Wegblasen von winterlichem Neuschnee zu verhindern und den so « gewonnenen » Schnee besser auszunützen. Mit diesen ersten Versuchen wird möglicherweise eine Entwicklung eingeleitet, die sich grossmassstäb-lich ausbreiten wird. 2 Erinnerungen an die Schneekanonendebatte steigen auf, als zu Beginn Touristenkreise und Behörden hoch und heilig nur punktuelle Beschneiung ohne Zusätze versprachen. Heute ist die grossflächige Beschneiung mit bakteriellen Zusätzen weit verbreitet. So werden beispielsweise im Tirol rund 90% der Pisten künstlich beschneit! Der SAC wird sich gegen eine solche Entwicklung bei Gletscherabdeckungen und « Snow-Farming » wehren. Neben einer weiteren Verschandelung und Entwürdigung der hochalpinen Landschaft würde vor allem bei den Gletscherabdeckungen der freie Zugang zu den Gletschern tangiert.

Metapher einer « Pflästerlipolitik »

Aufgrund des grossen öffentlichen Interesses wirkt die lokale Massnahme am Gemsstock als Metapher für den Versuch, die Folgen der Klimaerwärmung und des daraus folgenden dramatischen Gletscherschwundes in den Alpen mit lokalen « Pflästerli » zu bekämpfen. Die derzeitige Erwärmung und der damit verbundene Gletscher- und Eisrückgang werden zweifelsohne in den nächsten Jahren zahlreiche lokale Anpassungs-massnahmen erfordern. Der SAC ist dabei vor allem bei den alpinen Wegen und Routen sowie bei den Hütten auch selbst betroffen.

Wichtig ist aber, dass wir nicht bei der immer teurer werdenden Symptombekämpfung stehen bleiben, sondern die Ursachenbekämpfung vorantreiben. Deswegen setzt sich der SAC für eine griffige CO 2 -Politik ein und ruft seine Mitglieder zu einem bewussten und schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen auf. Dieser Herausforderung muss sich auch die Tourismus-industrie stellen und Verantwortung übernehmen. a Jürg Meyer, Umweltbeauftragter 1 Der SAC war an der Medienorientierung vom 1O.5.2005 am Gemsstock mit dem Umweltbeauftragten Jürg Meyer vertreten. In einem Bericht in der Sendung « Mensch–Technik–Wissenschaft » MTW des SF1 vom 26.5. wurde ein grösserer Beitrag dazu ausgestrahlt, mit einem kritischen Kurz-statement von J. Meyer. 2 Um an der Zugspitze in Deutschland das kleine Sommerskigebiet zu retten, schiebt man im Spätwinter riesige Schneehaufen mit Ratracs zusammen und deckt diese mit weissen Folien ab. Der so konservierte Schnee wird dann im Sommer wieder auf die Piste verteilt.

Die künstliche Zufahrtsrampe zum Gurschengletscher am Gemsstock mit der weissen Schutzab-deckung rechts. Rot umrahmt ist der für die Schutzabdeckung vorbereitete Rampenteil.

Foto: zvg/Ar chiv Andermatt-Gotthar d Spor tbahnen AG

ie Gewitter der Woche sind vorbei, ein ziemlich sonniges Wochenende kündigt sich an. Warum nicht davon profi tieren und Rougemont erobern mit seinen drei Klettersteigen, die zum Gipfel Le Rubli hinaufführen, auf 2285 m? Die als leicht, wenig schwierig und sehr schwierig taxierten Klettersteigrouten eignen sich sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Alpinisten. Der Zugang zu den Vie Ferrate ist nirgendwo pro-

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blemloser, denn die Gondelbahn von Rougemont zur Videmanette führt die Klettersteigfreunde ohne Aufwand zum Routeneinstieg. Auch die Länge spricht für unseren Ausfl ug: Alle drei Routen sind kurz, sodass wir kaum von einem Gewitter überrascht werden können.

Einführung ins Klettersteiggehen

Es geht los, wir erreichen das Pays d' Enhaut, u.a. die Heimat von Mike Horn, der mit seinen Abenteuern weltweit für Schlagzeilen gesorgt hat. 1 Von der Sonne gebräunte Chalets, Tannenwälder an den grünen Talfl anken, Weiden

1 Der Abenteurer Mike Horn hat unter anderem den Amazonas per Hydro-speed befahren, die Erde dem Äquator entlang umkreist und kürzlich seine Tour rund um den Nordpol auf dem nördlichen Polarkreis beendet.

T E X T Floriane Boss, Fontainemelon ( ü ) F O T O S Patrice Schreyer, Outdoorphotography Blick von der Pointe de la Videman auf die Gummfl uh, 2458 m

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