GPS-Geräte im Praxistest Wie nützlich sind die kleinen Helfer?

Für fast jede Outdooraktivität gibt es mittlerweile elektronische Hilfsmittel. Das GPS-Gerät gehört schon fast zur Standardausrüstung. Doch welches Gerät ist das richtige? Wie benutzt man es? Und wo liegen die Grenzen der kleinen Alleskönner? Ein Produkttest im Elektronikdschungel.

Sir Edmund Percival Hillary und Tenzing Norgay konnten 1953 am Mount Everest nicht auf die heutigen elektronischen Hilfsmittel zählen. Trotzdem haben die beiden den Aufstieg zum höchsten Gipfel der Erde und den Weg zurück ins Basislager geschafft. Heutige Expeditionen planen und führen ihre Touren mit Unterstützung zahlreicher elektronischer Gerätschaften durch. Auf Knopfdruck werden meteorologische Vorhersagen via Satellitentelefon abgefragt, die Routenplanung erfolgt im Basislager auf dem Toughbook, die Daten werden noch im Basislager via Infrarot auf das GPS gespielt und das Sicherheitsdispositiv mit dem Personal Locator Beacon verstärkt. Weitere elektronische Hilfsmittel erhöhen die Erfolgsquote der Expeditionen und reduzieren das Risiko am Berg. Es ginge natürlich auch ohne all diese Gerätschaften, doch vereinfachen sie nicht nur Expeditionsteilnehmern das Leben, sondern Outdoorsportlern ganz allgemein. Nicht von ungefähr wächst der Kundenkreis stetig an.

Rasante Entwicklung

Die Voraussetzung für Outdoorelektro-nik wurde in den frühen 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts geschaffen. Das Ausarbeiten von Binärcodes ( ASCII ) setzte den ersten Meilenstein in der In-formationstechnologie. Der Datenhaus-halt von Computern wurde wesentlich verbessert. Kurz darauf wurden die Grundsteine für die Satellitennavigation gelegt. Vom amerikanischen Verteidi-gungsdepartement entwickelt, wurde das Global Positioning System GPS vorerst nur für militärische Zwecke eingesetzt, bevor es ab 1983 auch der zivilen Nutzung zur Verfügung stand. 26 Jahre später diktieren mobile GPS-Geräte mittlerweile unzähligen Outdoorsport-lern mittels « waypoints » und « bearings » den Weg. Die Entwicklung im Bereich der Elektronik für den Outdoorsport hat ein horrendes Tempo angenommen und hinkt dem Rhythmus der Computer-branche kaum mehr nach.

Der Anwendungsbereich der Out-doorelektronik hat sich massiv ausgedehnt. Es ist aber gerade diese grosse Auswahl, die den Konsumenten die Entscheidung erschwert, welches Gerät denn nun unbedingt mit auf die Tour muss. Denn keiner füllt seinen Rucksack zur Hälfte mit Elektronik und lässt dafür aus Platzmangel das « Znüni » zu Hause. Oft liefern die Geräte auch eine Informationsflut, die der Benutzer gar nicht nutzen will oder kann. 3-D-Ansichten des umliegenden Geländes auf dem Display des GPS-Geräts sind eine nette Spielerei, mehr nicht. Mit etwas Training und einem einigermassen guten räumlichen Vorstellungsvermögen kann sich jeder selbst ein Bild der nächsten Gelän-dekammer machen. Spiele auf GPS- Geräten sind meist überflüssig, es sei denn, man verbringt den Abend allein im Zelt und kann sich nicht anderweitig beschäftigen.

Technik soll den Menschen bei seinen Tätigkeiten unterstützen. Der Mehrwert ist aber nur gegeben, solange die Geräte auch bedienerfreundlich sind. Bei optimalen Bedingungen kann ein Gerät fast von jedermann und -frau eingesetzt werden. Was aber, wenn das Wetter umschlägt und Regen, Wind, Kälte und Schnee die Handhabung erschweren? Geräte müssen intuitiv bedienbar, die Menüführung und Funktionen auch unter widrigen Umständen gewährleistet.

xxxxsein. Garmin setzt in seinen neuesten Geräten seit Kurzem berührungsemp-findliche Bildschirme ein, die auch bei Minustemperaturen funktionstüchtig und mit Handschuhen bedienbar sind. Der englische GPS-Gerätehersteller Satmap arbeitet aus dem gleichen Grund mit einem grossen Display und Knöp -fen. Doch Vorsicht! Zu viel Technik kann oft auch Störungsanfälligkeit mit sich bringen. Ein wichtiger Schritt zur fehlerfreien Bedienung im Gelände ist die « Familia-risierung » mit dem Gerät nach dem Kauf. Grundlage dafür sind die Bedie-nungsanleitungen der Geräte. Hierfür wählen die Hersteller unterschiedliche Ansätze: konventionelle Papiermanuals stehen CD- oder webbasierten Benutzer-handbüchern gegenüber. Am besten ist sicherlich die Variante eines internetba-sierten interaktiven Lernprogramms, oder besser noch eines Lernprogramms auf dem Gerät selbst. SUUNTO beispielsweise erklärt die grundlegenden Manipulationen des Flagschiffes X10 auf der X10-Kampagnenseite. Während eines interaktiven Weekends werden hierbei die Grundfunktionen und Basis-manipulationen erklärt. Garmin geht bei der Oregon-Serie noch weiter und hat auf dem Gerät selbst ein Tutorial programmiert. Mit dem « Wherigo » können die ersten Schritte der Navigation spielerisch erlernt werden. Für GPS-Neulinge eine nützliche Sache.

Für das Trainieren der Handhabung der Geräte empfiehlt sich folgendes Schema: Am Anfang steht die Anlern-stufe. In dieser Phase sollte der Nutzer unter besten Bedingungen die Funktionen aufgrund der Dokumentationen kennenlernen – am besten zu Hause. Kennt man sich in der Bedienung des Geräts aus, folgt die Festigungsstufe. Der Einsatz wird zum Beispiel auf der Haus-strecke beim Laufen oder bei kleinen Wanderungen unter optimalen Bedingungen ( Wetter, Kondition usw. ) und vor allem im bekannten Gelände geübt. Dabei erkennt man Kniffe und Tricks und festigt den Umgang mit dem Gerät. Während der Anwendungsstufe empfiehlt es sich ( immer noch bei optimalen Bedingungen ), unbekannte Wege zu beschreiten und schwierigere Aufgaben zu bewältigen. So entstehen nützliche Grundlagen für die Outdooreinsätze, bei denen eine korrekte Handhabung zwingend ist. Wer sich also in der Natur sicher bewegen will, muss nicht nur seine körperliche Leistungsfähigkeit, sondern auch den Umgang mit seinen Hilfsmitteln trainieren. Wer kein Autodidakt ist und lieber in der Gruppe und mit Anleitung lernt, kann beim SAC, bei den meisten Bergschulen und einigen spezialisierten Outdoor- und Bergsportgeschäften einen Kurs belegen.

Nicht ohne meine Karte

Trotz den Möglichkeiten und der Mess-präzision der heutigen Geräte muss folgender Grundsatz befolgt werden: Eine Papierkarte und ein Kompass gehören trotz Elektronik immer in den Rucksack. Kartenlesen, Rückwärtseinschneiden und Azimutlaufen mit Kompass sollten alle in jeder Situation beherrschen. Denn wer sich nur auf seinen kleinen elektronischen Helfer verlässt und nicht mehr auf sein Gefühl hört, bewegt sich auf einem schmalen Grat. Was tun, wenn im Feld der Strom ausgeht, weil einige der heutigen Geräte auch im Stromspar-modus noch grosse Stromfresser sind? Abhilfe schaffen kann dabei, wenn man entweder einen Ersatzakku im warmen Hosensack mitträgt oder sich ein Solarpanel à la Off-Grid Sunbag auf den Rucksack schnallt.

Bei kartenfähigen Geräten muss ebenfalls der Qualität, Routingfähigkeit 2 und Verfügbarkeit des digitalen Kartenmaterials Beachtung geschenkt werden. Satmap und Sony Ericsson verwenden die swissmap-Karten von swisstopo, die zwar qualitativ hervorragend, aber leider auf Wanderwegen nicht routingfähig sind. Mynav stellt eine eigene Topokarte her, die auch das Routing im Gelände ermöglicht. Der Benutzer kann sich also wie bei einem konventionellen Strassen-GPS auf Wander- und Bikewegen sowie auf Pisten führen lassen. Garmin lancierte im Februar 2009 auf der Daten-grundlage der Landeskarte der Schweiz die Vektorkarte Topo Schweiz V.2 für die kartenfähigen Geräte. Diese digitalisierte Vektorkarte ermöglicht dem Nutzer das Routing auch im Gelände.

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