Haller, Heinrich: Der Steinadler in Graubünden

Der Ornithologische Beobachter, Beiheft 9/1996. Bezug: Nationalparkhaus, 7530 Zernez, oder Schweizerische Vogelwarte, 6204 Sempach. Preis: Fr. 25. Wohl jeder Alpinist hat sich schon am majestätischen Vorbeisegeln eines Steinadlers erfreut oder diesen grössten einheimischen Greifvogel gar beim Balzspiel oder bei der Jagd beobachten können. Der Steinadler ist nämlich im schweizerischen Alpenraum flächendeckend vorhanden; allein in Graubünden leben mehr als 100 Revierpaare. Diese verteidigen Territorien von 28-90 km2 Grösse. Dies und viele andere interessante Informationen über den Adler kann man der Publikation Der Steinadler in Graubünden entnehmen, die als Beiheft ( oder besser Bei-Buch ) der Fachzeitschrift Der Ornithologische Beobachter kürzlich erschienen ist. Dieses beeindruckende Werk ist das Ergebnis einer langjährigen aufwendigen Beobachtungs- und Forschungstätigkeit des Autors. Heinrich Haller ist einer der europaweit besten Adler-kenner - in seiner Eigenschaft als Direktor des Schweizerischen Nationalparks teilt er seinen Arbeits- und Lebensraum mit seinem Forschungsobjekt.

Zuerst werden die historische Bestandsentwicklung und die aktuelle Situation des Steinadlers in Graubünden dargestellt. In einem ausführlichen Kapitel wird auf das Verhalten der Reviervögel und auf die Territo-rialität der Adler eingegangen. Weitere Kapitel widmen sich dem Verhalten der Jungvögel, die noch kein Revier besitzen, dem Jagdverhalten, der Nahrungszusammensetzung, dem Fortpflanzungsverhalten und der Populationsdynamik. In einem Abschnitt über Sterblichkeit und Todesursachen erfahren wir, dass die Jagd bis zum Jahr der Unterschutzstellung des Steinadlers ( 1953 ) ein bestandsbegrenzender Faktor war. Heute jedoch sind Kämpfe zwischen Steinadlern, die um ein Revier streiten, die am häufigsten nachweisbare Todesursache. Der Steinadler in Graubünden ist zwar eine wissenschaftliche Publikation. Der Autor hat aber die Fähigkeit, eingängig und allgemein verständlich zu schreiben, so dass die Lektüre auch dem ornitholo- gisch nicht vorbelasteten Alpinisten zum Genuss wird. Dazu tragen vor allem auch die zahlreichen, qualitativ hochstehenden Farbaufnahmen bei, die die Adler in ihrem Lebensraum, am Horst, bei der Nahrungsaufnahme und bei anderen Verhaltensweisen zeigen.

Roman Graf, Luzern

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