«hoch hinaus». Ausstellung des Kunstmuseums Thun als 23. SAC-Kunstaustellung

« hoch hinaus »

Die Ausstellung « hoch hinaus » des Kunstmuseums Thun ist gleichzeitig die 23. SAC-Kunstausstellung. Den Berg in seiner Vielfalt anders zu entdecken, ist sowohl für Kunstliebhaber als auch für Alpinisten reizvoll. Diese Ausstellung und ihr Begleitprogramm bietet beiden Gruppen einen ungewohnten Zugang zum Thema « Berg ».

Hochsommer. Steigeisen, Seil und Pickel sind im Rucksack verstaut, angesagt sind Bergtouren hoch hinaus. Dieses « hoch hinaus », der Berg, ist auch das Thema der Sommerausstellung – und gleichzeitig der 23. SAC-Kunstausstellung – im Kunstmuseum Thun. Der Berg, dieses beliebte Motiv in Kunst, Literatur und Musik, wird in seiner aktuellen Vielfalt reflektiert: als Landschaft, Ökosystem, Erholungs- oder Rückzugsraum, als Ort der Sehnsucht oder der sportlichen Herausforderung. « hoch hinaus » macht die Bergwelt für einmal anders erfahrbar. Nicht mit gutem Schuhwerk und Proviant im Rucksack, sondern einzig mit offenen Augen und Ohren im wettersicheren Rahmen des Museums. Den Berg in der zeitgenössischen Kunst zu entdecken, ist eine Erfahrung, die auch die Begegnung mit den realen Alpen zu inspirieren vermag.

Meersalzlabyrinth mit Gebirge

Das Kunstmuseum Thun hat rund ein Dutzend Künstlerinnen und Künstler eingeladen, ihre Sicht auf das Thema zu präsentieren. Verschiedene Werke werden extra für die Ausstellung realisiert. So streut der japanische Künstler Motoi Yamamoto in aufwändiger Feinarbeit aus Salz ein Labyrinth, in dem ein Gebirge liegt. Für Motoi Yamamoto sind die Berge der Ort der Erinnerung, Heimat der eigenen Kultur, der Legenden und Mythen. Salz wird in Japan bei Ritualen rund um Leben und Tod verwendet. Seit dem Verlust seiner Schwester vor sechs Jahren arbeitet Motoi Yamamoto fast ausschliesslich mit Salz: « Im Gebirge aus Salz liegen die Erinnerungen an meine Schwester. Aber um das Gebirge – auch nur schon gedanklich – zu erreichen, muss ein Weg durchs Labyrinth gefunden werden. » Fürs Publikum eine beinahe unlösbare Aufgabe, denn das verästelte Labyrinth des Künstlers ist auf 30 m 2 ausgestreut. Motoi Yamamoto, der für die zarten Linien drei Tonnen Meersalz benötigt, verwendet als Hilfsmittel einzig eine Plastikpipette.

Das Kunstmuseum Thun im Thunerhof liegt idyllisch am See und ermöglicht gleichzeitig den Blick « hoch hinaus » auf die Berner Alpen.

Eines der ausgestellten Werke: ein Salzlaby-rinth mit Gebirge des japanischen Künstlers Motoi Yamamoto, ausgestreut auf 30 m 2 Fotos: zvg/K unstmuseum Thun « hoch hinaus » Im Kunstmuseum Thun als 23. SAC-Kunstausstellung vom 1O. Juli bis 18. September 2005 Thunerhof, Hofstettenstrasse 14, 3602 Thun, Tel. 033 225 84 20, Fax 033 225 89 06, kunstmuseum(at)thun.ch, www.kunstmuseumthun.ch Öffnungszeiten: Di bis So, 10–17 Uhr, Mi, 10–21 Uhr, Mo geschlossen Führungen Spezialführungen für SAC-Mitglieder ohne Anmeldung: Mi, 2O. Juli, 19 Uhr; Sa, 13. August, 11 Uhr Öffentliche Führungen ohne Anmeldung: Mi, 13. Juli, 19 Uhr; So, 24. Juli, 11 Uhr; So, 28. August, 11 Uhr; Mi, 7. September, 19 Uhr Führungen für Gruppen nach Anmeldung: Termine sind mit dem Kunstmuseum zu vereinbaren; Kosten Fr. 10O.–, für SAC-Gruppen Fr. 75.–; die ersten zehn SAC-Gruppen erhalten einen zusätzlichen Rabatt. Familiensonntag im Kunstmuseum: So, 21. August – ein Fest für Gross und Klein mit Workshops, Musik, Brunch, Kaffee und Kuchen Begleitprogramm « hoch hinaus » aufs Stockhorn: Wer im Gipfelrestaurant die Eintrittskarte des Kunstmuseums vor-weist, erhält einen Kafi « hoch hinaus » offeriert. Umgekehrt berechtigt die Konsumation eines Kafi « hoch hinaus » auf dem Stockhorn zu einem vergünstigten Eintritt in die Ausstellung. Bergfilme: Das Studiokino « Leinwand » in Thun präsentiert eine interessante Reihe zum Thema mit Vorstellungen am Mi, 31. August; Mi, 7. September; Mi, 14. September « hoch hinaus»-Kurzferien: als Paket mit 1 Eintritt ins Kunstmuseum Thun, 1 Übernachtung im DZ inkl. Frühstück im Hotel Holiday, Thun, und 1 Fahrt aufs Stockhorn retour inkl. Busfahrt ab Thun zur Talstation, à Fr. 125.– pro Person Bergbücher – Bücherberge: Die Stadtbibliothek Thun bietet zur Ausstellung thematische Führungen an, und zwar am Di, 12. Juli; Di, 16. August; Di, 3O. August; Di, 13. September, Klanginstallation: Die Musikschule Thun entwi- ckelt ein begehbares Konzert in der Ausstellung, Sa, 1O. September. Weitere Informationen unter www.kunstmuseumthun.ch

Gipfelschau dank Wäscheleinen

Wer ob dieser japanischen Geduld ins Staunen gerät, erfreut sich wohl auch am Liniengeflecht von Heike Weber. Die deutsche Künstlerin fängt das Glücksgefühl ganz oben auf dem Gipfel ein. Sie verwendet dafür rote Wäscheleinen, die sie um unzählige, in die Wand geschlagene Nadeln windet. Die Leinen zeichnen die Silhouetten der Bergketten nach. Wer mitten im Raum steht, hat eine einmalige Panoramasicht. « Damit dem Publikum auch das Schwindelgefühl oben auf den Gipfeln nicht vorenthalten bleibt, lege ich den Boden weiss aus, so schweben die Berge an den Wänden », erläutert Heike Weber die Technik ihrer Installation.

Landschaftliche Monumente

Klassischer ist Neal Taits Auseinandersetzung mit der Bergwelt. Der britische Künstler malt die Berge als landschaftliche Monumente. Seine Farben erinnern dabei an Gemälde, wie sie viele grosse Schweizer Maler geschaffen haben. Aber dennoch sind Neal Taits Bilder modern und zeitgemäss. Auf dem Rundgang durch die Ausstellung sind solche Bezüge zur Vergangenheit oder zur eigenen Wahrnehmung der Bergwelt oft zu erkennen. « hoch hinaus » macht die Bergwelt neu erfahrbar und ermöglicht dem Publikum eine anregende Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensraum. Im Anschluss an den Ausstellungsbesuch ist der Blick in die reale Bergwelt zu erproben. Thun ist der ideale Ausgangspunkt für Touren ins Berner Oberland. Zudem gibt es zur Ausstellung ein umfangreiches Begleitprogramm sowie Vermittlungsangebote für Kinder, Jugendliche, Schulklassen und Erwachsene; öffentliche Führungen, literarische Begegnungen in der Ausstellung, eine Film-reihe und Musik aus den Bergen. a Fanni Fetzer, Kunstmuseum Thun Heike Webers Gipfelschau: rote Wäscheleinen, um unzählige in die Wand geschlagene Nadeln geschlungen Das Kunstmuseum Thun zeigt vom 1O. Juli bis 18. September 2005 die Ausstellung « hoch hinaus », die zugleich die 23. SAC-Kunstausstellung ist.

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