Höhenmediziner-Pilotkurs von SGGM und SAC in Zermatt. Wer nicht geniesst, wird krank

Wer nicht geniesst, wird krank

35 Mediziner und Medizinerinnen aus der ganzen Schweiz haben sich im Monte-Rosa-Massiv das Rüstzeug als Expeditions- und Trekking-Ärzte geholt. Der erstmals durchgeführte Kurs der Schweizerischen Gesellschaft für Gebirgsmedizin ( SGGM ) wurde von führenden Schweizer Höhenmedizinern organisiert, von der Medizinischen Kommission des SAC mitgetragen und alpintechnisch von erfahrenen Bergführern betreut.

Spätsommer 2003: Stahlblau wölbt sich der Himmel über die Viertausender rund um Zermatt. Im engen Theoriesaal vertiefen sich die Kursteilnehmer/innen in die Kursunterlagen. Referate, Fach-artikel, ein Kurstagebuch und für jeden Kursteilnehmer ein Pulsoximeter zur Bestimmung des Sauerstoffgehaltes im Blut und der Pulsfrequenz sind zu Beginn des Kurses verteilt worden. Bevor das medizinische Gerät am Berg zum Einsatz kommt, müssen die Kursteilnehmer während zweier Tage die medizinischen Grundlagen für eine fundierte Selbstbeobachtung legen. Was passiert

Da das Wetter nicht ganz mitspielt, muss das Viertausen-der-Biwak auf 3500 m errichtet werden.

Fo to s: Tomm y Dä twy le r DIE ALPEN 11/2003

bei der Bergkrankheit? Wie äussern sich Höhenkrankheiten wie Bergkrankheit oder Lungenödem? Was ist bei Erfrierungen zu tun und was zu lassen? Wie kann auf Höhen von über 2500 m Berg-steigerkrankheiten am besten ein Schnippchen geschlagen werden, und bei welchen Symptomen muss mit einem Höhenlungenödem gerechnet werden? Vermittelt werden das beste Vorgehen zur medizinischen Prophylaxe, die Wirkung der gängigsten Medikamente, die optimale Ausrüstung einer Expeditions-oder Trekkingapotheke sowie der Umgang mit technischem Hilfsmaterial. Der erfahrene Höhenmediziner Marco Maggiorini, Chefarzt am Zürcher Uni-Spital, referiert über Hintergründe und Details bei der Erforschung des Höhenlungenödems. 1

Praxis an der Dufourspitze Die beiden Kursleiter Urs Hefti, Präsident der SGGM, und Tobias Merz, Präsident der Med. Kommission des SAC, zeigen anhand von Fallbeispielen mögliche Gefahren bei Therapie und Rettung auf. Weiter werden auch ethische Fragen diskutiert: Hat jeder Anspruch auf Hilfeleistung, auch wenn sich andere dafür in Gefahr begeben? Weshalb und unter welchen Umständen müssen beim Trekking auch Träger medizinisch überwacht und betreut werden?

Zum fünftägigen Pilotkurs « Höhenmedizin » gehört ebenfalls die Praxis in Form einer dreitägigen medizinisch ausgerichteten Hochtour im Monte-Rosa-Massiv. Geplant ist die Besteigung der Dufourspitze. Nur macht das Wetter nicht mit, das Viertausender-Biwak muss auf 3500 m errichtet werden. Hier werden Funktion und Einsatzmöglichkeiten des Überdrucksackes demonstriert. Mit Hilfe einer Pumpe kann im Innern des Sackes der Luftdruck künstlich so erhöht werden, dass ein Abstieg simuliert wird und Symptome der Höhenkrankheiten gemildert werden. Die Kursauswertung sowie die Analyse der während der Tour gesammelten Daten untermauern das theoretische Wissen, dass der menschliche Körper auf mangelnde Akklimatisation mit sinkender Leistungsfähigkeit und höherem Puls reagiert. Damit wird das Kursmotto bestätigt: Wer nicht geniesst – und sich entsprechend Zeit nimmt –, wird in grossen Höhen eher krank. a

Tommy Dätwyler, Kölliken 1 Vgl. ALPEN 9/2003

Höhen-Akklimatisation

Die Letzten werden die Ersten sein Wer sich beim Bergsteigen oder beim Trekking in Höhen von über 2500 m zu wenig Zeit lässt, setzt sich körperlichen Gefahren aus und riskiert, krank zu werden. Neben der Zufuhr von Flüssigkeit – empfohlen ist 1 / 2 l pro Stunde – sind vor allem bei mehrtägigen Touren weitere Grundregeln zu beachten: – Pro Tag die Schlafhöhe nicht um mehr als 300 bis 500 Meter erhöhen. – Alle 1000 Höhenmeter einen Rasttag einschalten, d.h., zwei Nächte auf gleicher Höhe verbringen. – Anstrengungen vermeiden – immer wieder Pause machen. – Bereits bei der Routenplanung Zeit für die Akklimatisation einplanen. – Eine Vorakklimatisation prüfen. Die Wirkung hält allerdings nur wenige Tage bis maximal zwei Wochen an.

Der Wechsel von Theorie und Praxis ist ein wichtiger Aspekt des Höhenmedizinerkurses. Im Aufstieg zur Dufourspitze kurz nach der Monte-Rosa-Hütte Demonstration des Überdruck-sacks: Mithilfe einer Pumpe kann im Innern des Sacks der Luftdruck künstlich so erhöht werden, dass ein Abstieg simuliert und die Symptome der Höhenkrankheit gemildert werden.

Vorbereitungen für die medizinisch ausgerichtete Hochtour unter Leitung von erfahrenen Bergführern DIE ALPEN 11/2003

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