In Notlage am Fels Oft waren die Betroffenen überfordert und blockiert

Vermutlich zog es wegen der geschlossenen Hallen mehr Kletterinnen und Kletterer nach draussen an den Fels. 2020 gab es so viele Not- und Unfälle wie noch nie.

Beim Felsklettern gerieten insgesamt 216 Kletternde in eine Notlage oder sind verunfallt (Vorjahr 155) – so viele wie noch nie. Zu einem wesentlichen Teil dürfte dies auf die Zunahme der Zahl der Kletternden zurückzuführen sein. Die Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, dass es Akteure, die sonst meistens in der Halle klettern, aufgrund der coronabedingten Einschränkungen vermehrt ins Freie zog.

Im natürlichen Fels ist jedoch vieles anders: Die Verletzungsgefahr bei Stürzen ist aufgrund der Felsstruktur und der Hakenabstände grösser, die Routenfindung im Auf- und Abstieg oder das Abseilen in Mehrseillängenrouten ist anspruchsvoller.

Häufigste Unfallursache mit 83 Beteiligten war ein Sturz. Von den Betroffenen wurden 22 schwer verletzt und 3 fanden den Tod. Davon waren zwei Betroffene nicht angeseilt, und eine Person verstarb wegen eines Missverständnisses oder einer Fehlmanipulation beim Sichern.

Viele Zwischenfälle beim Abseilen

Deutlich zahlreicher als in früheren Jahren mit 73 Beteiligten waren Blockierungen: Die häufigste Ursache war, dass sie sich im Auf- oder Abstieg verstiegen hatten oder überfordert waren. Auch während des Abseilens waren Zwischenfälle mit oder ohne Verletzungen mit 34 beteiligten Personen deutlich zahlreicher (Vorjahr 11): Meistens als Folge verklemmter oder verhangener Seile oder wegen Nichtfinden der nächsten Abseilstelle.

Bei solchen Situationen konnten die Rettungskräfte die Beteiligten meistens unverletzt aus ihrer Notlage befreien. Während des Abseilens kamen jedoch auch drei Kletternde ums Leben: Bei zwei Ereignissen durch eine Fehlmanipulation, und bei einem Fall versagte eine improvisierte Abseilverankerung.

Im Klettersport sind fatale Unfälle beim Abseilen oft die häufigste Todesursache. Solche Ereignisse müssen oft auf Fehlmanipulationen oder Unaufmerksamkeit zurückgeführt werden. Davon betroffen sind immer wieder auch sehr erfahrene und routinierte Kletternde. Erfahrung ist gut, aber Routine kann gefährlich sein: Kein Knoten an den Seilenden oder eine Unaufmerksamkeit beim Handling am Abseilstand ist meistens als Unfallhintergrund erkennbar.

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