Jungfrau, Mönch & Eiger. Geschichten zur Faszination des Berges

Geschichten zur Faszination des Berges

Jungfrau, Mönch & Eiger

Die Annäherung der Menschen an die Berge hat sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt. Im internationalen Jahr der Berge macht eine Ausstellung im Schweizerischen Alpinen Museum in Bern diesen Wandel in der Faszination, dem Schauen und Empfinden sichtbar. Beispiel ist das weltberühmte Dreigestirn Jungfrau, Mönch und Eiger im Berner Oberland.

Wer heute in die Berge geht, erliegt der Faszination der Bergwelt. Die Ausstellung « Jungfrau, Mönch & Eiger » macht deutlich, dass die Bergbegeisterung früher und heute eine überraschend grosse Vielfalt subjektiver Ausprägungen kennt. Der Ausstellungsmacher Beat Gugger präsentiert eine Menge amüsanter oder auch scharfsinniger Geschichten. Und schliesslich stellt sich jedem Besucher die Frage, welcher Spielart der Faszination Berg er persönlich erliegt.

Stellvertretend: Jungfrau, Mönch & Eiger Das weltbekannte Berner Dreigestirn entpuppt sich als ideales Anschauungs-objekt – stellvertretend für all die anderen Berge. Im Laufe der Zeit haben sich die Menschen auf unterschiedliche Weise den Bergen genähert: War es am Anfang die Angst vor dem Berg, später das Staunen über seine majestätische Erhabenheit, herrschte im 19. und 2O. Jahrhundert die Absicht vor, sie zu bezwingen. Beim Übergang ins 21. Jahrhundert hat der Gedanke des Schutzes der Bergwelt eine wichtige Bedeutung erlangt.

Die Ausstellung spannt den Bogen vom Berner Gelehrten Albrecht von Haller ( 1708–1777 ) und seinem grossen Ge-

« Jungfrau, Mönch & Eiger »

Dauer: bis 1. Dezember 2002 Ort: Schweizerisches Alpines Museum ( SAM ), Helvetiaplatz 4, 3005 Bern, Tel. 031 351 04 34, www.alpinesmuseum.ch, E-Mail info(at)alpinesmuseum.ch Öffnungszeiten: Di–So 10 bis 17 Uhr, Mo 14 bis 17 Uhr; 1.8.2002 geschlossen Ausstellungsbroschüre: « Jungfrau, Mönch & Eiger », Geschichten und Spuren einer Faszination. 32 Seiten; farbige Illustrationen; Fr. 12.– Diverses: französische und englische Erläuterungen; Rahmenprogramm mit Führungen, Exkursionen und Vorträgen ( vgl. www.alpinesmuseum.ch ) Doppelte Faszination des Berges: Das Schauen des gleissenden Dreigestirns und das Verfolgen seiner Besteigung aus sicherer Distanz von einer gemütlichen Aussichtsterrasse aus. Sammlung Heimatmuseum Grindelwald Fo to s: zv g/ SA M Die Personifizierung der Berge, ihre Erschliessung, die Gefahren, Verbote, verrückten Aktivitäten und das Zusammentreffen von besonderen Menschen – alles Aspekte der Faszination der Berge, zusammengefasst in einer um 1905 herausgegebenen Postkarte, die mit Augenzwinkern in die Zukunft blickt. Privatbesitz DIE ALPEN 6/2002

Verschiedenes

Diversi

Divers

dicht « Die Alpen » über die ersten Bergtouristen mit der grossen Sehnsucht nach Unberührtheit bis hin zum Massentourismus, den Bezwingern der Eigernordwand und der Beziehung von James Bond zur Jungfrau.

Faszination Jungfrau Tourismus und Alpinismus sind reich an Geschichten. Fast 70 Jahre alt ist der faszinierende « Sport », die Kletterer von einer gemütlichen Terrasse in Grindelwald aus in der vertikalen Arena mit dem Fernrohr zu beobachten. Der Traum von der Bezwingung der Jungfrau für jedermann hingegen ist wohl für immer ausgeträumt: Die Jungfraubahn bleibt bei allem Stolz eine Jungfraujochbahn. Aber noch immer hat die Hotelaussicht auf das Dreigestirn einen Einfluss auf die Zimmerpreise.

Der Massentourismus bringt die Faszination der Jungfrau in die hintersten Wohnzimmer, in allen Schattierungen vom kitschigen Souvenir bis zu den Karikaturen auf den Ansichtskarten eines norddeutschen Malers. Die Ausstellung zeigt die Faszination der Berge auch als Thema der Wissenschaft. Es gibt eine Methode der wissenschaftlichen Analyse landschaftlicher Schönheit. Zum Beweis der Schönheit der Jungfrau wird – wer hätte das gedachtdie Mathematik, genau der goldene Schnitt, herangezogen.

Kunst, Werbung und Massenkultur Die anhaltende Bewunderung des weltbekannten Dreigestirns hat eine lange und eindrückliche Vergangenheit, und die drei Berge sind im Spannungsfeld von Kunst, Werbung und Massenkultur zu einem Markenzeichen der Schweiz geworden. Tondokumente von begeisterten Berggängern und Landschafts-ästheten differenzieren dieses Bild. Das aktuelle Schönheitsbild der Berge wird durch eine Besucherbefragung er-mittelt. a

Urs Kneubühl, SAM

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