Kein Platz für Nacktwanderer?

Zum Veranstaltungshinweis Grenzwertig, «Die Alpen» 12/2019

Über eineinhalbmal um die Welt reichen unsere Wanderwege. Strassen, Autobahnen, Waldwege, Alperschliessungen, Schiessplätze, Bahnen, Lifte, Tunnels, Restaurants, Tourismuszentren, Gipfelkreuze, Klettersteige, Gleitschirm- und Basejumpingrampen, Bike-Downhillpisten, plattgewalzte Skipisten usw. Alles im grenzwertig engen Rahmen masslos vorhanden, um die Gesellschaft zu lenken und dorthin zu führen, wo das Geschäft läuft.

Ein Nacktwanderer, so scheint es, hat hier nichts zu suchen, weil grenzwertig?

Wir sollen uns an den Bergen freuen, aber nur in der Manier der Markenausstatter mit chinaproduzierter Feinwäsche in vollsynthetischer Abschottung.

Es gibt aber Menschen, die suchen etwas anderes, vielleicht den vergessenen Weg zurück zur Ursprünglichkeit unseres Daseins. Den Wind spüren, die Frische des Morgens, die wärmende Sonne, den Kontakt zur Erde, zu Steinen und zum Gras. Barfusswege sind im Trend, Nacktwanderwege gibt es in Deutschland mehrere. In der Schweiz werden hingegen Bussen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verteilt, derweil unsere Kinder auf dem Pausenhof mit dem Handy möglicherweise wirklich anstössige Filme austauschen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich empfinde das erwähnte Bild zum Veranstaltungshinweis mit dem nackten Mann als ruhig, wunderschön und erhaben. Beziehen Sie doch in Ihrer Zeitschrift einmal Stellung zu diesem Thema!