Klassische Lehrmeinung widerlegt

Für ein Forschungsprojekt hat ein internationales Team mehrere Gipfel im Nordwesten Spitzbergens bestiegen. Mitgebracht haben sie Gesteinsproben, die Aufschluss über die Geschichte der Landschaft geben.

Ursprünglich ging es den Forschern darum, mithilfe der Proben die Mächtigkeit des Eisschildes zu bestimmen, der die arktische Insel in der letzten Eiszeit bedeckt hatte. Die Analyse der Proben, an der auch Forscher der Universität Bern und der ETH Zürich beteiligt waren, sorgte aber für eine kleine Sensation: Die Forscher hatten ursprünglich angenommen, dass die Landschaft mit ihren schroffen Graten und tiefen Fjorden während der Eiszeit von Gletschern modelliert worden war. Es zeigte sich nun aber, dass sie mehrere hunderttausend Jahre älter ist als vermutet. Das heutige Relief hatte sich bereits vor rund einer Million Jahren gebildet. Die Vereisungen seither blieben ohne Einfluss auf die Landschaft. Damit werfen die Resultate eine klassische Lehrmeinung über den Haufen: War man bisher davon ausgegangen, dass Gletscher Täler aushobeln und Gebirge abtragen, scheinen die extrem kalten arktischen Gletscher die Landschaft im Gegenteil zu konservieren. Damit stellt sich die Frage, ob auch andere Hochgebirgslandschaften, die in der Vergangenheit extrem kalte Klimaverhältnisse kannten, älter sind als bisher angenommen.

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