Klettern als Schulsport. Erfolgreiches «Rivella Climbing»-Projekt

Erfolgreiches « Rivella Climbing»-Projekt

Bereits zum zweiten Mal ist der SAC mit der mobilen Kletterwand auf Tournee durch Schweizer Schulen. Hauptziel ist, Sportklettern als Schulsport zu fördern und dazu den SAC als kompetenten Partner darzustellen. 1 Eine erste Bilanz ist vielver-

sprechend.

« Wisst ihr, wofür die drei Buchstaben S, A und C stehen ?», fragt Michael Guggisberg die 21 Drittklässler aus Bönigen und deutet dabei auf das grosse SAC-Logo auf der Kletterwand. Dass S für Schweiz steht, ist klar, A und C von Alpen-Club hingegen sind unbekannt. Woher auch? Bergsport gehört nicht zu den klassischen Schulsport-Disziplinen wie Volleyball, Schwimmen oder Geräteturnen. Noch nicht, obwohl sich Sportklettern für den Sportunterricht auf sämtlichen Schulstufen bestens eignet und Werte und Möglichkeiten beinhaltet, die anderen Sportarten fehlen.

Sportklettern – modern und aktiv « Sportklettern ist mehr als ein trendiger Sport », beginnt Michael die Aufzählung dieser Werte, « cool, modern, vor allem aber aktiv. Mit Passivität kommt man nicht weiter. Die Antwort auf sein Tun erhält man sofort: Entweder hält man den nächsten Griff oder man steht wieder auf dem Boden bzw. hängt im Seil. Dass Klettern ein menschlicher Urtrieb ist, zeigen die Klettertürme auf jedem Spielplatz: Jedes kleine Kind versucht, in die Höhe zu kraxeln. Mit künstlichen Wänden kann man das Sportklettern auch in der Schule gezielt fördern. Gefahrlos können Kinder ihre persönlichen Grenzen suchen und erweitern. Neben Aspekten wie Stärkung der allgemeinen Muskulatur, Förderung von Körperhaltung und Beweglichkeit kommen beim Sportklettern auch soziale Werte dazu, die in der heutigen Schule immer wichtiger werden: Verantwortung übernehmen, sich jemandem anvertrauen. »

Sportklettern in der Schule Michael Guggisberg war bei der Entwicklung des Projekts « Klettern macht Schule » massgeblich beteiligt.. " " .Als Primarlehrer, der seit 16 Jahren auf verschiedenen Schulstufen unterrichtet, versucht er seit längerer Zeit, Sportklettern in das Sport-pensum einzubauen. Als er noch weit hinten im Diemtigtal, in Zwischenflüh, unterrichtete, entstand auf seine Initiative hin die Kletteranlage im Sportzentrum Wiriehorn. Dorthin verlegte er dann regelmässig den Sportunterricht. Michael führte auch viele Lehrerfortbildungs-kurse zum Thema « Sportklettern in der Schule » durch. Im Gegensatz zur Ausbildung von Turn- und Sportlehrern an den Hochschulen und in Magglingen gehört Sportklettern noch nicht zum Ausbil-dungsinhalt von Primarlehrern. Wochentest: Schulfach Sportklettern Damit Sportklettern im Schulsport-unterricht überhaupt angeboten werden kann, braucht es die entsprechende, nicht ganz billige Infrastruktur. Der Einbau einer Kletter- oder Boulderwand in der Turnhalle kommt in der Regel nur dank grosser Überzeugungsarbeit zu Stande. Und da setzt das Projekt « Rivella Climbing»an: Lehrpersonen,. " " .Schulleitung und verantwortliche Behörden können sich während einer Woche in ihrer Turnhalle davon überzeugen, wie gut sich Sportklettern als Schulsport eignet. Denn die mobile Kletterwand, die durch Schulen in der ganzen Schweiz tourt, wird jeweils für eine Woche in der Turnhalle aufgestellt und von einem J+S-Leiter 3 Sportklettern – mit Erfahrung im Schulsportunterricht – betreut. Dazu gehören nicht nur die Leitung der Wandmontage und der Kletterlektionen mit den Schulklassen, sondern auch die Beratung der Lehrpersonen zu Themen wie ( Ein-)Bau einer Kletterwand, Sicherheit und Verantwortung, Ausbildung der Lehrpersonen und Ausrüstung.

Schulen bauen Kletterwände... Im letzten Jahr war der SAC mit « Klettern macht Schule » in total 17 Schulen

Geschickte Raumplanung: die Kletterwand in der Turnhalle im Schulhaus Unterseen beansprucht nur wenig Platz und Fo to s:

Ma rk us Ru ff 1 « Klettern macht Schule » ist ab Januar 2002 wieder auf Tournee durch Schweizer Schulen. Informationen und Anmeldeunterlagen unter www.sac-cas.ch « Jugend » oder bei Fabienne Wüthrich, Tel. 031/370 18 18, E-Mail jugend@sac-cas.ch. Das Info-Dossier zum Thema « Klettern in der Schule » ist kostenlos erhältlich.

bietet dennoch viele Möglichkeiten in allen Schwierigkeitsgraden.

DIE ALPEN 8/2001

zu Besuch – in diesem Jahr werden es 19 Schulen sein –, und zwar höchst erfolgreich. In fast allen besuchten Schulen laufen intensive Abklärungen für den Bau einer eigenen Kletterwand, im Pri-marschulhaus in Unterseen bei Interlaken konnte bereits eine Anlage realisiert werden. Michael Guggisberg hat dort beim Bau mitgeholfen, in jenem Schulhaus, wo er auch unterrichtet. Kurz nach der Einweihung wurde dort ein Lehrer-fortbildungskurs durchgeführt.

... und interessierte Jugendliche stossen zu KiBe und JO Schülerinnen und Schüler, die Lust haben, mehr und intensiver zu klettern, werden auf die SAC-Jugendorganisatio-nen Interlaken mit ihrem regelmässigen Angebot aufmerksam gemacht. « Bereits sind einige Schüler aus dem Schulhaus Unterseen zu KiBe oder JO Interlaken gestossen. Nur schade, dass wir die Wand nicht selbst nutzen können », meint die Jugendverantwortliche Monika Schoch. Weil die Turnhalle tagsüber ununterbrochen von der Schule und am Abend jeweils von verschiedenen Sportvereinen benutzt wird, steht sie der SAC-Sektion im Moment noch nicht zur Verfügung. Inzwischen haben die Drittklässler der Primarschule Bönigen mit Hilfe von zwei Müttern und dem Klassenlehrer die Klettergurte angepasst. Michael fordert die absolute Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler: « Klettern ist nicht gefährlich, aber beim Sichern dürft ihr keinen Fehler machen !», mahnt er. Geklettert wird in « Dreier-Seilschaften »: A ist Chef Klettern, B Chef Sicherer ( bedient den Halbmastwurf ) und C Chef Kontrolleur ( sichert das Bremsseil ). So können selbst die Jüngsten innert kurzer Zeit und mit minimaler Kontrolle selbstständig klettern, und ausserdem kann eine ganze Klasse an der Kletterwand beschäftigt werden. Geklettert wird nur im Top-Rope.

Kletterwand ist Dorfgespräch « Schade, dass der ‹SAC-Berg› am Freitagnachmittag bereits wieder abgebaut wird !», bedauert Initiant Jürg Frei.«Die Pauschalmiete von 1600 Franken, die wir für diese Woche aufbringen mussten, war gut investiert, war doch die Kletterwand während der Woche praktisch pausenlos in Gebrauch. Abends wurde die Wand von Sportvereinen benutzt, die die Abwechslung genossen. » Frei war beeindruckt, wie vor allem schwierigere Schüler, die sich sonst kaum für etwas motivieren lassen, sowohl beim Aufbau der Wand als auch beim Sichern und Klettern grossen Einsatz zeigten. « Die Kletterwand, das Dorfgespräch dieser Woche, wird auch im Schulhaus Gesprächsthema bleiben. Wir werden in der Lehrerkonferenz darüber diskutieren, wie wir in Bönigen Klettern als Schulsport weiter betreiben können. » Inzwischen sind die meisten Schülerinnen und Schüler zum x-ten Mal an der Umlenkstange auf 6 m Höhe angelangt und haben alle Routen ausprobiert. Trotzdem muss man einige mehrmals auffordern, den Klettergurt abzulegen. « Wenn diese Kletterwand nur immer da wäre, da kann man nämlich richtig klettern! Ist ja gar nicht so schwer! Und überhaupt nicht so doof wie das Klettern an den Kletterstangen, wo ich nicht einmal bis in die Hälfte komme !», sagt Nicole mit hochrotem Kopf. Dass am Schluss auch die sonst in der Sport-stunde schwächeren und unmotivierten Schüler zufrieden in die Garderobe gehen, erstaunt nur den Klassenlehrer. Für Michael Guggisberg ist schon lange klar: Sportklettern ermöglicht wie fast keine andere Sportart von Anfang allen ein Erfolgserlebnis und ist schon deshalb ein idealer Schulsport. a

Markus Ruff, Jugendbeauftragter Klettern in der Turnstunde macht Spass.

Verantwortung übernehmen ist bereits beim Bouldern gefragt. Michael Guggisberg gibt gute Ratschläge.

Mit unterschiedlichen Wand-steilheiten können Routen in allen Schwierigkeitsgraden gebaut werden. So finden schwächere wie stärkere Schü-ler/innen Herausforderungen und Erfolgserlebnisse.

DIE ALPEN 8/2001

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