Klettern an der Wand

Menschen an der Kletterwand -für einmal anders: Im Rahmen der Herbstmesse Solothurn konnte eine Klasse der Sonderschule Solothurn unter der Leitung von Mitgliedern der SAC-Sektion Weissenstein einen Vormittag an der Kletterwand verbringen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, was Herausforderung für behinderte Jugendliche heisst.

Schon Tage voraus waren in der Klasse das Klettern, die Angst davor, die Bereitschaft und die Vorfreude ein allgegenwärtiges Thema. Mit Aussprüchen von « Nein, das ist nichts für mich » über « Was muss ich denn dort machen? Muss das wirklich sein ?» bis zu « Gell, Pirmin, wir gehen zusammen ?» wurde der ganzen Breite von unterschiedlichen Gefühlen Ausdruck verliehen. Das Klettern beschäftigte alle.

Andere Regeln als im Alltag Vor der Kletterwand staunten erst einmal viele über ihre Grösse. Einige verliess der Mut, sie wollten nun doch nicht raufklettern. Simon forderte Pirmin auf, parallel mit ihm die Wand hoch zu gehen. Pirmin schlug ein. Es war klar, dass Simon insgeheim einen Wettkampf suchte in der Überzeugung, diesen zu gewinnen. Um so überraschter waren alle, dass der im Alltag sonst zu den langsameren gehörende Pirmin bereits oben angekommen war, als Simon noch den Einstieg suchte.

Lucia zögerte, sie hatte Angst. Endlich, nach langem Zureden, versuchte sie es. Sie kletterte hoch, und als sie wieder unten stand, strahlte sie über das ganze Gesicht. Wie gut, dass sie den Mut aufgebracht hatte, das Klettern auszuprobieren. Luigi, wie immer bedächtig, schaffte es bis zur Mitte. Er fand die ganze Angelegenheit in Ordnung, aber die Mitte reichte, darüber hinauf war nichts für ihn! Die Dynamik in der Klasse war spannend. Dass an der Wand offensichtlich andere Regeln herrschten als im Alltag, motivierte.

Abgesehen vom sportlichen Element bildet eine Kletterwand eine zusätzliche Herausfoderung: Es gibt keine unmittelbare Notwendigkeit, sie hochzusteigen - ausser man stellt sich selber auf die Probe. Aussergewöhnliche Fähigkeiten sollen an aussergewöhnlichen « Hürden » erprobt, gelernt, gefestigt werden. Dies nicht Wie komme ich weiter? Tips von unten in der Wand umsetzen - eine ungewöhnliche Herausforderung.

ohne Absicht: Wer die Erfahrung gemacht hat, dass er ausserordentliche Situationen angehen und sie auch meistern kann, wird dies in den Alltag - und zwar immer dann, wenn es nicht alltäglich ist - hineinbringen können.

Im Alltag stehen behinderte Schülerinnen und Schüler immer wieder vor « Wänden », die nur für sie unüberwindbar sind. Was nichtbehin-derten Gleichaltrigen meistens leicht fällt, ist für sie eine Herausforderung, sei es Lesen, Schreiben, aber auch Schuhe binden, ruhig am Tisch sitzen. Enorm schwierig ist für behinderte Jugendliche, die persönlichen Fähigkeiten einzuschätzen oder eine Sache durchzuziehen. Dies sind denn auch die typischen Merkmale, obwohl der Simon: « Es hat mir gefallen, dass wir an die Kletterwand gegangen sind. Wie ich hinaufkam, das war sehr gut. Dass ich herunterfallen kann, machte mir Angst. » Eine Kletterwand zu bezwingen ist etwas ganz anderes als all die Alltagsbarrieren zu überwinden.

Wie eine Spinne klettert Pirmin die Wand hoch.

Grad der Behinderung stets relativ und die Grenzen zwischen körperlicher und geistiger Beeinträchtigung und der Normalität fliessend sind.

Herausforderung - ohne Unterschied Die Kletterwand steht nun aber ausserhalb dieser Alltagsbarrieren, denn sie bildet für behinderte wie nichtbehinderte Jugendliche die gleiche Herausforderung. Unsere Jugendlichen wissen, dass es auch für Gleichaltrige « cool » und gar nicht so einfach ist, die Kletterwand hochzukommen. Ganz im Gegensatz etwa zu einer Busfahrt von A nach B, die für den einen oder andern Sonder-schüler ein Problem bildet, nicht aber für die meisten Gleichaltrigen. Das Eindrückliche an diesem Klettermor-gen war, dass die Schülerinnen und Schüler dank der kletterfachmänni-schen SAC-Unterstützung etwas erreichten, was auch für gleichaltrige nichtbehinderte Jugendliche erstrebenswert ist und auch ihnen nicht leicht fällt. Es war eine nicht alltägliche Bestätigung für « Ich kann etwas, das auch andern Mühe macht ».

Michaela Studer, Heilpädagogin

Upine Geschichte, Cultur, Erzählungen

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Vom 19. Mai bis 12. Juni 1999 findet in Lugano das 6. Festival dei Festival statt. In seinem Verlauf werden dem breiten Publikum je zwei der an vier Filmfestivals des alpinen Films prämiierten Filme gezeigt. Ein Blick auf die Geschichte dieses Anlasses.

Im Jahre 1993 wird der Alpinist und Gleitschirmflieger Marco Grandi angefragt, ob er in der internationalen Jury des Festival di Cinematografica Alpina di Trento ( Festival des alpinen Films in Trento ) Einsitz nehmen möchte. Nach einer Woche intensiver Arbeit und der Vorführung zahlloser Filme wird das beste Werk ausgezeichnet. Als Grandi nach Hause reist, realisiert er, dass alle die wunderbaren Bilder, die er zu sehen bekommen hat, nach einer kurzen Sternstunde in der Schublade irgendeiner Cinema-thek verschwinden werden. Der Logo des Festival dei Festival Bergfilm schafft es ja bekanntlich nie ins Kino, und das breite Publikum hat kaum eine Chance, diese Filme jemals zu sehen.

Dem alpinen Film eine Chance geben Grandi beschliesst deshalb, filmenden Kletterern und kletternden Fil-mern eine Chance zu geben und ruft das Festival dei Festival ins Leben. Ziel dieses Anlasses ist, den Bergfilm und im weitesten Sinn die alpine Kultur bekannt zu machen. Konkret heisst dies, dass das neue Festival ein Schaufenster der vier internationalen Festivals des alpinen Films ist. Diese Festi-vals-Autrans ( Frankreich ), Dundee ( Schottland ), Graz ( Österreich ) und Les Diablerets ( Schweizsind einge- Everest See to Summit von M. Dillon, Österreich laden, am Festival dei Festival zwei an ihrer Veranstaltung ausgezeichnete Filme zu zeigen. Um den offenen Charakter der Veranstaltung noch zu unterstreichen, beschliesst die Organisation des Festival dei Festival, für alle Veranstaltungen Gratiseintritt zu bieten.

Erste Ausgaben Die erste Ausgabe findet 1994 statt und wird in Zusammenarbeit mit der Kulturkommission des SAC, bei der Grandi Mitglied ist, organisiert. Bei seiner ersten Austragung geht das Festival auf Reisen. Es veranstaltet je zwei Abende in den Städten Lugano, Chur, Luzern und Lausanne, die die vier Landessprachen der Schweiz repräsentieren. Seit 1995 ist das Festival im Tessin stationär. Die Filme werden in der Aula Magna der Scuola Tècnica Superiore in Lugano/ Trevano vorgeführt, einem Saal, der zahlreiche logistische und technische Vorteile bietet. Bei der Organisation der Nebenveranstaltungen -Ausstel-lungen, Konferenzen, Theaterauf-führungen, Verkaufsstände usw.wirken die SAC-Sektionen Leventina und Locarno mit, indem sie Sâle und Ausstellungsräume an andern Orten im Kanton suchen.

Ein treues Publikum In den letzten Jahren hat das Festival dei Festival ein breites Publikum angezogen, das sehr treu ist und viele Kilometer unter die Räder nimmt, um nach Lugano zu fahren, sei es aus dem Sopraceneri, aus Norditalien oder sogar von jenseits des Gotthard. Nicht zuletzt wohl, weil das Festival die Möglichkeit hat, zahlreiche Stars zu präsentieren.

Preis: Memorial Luca Sganzini Mit der Verleihung des Memorial Luca Sganzini möchte das Festival an den allzu früh verstorbenen Luganeser Alpinisten erinnern. Mit der Schaffung dieses Preises im Jahre 1997 beschloss das Festival, jedes Jahr eine Tessiner Persönlichkeit auszuzeichnen, die sich durch ihre ausserordentlichen Fähigkeiten als Alpinist, durch ihr Engagement für alpine Themen, durch die Beschäftigung mit den Bergen im allgemeinen und mit den Bergen des Tessin im besonderen verdient gemacht hat.

Gem. Mtlg. ( ü )

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