Klettern in den Sommêtres. Unbekanntes Klettereldorado

Unbekanntes Klettereldorado

Klettern in den Sommêtres

Die Sommêtres, zuhinterst in den Freibergen/JU, bieten zahllose Klettermöglichkeiten. « Klassiker » und zugleich eine der längsten Klettereien der Region ist die Gratüberschreitung. Versierte Kletterer können sich an den zahlreichen Routen in der Südwand versuchen, während Anfänger wohl eher die Sektoren Cabane und Spigolo bevorzugen.

Der Grat der Sommêtres ist von Hindernissen gesäumt, deren Namen manchmal an Walliser Berge erinnern und von der Fantasie der Erstbesteiger zeugen. So findet man den Col des Fous, die Petite Javelle, den Pic du Theusseret 1, die Aiguille de la Varappe, Le Rasoir oder das Petit Cervin! 500 Meter weiter unten, in einem bewaldeten, idyllischen Tal, mäandert der Doubs. Steile Grate, Pausen unter den schattigen Tannen des Nordabhangs, Aufschwünge und technische Passagen geben den Rhythmus des Kletterns vor. Natürliche Sicherungsmöglichkeiten wie Felszapfen oder Bäume sind zahlreich, und man kann den Grat problemlos zwischen den Aufschwüngen verlassen. Der als eine der schönsten Touren des Juras geltende Grat der Sommêtres ist auf jeden Fall einen Umweg wert.

Ein wenig Geschichte

Die Ursprünge der ersten Klettereien am Grat gehen auf die Zwischenkriegszeit zurück. Die Kletterei, die ein ausgezeichnetes Training fürs Bergsteigen in den Alpen abgab, wurde sehr geschätzt. Der Fels zeigt noch Spuren von Nagelschuhen und manchmal sogar Steigeisen. Der erste Erforscher der verschiedenen Bastionen des Grats war Arthur Visoni. Ende der Vierzigerjahre, nach ein paar Besuchen zusammen mit Pierre Alain bei den Blöcken von Fontainebleau, übertrug er diesen Kletterstil in die Sommêtres, vor allem an den zweiten Aufschwung. Eine Reihe von Routen wurde dort eröffnet, mit eigener Gebrauchsanweisung und Regeln. So beschrieb Maurice Brandt im Topo von 1966 Griff für Griff zum Teil mit Zeichnungen, was beim Lesen heute zum Schmunzeln anregt. Da sich die Blöcke in der Höhe in steilem und ausgesetztem Gelände befinden, richtete Arthur Visoni am Fuss eine Art Terrassen ein, um dra- 1 Le Theusseret ist ein Staudamm am Doubs am Fuss der Sommêtres. Hier liegt ein Gasthof mitten in einem wunderbaren Wandergebiet.

Praktische Informationen Zugang: Zug ( Chemin de Fer Jurassien ) über Le Noirmont/JU Unterkunft: Man kann die Nacht in der Hütte auf dem höchsten Punkt des Grats verbringen, P. 1079. Sie gehört der Groupe des Alpinistes des Franches Montagnes, GAFM, Tel. 032 953 16 66. Belegung der Hütte vorgängig abklären! Verschiedene Campingplätze in der Umgebung, z.B. in Saignelégier Bibliografie: LK 1:25 000, Blatt 1104 Saignelégier. Nur wenig aktuelle Topos. von Känel Jürg: Jura plaisir, Verlag Filidor 2001. Dieser Führer ist zwar nicht umfassend, enthält aber eine gute Auswahl von Routen in verschiedenen Schwierigkeitsbereichen. Steulet Philippe: Escalade dans le Jura, Verlag SAC 1995. Dieser Führer gibt einen guten Gesamtüberblick und ermöglicht die Orientierung, hingegen sind einige Routennamen falsch und viele Routen fehlen.

Tipps: Aufgepasst bei alten Haken und in Routen, die nur wenig begangen sind. Einige können sich als äusserst exponiert herausstellen. Die Sektoren Cabane und Spigolo eignen sich sehr gut zur Einführung und sind praktisch für Gruppen. Die anderen erfordern Trittsicherheit, denn die Zugänge sind chaotisch und der Fuss der Routen wenig angenehm. Vorsicht vor Steinschlag von Seilschaften, welche den Grat, der an schönen Tagen sehr stark frequentiert ist, begehen oder sich auf den Bändern aufhalten.

matische Folgen eines Sturzes zu verhindern. Aber die Terrassen erwiesen sich nicht als solide genug und stellten am Ende sogar eine Gefahr für weitere Klettereien in der Südwand dar. So im Fall der « Dièdre », der ersten offiziellen Route der Sommêtres, wenn man den Grat ausnimmt.

Ein neues Eldorado

An den Südwänden ist es oft so heiss, dass man im Januar im T-Shirt klettern kann. In der kalten Jahreszeit begegnet man Eidechsen, die sich auf den besonnten Felsen aufwärmen. Die Eroberung dieser Wände geht auf Ende der Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts zurück. Die wichtigsten Pioniere sind Maurice Brandt, François Mattern und der rührige Germain Paratte. Sehr schöne klassische Freiklettereien wie « Poire Bleue », « Pilier du Jardin » oder « Anges » tauchen auf. Das Gleiche gilt für einige kombinierte Routen ( frei und künstlich ) wie die Schwindel erregende « Pic du Tonnerre ». Nicht zu vergessen « Grand Capuchon », die mit ihren 110 Metern die längste Route in den Sommêtres darstellt. Aber die ultimative Route jener Zeit ist « Spigolo »: Der 18-jährige Germain Paratte eröffnete die Südwand in freier Kletterei mit nur fünf Haken. Diese Route, saniert und zu « La Coronelle », 6a+, umgetauft, kündete eine neue Klet-terepoche vor ihrer Zeit an. Innerhalb Das Panorama von der Arête des Sommêtres, beherrscht vom tiefen Einschnitt des Deubtales, erstreckt sich bis zur französischen Grenze.

Floriane Boss und der obere Teil der Arête des Sommêtres An einem schönen Frühlingstag. Nicolas Zambetti in der feingriffigen Route « Voie des boîtiers », 6 c+ Fotos: patriceschreyer.com des abwechslungsreichen Angebots sollten die grossartigen Routen « La Samba », 6a, « Daphné », 6b, « La Mue », 6b+, « La voie des boîtiers », 6 c+, « La Cuvette », 7b, « Les animaux klaxonneurs », 7b, sowie « Parasite au paradis », 7 c, nicht verpasst werden.

Der Hüter der Sommêtres

Der Bergführer und Forstwart Germain Paratte, Jahrgang 1940, hat bereits in jungen Jahren ein Auge auf die Sommêtres geworfen. Mit 20 Jahren hat er bereits alle Routen in seinem Lieblingskletter-garten geklettert – und sich seither unermüdlich zum Wohle der anderen Kletterer eingesetzt. Denn Germain ist seit je von der Popularität des Kletterns überzeugt. Er richtet somit auch die Routen mit Blick auf die Wiederholer ein und zieht Qualität der Quantität vor, wobei er immer einen sehr ökologischen Geist walten lässt. Die Lage seiner Sicherungspunkte erfordert oft ein gewisses Engagement des Kletterers, was vielen beim Sportklettern abhanden gekommen ist. Germains Leidenschaft für die Sommêtres zeigt sich auch in der Hütte, die er gebaut hat. Sie liegt am Fuss der Felsen, mitten in zahlreichen kleinen Einfüh-rungsrouten, die für Anfänger bestens geeignet sind. Der Sektor Cabane wird von einheimischen Führern geschätzt, die immer wieder mit Gruppen hierher kommen. Und die Terrassen tun dem Charme des Ortes keinen Abbruch. a Nicolas Zambetti, Tavannes ( ü ) Morgenstimmung mit Nebel über dem Doubs. Nicolas Zambetti im Sektor Poire bleue

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