Konkordiahütte feiert Geburtstag. 125 Jahre bewegte Hüttengeschichte

125 Jahre bewegte Hüttengeschichte

Sie liegt auf 2850 Metern Höhe, mitten im UNESCO-Weltnaturerbe-Gebiet Jungfrau–Aletsch–Bietsch-horn, genau acht Kilometer vom Gipfel der Jungfrau und 4848 km vom Nordpol entfernt: die Konkordiahütte der Sektion Grindelwald des SAC. Sie wird in diesem Jahr 125 Jahre alt.

Von der « Alten Hütte » zum « Pavillon Cathrein » Eigentlich müsste man von den Konkordiahütten in der Mehrzahl sprechen: Die spannende Geschichte dieser hochalpinen Unterkunft war mit verschiedenen Bau-und Umbauetappen verbunden. Nur fünf Wochen waren 1877 nötig, um die « Alte Hütte » zu erstellen. Ihr Bau wurde durch das Comité Central Genève beschlossen und durch Emil Cathrein, den Besitzer des Hotels Jungfrau beim Eggis-

Info Konkordiahütte

Lage: Berner Alpen, mitten im UNESCO-Weltnaturerbe-Gebiet; 2850 m; Koordinaten: 647.200 / 15O.100; LK 1:25 000 Blatt 1249, Finsteraarhorn; Blatt 1269, Aletschgletscher; 1:50 000 Blatt 264 S, Jungfrau Clubführer: Ueli Mosimann: Hochtouren Berner Alpen: Vom Sanetschpass zur Grimsel, SAC-Verlag 1999. Schnegg Ralph / Anker Daniel: Skitouren Berner Alpen Ost; Lötschepass bis Grimsel, SAC-Verlag 1999 Reservationen/Auskünfte: Rosmarie und Christian Bleuer, Steinbillen, 3818 Grindelwald; Tel. P 033 853 30 72, Tel./Fax Hütte 033 855 13 94, E-Mail konkordia(at)bluewin.ch, Internet www.konkordiahuette.ch; geöffnet Sommer 2002: 29. Juni bis 22. September

horn,unterstützt. Die Hütte mit 20 Schlafplätzen wurde der Sektion Monte Rosa in Obhut gegeben; es war aber vor allem Cathrein, der sich um ihren Unterhalt kümmerte. Sie war von Anfang an gut frequentiert, sodass Cathrein 20 Jahre später in Eigenregie etwas oberhalb davon einen « pavillon-auberge » mit 12 Betten und Matratzenlager erbaute. Darauf liess das CC postwendend die « Alte Hütte » renovieren; ab 1898 standen damit den Alpinisten sowohl die SAC-Hütte als auch der Pavillon Cathrein zur Verfügung. Zehn Jahre fristeten der Pavillon – ein im Winter geschlossenes Berggasthaus – und die « Alte Hütte » ein gemeinsames Dasein. Dann sprach sich die 1907 gegründete Sektion Grindelwald des SAC auf Antrag ihres Präsidenten, des bekannten Alpinisten Gustav Hasler, für den Bau einer neuen Hütte aus. Mit Cathrein wurde ein Vertrag ausgehandelt, der das weitere Nebeneinander von Berggasthaus und Hütte ermöglichte. 1946 erwarb dann die Sektion Grindelwald den Pavillon von Jules Cathrein, dem Sohn des Erbauers, zum Preis von 45 000 Franken.

Doch vorerst mangelte es an Geld für eine neue Hütte: Erst als Gustav Hasler einen Teil der Kosten übernahm, konnte gebaut werden – und wie: Fünf Wochen beanspruchte der Transport der Materialien, eine einzige Woche das Aufrichten! Das 1908 neben der « Alten Hütte » erstellte Gebäude erhielt den Beinamen « Haslerhütte ».

Aufwändige Gewinnung des Trinkwassers 1951 wurde die « Obere Hütte » – der frühere Pavillon Cathrein – zum ersten Mal, 1996 zum vierten und vorläufig letzten Mal umgebaut – für rund 2,2 Millionen Franken, was die Finanzen der Sektion Grindelwald bis heute belastet. Die Alpinisten, die die moderne und gastfreundliche Hütte besuchen, kümmert dies kaum – sie sehen die Unterkunft nur von der « Schokoladenseite » her. Und da hat sie viel zu bieten: grossartige Lage und Aussicht, leichte und anspruchsvolle Touren im Sommer und Winter, Gletscherwanderungen, Klettergarten in unmittelbarer Nähe und in der Hütte selbst Theorieraum mit Projek-tionsmöglichkeiten sowie ein ausgezeichnetes Angebot an kalten und warmen Speisen, Getränken und Kioskartikeln. Das Hüttenwartehepaar Rosmarie und Christian Bleuer und ihre Helferinnen sind sich alle möglichen Gäste gewohnt: Rund 6300 Übernachtungen zählt die Hütte pro Jahr. Dafür werden jährlich 17 Tonnen Lebensmittel, Getränke und Energiestoffe hochgeführt. Zu diesen Energiestoffen gehören neun

DIE ALPEN 7/2002

Kubikmeter Holz, 300 kg Holzbriketts, 600 kg Propangas ( für das Kochen ), 400 Liter Green-Energy-Diesel, 450 Liter bleifreies Benzin sowie Solarpaneele. Das grösste Problem ist die Gewinnung des Trinkwassers. Seit 1996 garantieren drei Reservoirs einen Vorrat von 70 000 Liter, die in der Zeit der Schneeschmelze gefüllt werden. Das Trinkwasser muss abgekocht werden. Das Bereitstellen des Wassers beansprucht jährlich rund 500 Arbeitsstunden.

Metalltreppen und... Moral Ein weiteres Problem, das die Konkordiahütte von Anfang an begleitete, war der Rückgang des Gletschers. Er machte die ständige Anpassung des Weges vom Eis hinauf zur Hütte nötig. 1965 wurde die heutige Linienführung des Zugangs gewählt – erst mit einem kühnen Leiternweg und zwei Holzbrücken, ab 1975 dann mit Leichtmetalltreppen. Seither musste die Metalltreppe, mit einem Handlauf gesichert, bereits zweimal verlängert werden ( vgl. Hüttenkurzmeldungen S. 47 ). Kontrolliert wird sie regelmässig vom Hüttenwart. Was der Vizepräsident J. L. Binet-Hentsch des CC Genfs 1877 in einem Aufsatz über die alpinen Unterkünfte zur Konkordia notierte, gilt auch heute noch: « Ich persönlich ziehe es vor, den schönen Namen der Hütte auf die moralische Verpflichtung zurückzuführen, die, so hoffe ich, alle beseelen wird, die von ihren Vorzügen profitieren. Mögen alle Clubmitglieder aus dem In- und Ausland in Frieden und guter Harmonie den wertvollen Schutz, der ihnen hier angeboten wird, benützen, sich gegenseitig unterstützen und vor allem jeden Egoismus verbannen, der nirgends unerträglicher und verfehlter ist als in diesen ätherischen Regionen… » a

Christine Kopp, Unterseen Die ominösen Leitern, die den Aufstieg vom Gletscher zur Hütte ermöglichen. Sie mussten seit 1975 bereits zweimal verlängert werden.

Auslegeordnung auf der Terrasse Bei aller Arbeit in der Küche bleibt Zeit für einen Spass.

Entspannung beim « Après Climb » vor der Hütte

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