Kuckucksuhr kommt aus dem Schwarzwald. Die Geschichte des «Guggerzytli»

Kuckucksuhr kommt aus dem Schwarzwald

Der Kuckuck legt bekanntlich seine Eier in fremde Nester und lässt sein Junges von Pflegeeltern aufziehen. Genauso mit fremden Federn schmückt sich die typische Schweizer Kuckucksuhr, das « Guggerzytli »: Es ist ursprünglich gar kein traditionelles Schweizer Produkt, sondern stammt vielmehr aus dem Schwarzwald.

Schrecklicher Kitsch für die einen, typisches Souvenir aus der Schweiz für die anderen – an der Kuckucksuhr scheiden sich die Geister. Während die Touristen schon immer von der berühmten Uhr in Form eines Chalets begeistert waren, scheinen jetzt auch die Schweizerinnen und Schweizer einen gewissen Gefallen an dem eigenartigen Objekt zu finden. Warum wohl? Vielleicht weil die Kuckucksuhr eine Welt darstellt, die klein, einfach, hübsch und harmonisch ist. Wie die Schweiz als Ganzes.

Der Kuckuck unter der Lupe Sehen wir uns doch das Holzchalet einmal von nah an: Eine Kuckucksuhr zählt zwischen 124 und 600 Teilen, ist von Hand bemalt und zusammengebaut, das einzige Teil aus Plastik – neben den Zei-gern – ist der Kuckuck. Der Schrei wird von einem durch ein Gestänge betriebenen Blasebalg produziert, eigentlich wie bei einem Akkordeon, indem die Luft durch zwei in einer Terz gestimmte Pfeifen gepresst wird. Als Gegengewicht dienen metallene Tannzapfen. Der eine treibt das Uhrwerk an, der zweite den Kuckucksruf, und manchmal sorgt ein dritter für die Musik und die Animation des Kuckucks. Gewisse Mechanismen müssen täglich gestellt werden, andere nur einmal in der Woche. Schliesslich kommen zur ganzen Mechanik die Elemente der Verzierung dazu: Kühe, Hunde, Katzen, Gestalten in gelben Appenzeller Trachten, die auf blumengeschmückten Balkonen tanzen, Alphorn spielen oder Holz sägen.

Die originale Schweizer Kuckucksuhr aus Brienz Und was steht denn da auf der roten Etikette mit dem weissen Kreuz? Sie ist ein Echtheitszertifikat: « Lötscher, the only genuine Swiss cuckoo clock in the world ». Die einzige authentische Schweizer Kuckucksuhr der Welt wird in Brienz hergestellt. Das 1920 gegründete Unternehmen beschäftigt 26 Personen, davon 12 in der Werkstatt in Brienz und 14 in der Montage in Glattbrugg. 58 weitere Personen arbeiten zu Hause für die Firma. 80% der 36 000 jährlich hergestellten Kuckucksuhren gehen in den Export, hauptsächlich in die USA und nach Japan. Das am besten verkaufte Modell bei Lötscher – ein niedliches Chalet – stammt

Skulptur eines Uhrenhausierers mit seiner Ware Fo to s: An dr é Gi ra rd DIE ALPEN 1/2004

zwar aus dem Jahre 1926, aber der Schweizer Fabrikant bringt jedes Jahr zwei oder drei neue Modelle auf den Markt. Sie werden von Beat Michel entworfen. « Niemand weiss, welches dem Publikum gefällt », räumt Bijan Vafi ein, seit 1968 Direktor der Firma. Heute sind 84 Modelle von Lötscher auf dem Markt. Werfen wir doch noch einen Blick ins Innere einer Kuckucksuhr. Darin befindet sich ein Uhrwerk aus Messing « made in Germany »! Ausgerechnet ein deutsches Uhrwerk in einer urschweizerischen Uhr? Was stimmt da nicht? Nun, die Kuckucksuhr ist eben keine urschweize-rische Uhr. Die Geschichte zeigt uns, dass sie ursprünglich aus dem Schwarzwald stammt. Die Ursprünge der Kuckucksuhr Das Zentrum der deutschen Uhrmacher-kunst, die ihren Höhepunkt im 16. Jahrhundert erreichte, ist der Schwarzwald. Dort befindet sich auch die 320 km lange Deutsche Uhrstrasse. Nebenbei sei bemerkt, dass sich im Schwarzwald die allergrösste Kuckucksuhr befindet sowie das bedeutendste deutsche Uhrenmu-seum, nämlich in Furtwangen, wo unzählige in den letzten Jahrhunderten entstandene Kuckucksuhren zu bewundern sind. Die erste schriftliche Erwähnung der Kuckucksuhr findet sich im Jahre 1762. Es handelt sich um ein Legat des Papstes, der anlässlich seiner Durchreise durch die Rheinebene festhielt: « Man stellt hier eine sehr grosse Anzahl von Wanduhren aus Holz her, die vom

Nachgebaute Werkstatt eines deutschen Uhrmachers im Museum von Schwenningen. Rechts zwei deutsche Wanduhren mit Kuckucksruf Der Mechanismus für die Kuckucksuhr von Ebele, die grösste Kuckucksuhr der Welt. Während fünf Jahren wurde an dieser Uhr gebaut. Der Mechanismus ist 4,50 auf 4,50 m gross, und das grösste Rad hat einen Durchmesser von 2,60 m. Das Pendel ist 100 kg schwer und acht Meter lang. Der Kuckuck selber misst ebenfalls acht Meter und wiegt 100 kg. Total bringt die Riesenuhr sechs Tonnen auf die Waage.

Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald: ein Meisterwerk ( des Kitsches ?) DIE ALPEN 1/2004

Handel in ganz Europa verkauft werden; man kennt sie schon von früher, aber man hat sie jetzt perfektioniert und mit dem Schrei eines Kuckucks versehen. » Die ersten Kuckucksuhren bestanden aus einem Zifferblatt, das auf einem Rahmen aus lackiertem Holz befestigt war, dessen oberer Teil einen Bogen mit rustikalen Motiven bildete. Hier wurde später das Türchen mit dem Kuckuck montiert. Die damalige Uhr hatte also nichts zu tun mit der heutigen Form, die etwa 1840 auftauchte, als der Kuckuck bereits 100 Jahre alt war.. " " .Allein von Hausierern, dem damals einzigen Ver-kaufskanal, wurden 600 000 Schwarzwälder Kuckucksuhren abgesetzt!

Von der Bahnhäusleuhr zum « Guggerzytli » Die Geschichte schreibt die Erfindung und die Konstruktion der ersten Kuckucksuhr im Jahre 1730 einem gewissen Franz Anton Ketterer aus Schönwald zu. Dieser fromme Künstler sei von zwei sakralen Quellen inspiriert worden, heisst es: von den Orgelpfeifen in der Kirche und einer Uhr am Strassburger Münster, bei der ein Adler mit den Flügeln schlug. Aber diese Version riecht zwei Meilen gegen den Wind nach Flunkerei, denn deren Quelle ist ein gewisser Marcus Fidelis Jäck, ein Pfarrer, der in seiner Heimat als Autor von Ammenmärchen bekannt war. Historisch gesichert ist hingegen, dass die aktuelle Form der Kuckucksuhr auf Friedrich Eisenlohr zurückgeht, Professor in Karlsruhe und Verantwortlicher für Bauten bei der Eisenbahngesellschaft Baden-Württem-berg. 1850 wird ein Wettbewerb ausgeschrieben, durch den ein neues Gehäuse der Schwarzwälder Uhr gesucht werden soll. Eisenlohr findet Inspiration in sei-

In diesem Brienzer Haus werden Kuckucksuhren für Robert Lötscher fabriziert. Sie sind mit der Etikette « The only genuine Swiss cuckoo clock in the world » versehen.

Die Kuckucksuhren sind ein fast ausschliesslich von Hand hergestelltes Produkt. So werden auch die verschiedenen Zierfi-guren einzeln von Hand bemalt.

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nem eisenbahnerischen Alltag: Er zeichnet ein Bahnwärterhäuschen. Und gewinnt den Wettbewerb! Die Bahnhäusleuhr ist geboren. Sehr schnell rüstet ein unbekanntes Genie den Giebel mit einem Kuckuck aus, verziert das schmucklose Äussere mit geschnitzten Motiven – Blattwerk mit Früchten, Waldtiere, Jagd-szenen –, und der Erfolg ist da. Seither ist die Kuckucksuhr die archetypische Uhr des Schwarzwaldes. Wo und wann die Kuckucksuhr erfunden wurde, hat die Geschichte aber noch nicht herausgefunden. Ein Historiker berichtet, dass 1742 zwei Uhrenhausierer aus dem Schwarzwald einen Händler aus Böhmen trafen, der « Kuckucksuhren aus Holz » verkaufte. Die Hausierer erzählten schliesslich die Neuigkeit zu Hause. Aber da verlieren sich die Spuren, denn man weiss nicht, ob sich Böhmen auf die Region Böhmen ( in der heutigen Tschechischen Republik ) bezieht, oder auf die österreichische Stadt Böhmen. a

André Girard, Les Ponts-de-Mar tel ( ü ) Brienz im Berner Oberland: Hier werden die einzigen echten Schweizer Kuckucksuhren der Welt hergestellt.

Nach der Herstellung der Verkauf: das schöne Sammlerstück in einem Souvenirgeschäft in Lausanne Für den Bernhardiner, der eine Kuckucksuhr zieren wird wie im Bild nebenan, benötigt der Holzschnitzer etwa 20 Minuten. Kuckucksuhr in Spezialausfüh-rung von Lötscher. Die Auflage ist auf 100 Stück limitiert.

Fo to s:

An dr é Gi ra rd DIE ALPEN 1/2004

Berge und Umwelt

Montagne e ambiente

Montagnes et environnement

SAC-Grundsätze und verkehrs-politische Abstimmungsvorlage

Avanti – auch ein SAC-Thema!

Die Abstimmung vom 8. Februar 2004 verlangt von uns Stimmbürge-rinnen und Stimmbürgern einen weit reichenden Entscheid zur Schweizer Verkehrspolitik im Allgemeinen und zum alpenquerenden Güterverkehr sowie zum Alpenschutzartikel im Speziellen. Da sowohl im SAC-Leitbild als auch in den SAC-Umweltrichtli-nien Aussagen zu unserem Mobilitätsverhalten und zum alpenquerenden Güterverkehr stehen, stellt die Umweltkommission des Zentralverbandes die Abstimmungsvorlage den SAC-Grundsätzen gegenüber.

Die « unheiligen Oster- und Pfingstbot-schaften » aus dem Radio sind unterdessen allen bekannt und zu einem Ritual geworden: Staumeldung am Gotthard. Und die ( fast ) täglichen Staumeldungen von der A1 zwischen Bern und Zürich sowie rund um die Agglomerationen gehören zum Radioprogramm wie die Wettermeldungen. Verbesserungen der Situation sind notwendig.

Avanti-Initiative und Gegenvorschlag des Parlaments Strassenverkehrsverbände und der schweizerische Gewerbeverband 1 sehen in einem raschen Ausbau von Autobahnen und einer zweiten Tunnelröhre am Gotthard die einzig mögliche Lösung. Deshalb reichten sie ihre so genannte Avanti-Initiative ein 2, die genau dies forderte und damit den Alpenschutzartikel 3

der Bundesverfassung und die bisherige Verkehrspolitik mit der Förderung des öffentlichen Verkehrs und des Schienen-gütertransportes durch die Alpen in Frage stellte. Bisher einmalig in der schweizerischen Politik, stellte das Parlament dieser Initiative einen Gegenvorschlag entgegen, der nicht etwa einen Mittelweg zwischen heute und der Forderung der Initianten suchte, sondern gar noch weiter ging als die Initiative selbst. 4 Daraufhin zogen die Initianten ihre Initiative zurück, weshalb am 8. Februar 2004 nur der parlamentarische Gegenvorschlag zur Abstimmung gelangt. Dieser verlangt einen raschen Fertig- und Ausbau der Autobahnen, eine Verbesserung der Situation im Agglomerationsverkehr und ermöglicht eine zweite Tunnelröhre am Gotthard. Das Bauprogramm soll aus einem hauptsächlich aus den Treibstoffzöllen gespiesenen Fonds finanziert werden. Je nach Experten wird von 30 bis 60 Milliarden Franken für die nächsten 20 Jahre ausgegangen. Wie diese Gelder verteilt werden – wie viel für Strassenbau, wie viel für den öffentlichen Verkehr –, das bleibt offen und liegt in der Kompetenz des Parlamentes.

Die Vorlage ist komplex und verbindet die Verkehrspolitik im Mittelland und in den Agglomerationen mit dem alpenquerenden Güterverkehr. Das « Wie ?» der Umsetzung bleibt offen – das Volk hat nach einer Zustimmung keine Möglichkeiten mehr, über ein Referendum mitzubestimmen. Staus beheben – mit intelligenter Mobilität Der Verkehrs-Club der Schweiz VCS und sämtliche Umweltverbände sehen im Gegenvorschlag die Gefahr, dass die gesamte Verkehrspolitik des Bundes der letzten 20 Jahre in Frage gestellt wird. 5

Anstatt den öffentlichen Verkehr verstärkt zu fördern und den ( alpenquerenden ) Gütertransport auf die Schiene zu verlagern, wird nun vermehrt auf die Strasse gesetzt: Mit der zweiten Gotthard-röhre wird der Strassengütertransport attraktiver. Dies ist nicht nur für die Schweiz selbst, sondern auch international ein Zeichen in die verkehrte Richtung – wird doch die Schweiz bisher für ihre Verkehrspolitik in Europa als Vorbild gelobt und hingestellt. Die Gegner der Vorlage möchten die Verkehrsprob-leme mit einer intelligenten, differenzierten Mobilitätsstrategie angehen, wobei ein rascher und verstärkter Ausbau des öffentlichen Verkehrs im Vordergrund steht, aber auch Alternativen wie kombinierte Mobilität, mehr Fahrrad-

1 Daneben hat sich unterdessen auch der Verband öffentlicher Verkehr VöV der Schweiz für die Vorlage ausgesprochen. 2 Argumente pro Avanti-Initiative finden sich auf der Internetseite www.avanti-initiative.ch 3 Artikel 84 der Bundesverfassung 4 Der Text der Vorlage ist zu finden unter www.parlament.ch → Volksabstimmungen 5 Argumente contra finden sich unter www.avanti-nein.ch Der SAC fördert eine intelligente und umweltbewusste Anreise in die Berge. Rückkehr von Skitour im Gauligebiet Fo to :A rc hi v Jür g M ey er

fahrer in Agglomerationen usw. angestrebt werden.

Der Alpenbezug... zum Ersten Der SAC kann gemäss seinem Leitbild 95 zu politischen Vorlagen, die den Alpenraum oder seine Aktivitäten direkt betreffen ( vgl. Kasten ), Stellung nehmen. Wir sehen den Bezug zu den Alpen in zweierlei Hinsicht gegeben. Als Erstes ist ein direkter Zusammenhang mit dem Alpenschutzartikel da, der mit einer Annahme des Gegenvorschlages umgangen würde: Wenn er am Gotthard nicht gelten muss, wieso andernorts? Es geht nicht einfach um die Frage « Zweite Röhre am Gotthard ja oder nein ?», sondern um eine grundsätzliche Infragestellung der schweizerischen Alpentransitpolitik mit langfristigen Auswirkungen und Signalwirkung im In- und Ausland. Der SAC äussert sich zum alpenquerenden Güterverkehr sehr deutlich: möglichst auf die Schiene!

... zum Zweiten Ein Alpenbezug besteht auch in der klima-politischen Seite der Vorlage. Die Schweiz hat sich international verpflichtet, ihren CO 2 -Ausstoss bis 2010 auf 10% unter das Niveau von 1990 zu senken. Der motorisierte Verkehr mit seinem Eindrittel-anteil am gesamten CO 2 -Ausstoss ist der bedeutendste einzelne Einflussfaktor. Die CO 2 -Produktion scheint der wichtigste Faktor der gegenwärtigen Klimaerwärmung zu sein. Gebirge wie die Alpen reagieren überdurchschnittlich stark auf Klimaschwankungen. Die Veränderungen der letzten Jahre in unseren Bergen dürften allen aktiven Bergsteigern tüchtig « eingefahren » sein! Landschaftsveränderung, Probleme mit auftauendem Permafrost, instabileres und heftigeres Wettergeschehen, höhere Schneegrenze, Wasserprobleme bei unseren Hütten, heiklere und gefährlichere Routen sind Themen, die gerade im vergangenen Sommer nicht mehr aus den Schlagzeilen herausgekommen sind.

Der SAC hat diesen Zusammenhang seit längerem erkannt und fördert die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel bzw. eine generell intelligentere und sparsamere Mobilität bei seinen Touren und Anlässen. Ein Beispiel dafür ist die gross angelegte Mobilitätskampagne « Alpen retour » mit der jüngsten Errungenschaft, der Tourenplanungs-Internetseite www.alpenonline.ch.

Schlussfolgerung Die Vorlage vom 8. Februar 2004 betrifft den SAC zentral. Er nimmt in seinen Grundlagen sowohl zum Thema « Alpen-transit » als auch zur « Klimarelevanz des Verkehrs » Stellung. Deshalb bittet die Umweltkommission alle SAC-Mitglie-der, sich mit der Vorlage im Lichte der SAC-Grundsätze auseinander zu setzen und ihre Meinung an der Urne abzuge-ben. a

SAC-Umweltkommission

Aussagen der SAC-Grundlagen zu Verkehr und Mobilität

Leitbild 95 – Für die Zufahrt zum Alpenraum und die Fortbewegung innerhalb desselben räumt der SAC den öffentlichen Verkehrsmitteln den Vorrang ein. – Bei den ihn unmittelbar betreffenden politischen Auseinandersetzungen von landesweiter Bedeutung behält er sich vor, Stellung zu beziehen.

Positionen aus den Richtlinien SAC und Umwelt 2002 – Der SAC fördert möglichst umweltgerechte Formen der Anreise, insbesondere den öffentlichen Verkehr ( öV ) bzw. die kombinierte Mobilität. – Der stetig zunehmende alpenquerende Transitverkehr mit LKW und PW gehört zu den wichtigsten Belastungen des Alpenraumes. – Der SAC unterstützt Massnahmen zur Reduktion des alpenquerenden Strassenverkehrs auf ein umwelt- und sozialverträgli-ches Mass und zur Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. – Der SAC anerkennt die dringende Notwendigkeit, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. – Der SAC begrüsst die Alpenkonvention als wichtiges Instrument der regionalen, grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Alpenbogen. Er steht hinter den bisherigen acht Protokollen und verlangt eine rasche Ratifizierung und glaubwürdige Umsetzungdamit auch des Verkehrs-protokolls ).

Alpenquerender Güterverkehr – sinnvollerweise auf der Schiene!

Foto: zvg/E. T. Studhalter DIE ALPEN 1/2004

der eine gewisse Freude am Leben in der Gemeinschaft vermuten lässt. Zur Zeit der UdSSR wurde jedermann die Möglichkeit geboten, sich hier als Alpinist zu versuchen. Damals waren die Führer vom Staat angestellt, um die russischen Touristen in diese sommerliche Aktivität einzuführen. Im Winter hingegen ist das Lager oft leer oder wenig besetzt, denn Skitourenfahren ist hier zu Lande praktisch unbekannt und die dazu notwendige Ausrüstung nur schwer erhältlich.

Bei der Ankunft scheinen die Verhältnisse auf den ersten Blick günstig zu sein. Obschon es Anfang Mai sehr spät in der Saison ist, liegen 50 cm frischer Pulverschnee. Nach einem Ruhetag fühlen wir uns bereits fit genug, um Spuren in den manchmal fast knietiefen Schnee zu legen.

enn ich jemandem erzählte, dass ich Skitouren in Russland plane, hörte ich oft die Bemerkung: « Was für eine Idee! Skifahren in Russland. » Dabei bietet dieses Land zahlreiche Möglichkeiten für Skitouren,zum Beispiel im Kaukasus mit dem 5642 m hohen Elbrus oder im Pamir, wo sich die Gipfel bis über 7000 m erheben.

Wenig bekannte Region

Die zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer gelegene Bergkette des Kaukasus profitiert von einem milden Klima, denn sie liegt auf dem gleichen Breitengrad wie die Pyrenäen. Die Nordabdachung gehört zum heutigen Russland, die südliche Seite hingegen ist geor-gisches Territorium. Die unpräzisen Karten – Massstab 1:200 000 – liefern nur wenig Informationen. Fragen wie « Womit ist diese Region wohl vergleichbar? Gibt es wohl genügend Schnee? Sind die Couloirs steil genug für Fred, den Snowboarder in unserer Gruppe ?» lassen Raum für alle möglichen Spekulationen.

Die Tupolev, ein Flugzeug russischer Herkunft, lässt über unsere Destination keinerlei Zweifel aufkommen. Die Ankunft der Reisenden in Mineralnye Vody, was übersetzt Mineralwasser bedeutet, scheint ein Ereignis zu sein. Ausser den Alpinisten verirren sich nur wenige Touristen in diese politisch heiklen Regionen. Die Einheimischen empfangen uns in ordensgeschmückten Uniformen und Helmen. Uniformen und elegant gekleidete Geschäftsleute seien allerdings mit Vorsicht zu geniessen, meint Alexei, unser einheimischer Kontaktmann, sonst riskiere man, übers Ohr gehauen zu werden. Weiter geht die Reise vorerst in einem Bus, dann in einem alten geländegängigen Lastwagen. Auf holpriger Strasse werden wir ins Camp von Ullutau im Tal des Adyr-Su geführt. Trotz der zunehmenden Dunkelheit erahnen wir die steilen Umrisse der umgebenden Berge.

Das Lager

Unsere Unterkunft befindet sich in einem riesigen Lager mit kleinen, auf verschiedene Gebäude verteilten Einzel-zimmern, das im Sommer zwischen 200 und 300 Personen beherbergen kann. Dazu gehört ein grosser Esssaal,

W

Floriane Boss, Fred Morthier und Vincent Theler, der Autor des Artikels, sind beeindruckt von der Grösse des Kaukasus. Hier in den Hängen des Elbrus auf 4500 m Fo to s:

Pa tr ic e Sc hr ey ero ut doo rpho tog ra ph y.c h

T E X T Vincent Theler, Veyras/VS

F O T O S Patrice Schreyer/outdoorphotography.ch

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