Kulturtrekking im Spiti Valley. Buddhistische Klosterfahrt

Kulturtrekking im Spiti Valley

Wer ins Spiti Valley im indischen Himalaya trekkt, kann sich an hohen Bergen und einsamen, wüstenhaften Berggegenden kaum satt sehen. Er trifft aber auch auf buddhistische Kulturzeugen, die an Reichtum kaum zu überbieten sind. Eine « Kloster-fahrt » der besonderen Art.

Wir sind unterwegs im Himachal Pradesh, jenem indischen Bundesstaat, der – zwei Tagesreisen nördlich von Delhi – an China grenzt. Ziel ist das Spiti Valley, dieses Bergwüstental, das auf der Strasse von Keylong über die Pässe von Rohtang Die Versammlungshalle des Klosters Kye Fotos: René Br eitenstein La und Kunzum La während sieben bis acht Monaten nicht erreichbar ist. Spiti Valley ist nicht nur für seine Landschaft berühmt, sondern auch für seine buddhistische Kultur, die jener in Tibet vergleichbar ist.

Das Kloster Kye

Von Kibber, 4205 m, einem der höchsten ganzjährig bewohnten Dörfer Asiens, aus, mit elektrischem Licht und Strassen-anschluss, besuchen wir das Kloster Kye. Seine Formen erinnern an einen Speck-gugelhopf: An allen vier Seiten des steilen Kegels kleben die einzelnen weissen Klostergebäude wie Fliegen. Kostbare, bis zu 900 Jahre alte Thangkas – kunstvoll gewobene Buddha-Bilder – zieren die kleinen, dunklen Klosterräume sowie den Dukhang, die Haupthalle. Unzählige Himachal Pradesh Indien Nepal Blick von der Dachterrasse des Klosters Kye ins mittlere Spitital gegen Kaza, den heutigen Hauptort von Spiti Das Kloster Kye, das Wahrzeichen von Spiti Fotos: René Br eitenstein Bände des Kanjur mit den Reden Buddhas stehen in den Vitrinen. Das Ganze strahlt eine wohltuende Atmosphäre des Friedens und der Meditation aus.

Lhalung oder « Juwelenberglotos »

Im mittleren Talabschnitt von Spiti thront das Kloster Dhankar auf einem dunklen Felsen wie auf einem Adlerhorst in schwindelerregender Höhe. Diese im 1O. Jahrhundert gegründete Festung auf 3990 m war die alte Hauptstadt Spitis. In einem mit Fresken bemalten Raum werden die Utensilien der « Schwarzhuttänzer » – Schwarzhüte und Masken – aufbewahrt. Im Tanz der Schwarzhutmönche wird symbolisch alles zertrampelt, was der Lehre Buddhas schädlich sein könnte. Die immer gleichen Töne sollen das Bewusstsein befreien.

Im Lingtital, einem östlichen Seitental des Spiti Valley, befindet sich das vom hohen Grenzgebirge zu Tibet umrahmte Lhalung mit seinem eindrücklichen Tempel. Dieser ist nach dem Prinzip eines Mandalas – jener kreis- oder viel-eckförmigen grafischen zur Meditation anregenden Figur – erbaut. Die goldfarbenen Lehmfiguren an den Wänden, meist ein Buddha, sind dreidimensional je in ein Mandala eingefügt: Um die Zentralfigur verlaufen farbige Kreise, die Figuren sind von weiteren Buddhas und Gottheiten umgeben. Die Figuren und Mandalas sind über tausend Jahre alt. Prachtvoll ist auch die bemalte Holzdecke mit runden und rechteckigen geometrischen Mustern und floralen Ornamenten. Lhalung bedeutet Juwelenberglotos und ist eine der grössten kunsthistorischen Kostbarkeiten der gesamten Hima-layaregion.

Thangkas und Malereien im Tanjur Lhakang von Lhalung Autofahrten im Spitital sind nur Touristen mit starken Nerven zu empfehlen. Die Strassen verlaufen häufig in hohen Felswänden – ohne seitliche Abschrankungen und ohne Randsteine. Im Bild die Hauptstrasse im Spitital zwischen Rangrik und Losar

Tabo, ein « Ort der Lehre »

Auf dem Weg nach Tabo besuchen wir in einem westlichen Seitental von Spiti das Kungri-Kloster, dessen alte Gebäude einem Neubau, der 2004 eingeweiht wurde, weichen mussten. Tabo selber liegt ganz im Süden und ist für seine einzigartigen Plastiken und Malereien berühmt. Zur Gründungszeit, 996 n. Chr., gehörte es zum westtibetischen Königreich Guge mit seinen Klöstern Tholing und Tsaparang. Diese sind bloss eine Tagesreise entfernt, doch ist der Zugang von Indien her seit 1959 gesperrt. Tabo wurde zum wichtigsten Zentrum der Lehre Buddhas im Westhimalaya, zu einem Chökhor – Ort der Lehre. Der Klosterkomplex umfasst neun äusserlich unscheinbare Lehmbauten im Pueblo-stil. Fünf der neun Tempel stammen aus der Anlage der Gründungszeit. Ähnlich wie in Lhalung bildet der Dhukang ein Mandala mit der zentralen Figur des Vairocana und 32 lebensgrossen Stuckstatu-en der zugehörigen Gottheiten. Vairocana ist der Strahlende, die Gottheit der Selbsterkenntnis, und sein Mandala symbolisiert Momente des meditativen Bewusstseinsprozesses. Die prachtvollen Malereien auf rotem Untergrund erzählen die Geschichte des Prinzen Suddhana und des historischen Buddha. In der Goldhalle finden sich zudem Malereien im Gugestil, einer Verschmelzung von kaschmirischem Malstil mit nepalesischen und chinesischen Einflüssen. Hier können jene Kunstschätze noch bewundert werden, die in den westtibetischen Tempeln von Tholing und Tsaparang zerstört wurden. a René Breitenstein, Riehen Lhalung im Lingtital. Im Hintergrund die Grenzberge zu Tibet Der äusserlich unscheinbare Tempel von Lhalung birgt eine der bedeutendsten kunsthistorischen Kostbarkeiten des westlichen Himalayas.

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