Leistungssport – zwei Seiten der Medaille

SAC – Berge bewegen Zeitschrift des Schw eiz er Alpen-Clubs

Die

Alpen

Rivista del Club Alpino Svizz er o

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Revue du Club Alpin Suisse

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Foto: David Coulin SA C CA S

Leistungssport – zwei Seiten der Medaille

Der Juni war geprägt von der Euphorie rund um die Fussball-WM, im Juli standen die Radfahrer der Tour de France im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die dabei gezeigten phänomenalen Leistungen sind die glänzende Seite des Leistungssportes. Die Kehrseite sind Korruption und Dopingskandale. Diese stellen die von Adolf Ogi, UNO-Sonder-botschafter für Sport, bemühten Werte des Sports – Schule fürs Leben, Kameradschaft, Respekt, Umgang mit Niederlagen – immer wieder in Frage.

Im SAC gewinnt der Leistungssport an Bedeutung. Auch im Sportklettern und im Skialpinismus geht es um Ruhm, Ehre und Medaillen – bis jetzt allerdings noch um ( sehr ) wenig Geld. Heute wird – besonders seitens der internationalen Organisationen von Sportklettern und Skialpinismus – darauf hingearbeitet, diese in acht bis zwölf Jahren ins olympische Programm hineinzubringen. Sollte dies gelingen, nehmen mediale Beachtung und finanzielle Mittel und Möglichkeiten zu. Das würde sicherlich einen neuen Motivationsschub mit sich bringen. Gleichzeitig sind damit aber auch Gefahren verbunden. Hier steht der SAC vor einer neuen Herausforderung und auch Chance – dann nämlich, wenn es ihm gelingt, die traditionell im Leitbild verankerten Werte von Toleranz, Verbundenheit und Respekt an eine dem internationalen Wettbewerb ausgesetzte Jugend weiterzugeben. Dafür steht der SAC, und dafür wollen wir uns einsetzen!

Peter Mäder, Geschäftsführer

Auf DEn HöHEn DES VERCORS

Zwischen Grenoble und Gap markiert das gewaltige Kalkplateau des Vercors den Übergang zu den Südalpen. Ob im Frühling und Herbst als Bergwanderer oder in mondhellen Nächten unterwegs auf Skiern: Dem Charme dieser Region Frankreichs kann man sich nur schwer entziehen.

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ZwEI LufTIgE gRATwAnDE-RungEn

Die Tour im Bündnerland von Monstein über den Stulsergrat nach Filisur verspricht luftige Tiefblicke in die Täler von Landwasser und Albula. Eindrücklich – und schwierigist die Überschreitung der Dent de Brenleire und der Dent de Folliéran in den Freiburger Voralpen.

Tourentipp

Proposte di gite

Suggestions de courses

Oben sein und oben bleiben

Von Monstein nach Filisur

Gratwandern liegt im Trend. Einen Genuss auf höchstem Niveau mit luftigen Tiefblicken in die Täler von Landwasser und Albula verspricht beispielsweise die Tour von Monstein über den Stulsergrat nach Filisur.

Er gilt als Saisonhöhepunkt der Höchst-trainierten: der Swiss Alpine Marathon von und nach Davos. Eine enorme Plackerei über Dutzende von Kilometern Horizontaldistanz und Tausende Höhenmeter. Ein Auf und Ab von Davos das Landwassertal bis Filisur, dann das Albulatal hinauf nach Bergün und weiter bis zur Keschhütte, ins Val Funtauna und über den Scalettapass ins Dischmatal und dort auf den letzten, ganz harten Kilometern nach Davos zurück. Wer das übersteht, hat nicht nur einen Sieg über seine Kniegelenke, sondern auch über sich selbst errungen.

Doping mit Kultur

Dabei ginge alles viel direkter, vor allem zwischen Davos Glaris und Bergün. Kenner der Region und weniger Ambitiöse zweigen nach Glaris ab und gelangen zum idyllischen Walserdörflein Monstein hinauf. Fast ein « must » ist der Zwischenhalt im Restaurant des Hotels Ducan, wo der echte Genuss mit einem der natur-trüben, untergärigen Monsteiner Biere beginnt. Ein Doping mit Kultur im « last beerstop before heaven ». Obwohl die höchstgelegene Brauerei Europas erst seit 2001 in Betrieb ist, hat das Monsteiner Bier in Kennerkreisen bereits Kult-status erlangt. Wer aber zum Büelenhorn will, verzichtet auf das angebotene Bier-seminar mit Brauerschmaus.

Aus Eile wird Weile

Hinein zur Inneralp und danach über Wiesen und Weiden bergan, erwartet uns dort ein « Büel » wie im Bilderbuch, stotzig und schweisstreibend. Ausser wir wenden uns nach Mäschenboden gegen rechts, um weglos und steil den Grat zu ersteigen, der von Osten her zum Büelenhorn hinaufführt. Ein lohnendes Unterfangen. Tief unten das Landwassertal, die Weiler der Landschaft Davos mit dem Weissfluhjoch, auf der andern Seite die abgeschiedene Bergwelt rund um den Gletscher Ducan und das Älplihorn, das im Winter eine prächtige Ski- und Snowboardtour abgibt. Und schon sind wir dort, wo wir hingehören: auf dem Grat, wo uns ausser dem Himmel nichts mehr auf den Kopf fallen kann, wo die Gipfelfreiheit Stunden dauert. Der Aufstieg zum Gipfel gerinnt zur Pilgerfahrt, mit Gedanken hier und nirgendwo. Aus der Eile wird Weile, endlich. So ist es auch oben auf dem Büelenhorn. Im Westen heftet sich der Blick auf den gewaltigen Klotz des Ela, und es wird verständlich, warum sich da kaum jemand hinauftraut. Dahinter das Tinzenhorn. Rechts davon an den Hang geklebt Mutten und Obermutten. Jetzt gehen dort noch wenige Kinder in die Gesamtschule. Rechts wieder das deutschsprachige Landwassertal, links das romanischspra-chige Albulatal. Unten in Filisur fliessen mit der Albula und dem Landwasser auch die Sprachen zusammen. Dort wollen wir hin.

Foto: David Coulin Auf dem Stulsergrat: Am Horizont grüsst das Tinzenhorn.

Wie ein Adler

Dazwischen zieht sich jedoch noch die Krönung des Tages dahin. Der Stulsergrat oder Fil da Stugl. Eine Wanderstunde lang reiner Genuss auf höchstem Niveau, niemals abschüssig, niemals heikel und doch immer mit luftigen Tiefblicken auf beide Seiten. Immer wieder suchen die Augen nach Haltepunkten. Einmal ist es ein Steinkreis auf der Alpweide tief unten zur Linken, dann einer der Landwasser-viadukte der Rhätischen Bahn zur Rechten. In einem sanften Auf und Ab senkt sich der Grat während zweier voller Luftkilometer hinunter bis zum letzten Aufschwung, der Muchetta. Erst jetzt sehen wir Filisur. Noch einmal nehmen wir die Bergwelt tief in uns auf, dann folgt der Abstieg. Bis nach Filisur hinunter ist er lang und steil. Etwas kürzer und deshalb empfehlenswert ist der Abstecher über die Jenisberger Alp nach Wiesen im Landwassertal. Wie Adler kreisen wir hinunter, immer grösser werden die Zeichen der Zivilisation im Talgrund, bis sie uns schliesslich eingeholt haben – bis zur nächsten Gratwanderung.

Allgemeines

Schwierigkeit: T3. Teilweise weglos. Lange Tour, die eine gute Kondition erfordert. 1200 Höhenmeter ( Hm ) auf, 1600 Hm ab nach Filisur, 1500 Hm ab nach RhB-Station Wiesen Wanderzeit: Monstein–Stulsergrat– Filisur 7 bis 8 Std.; Monstein–Stulsergrat– Wiesen im Landwassertal 6 bis 7 Std. Ausgangspunkt: Davos Monstein, 1626 m. Kleines, ursprünglich erhaltenes Walserdorf über dem Landwassertal. Erreichbar mit RhB von Tiefencastel über Fotos: David Coulin Erste Sonnenstrahlen auf dem Weg zum Büelenhorn Auch am Stulsergrat gilt es, noch im Morgentau loszuziehen. Die Monsteiner Bierprodukte: Vorzeigebeispiel eines Nischen-produkts aus einer Bergregion Die Dorfkapelle von Monstein wird auch als Ausstellungsraum genutzt. Das Dorf selbst weist bis heute die unverkennbaren Merkmale eines typischen Walserdorfes auf.

Filisur oder über Davos nach Davos Glaris, dann mit Bus nach Monstein, Fahrplanfelder 915, 91O.71. Mit dem Auto von Davos oder Tiefencastel ( Julierroute ) durch das Landwassertal bis 2 km südwestlich Davos Glaris. Dort Abzweigung nach Monstein nicht verpassen. Ein Hotel in Monstein, Hotel Ducan, Tel. 081 401 11 13, weitere Übernachtungsmöglichkeiten in Davos Glaris. Informationen bei Davos Tourismus, Tel. 081 415 21 21, www.davos.ch Route: Von Monstein auf Fahrstrasse zur Inneralp. Von dort auf Wanderweg, der sich dann in eine teilweise undeutliche Wegspur verliert, rund zwei Stunden steil hinauf zum Büelenhorn, 2807,. " " .6 m. Dann auf der Gratkante des Stulsergra-tes auf gutem Wanderweg bis Muchetta, 2622,. " " .8 m. Wieder dem Weg folgend links steil hinunter. Auf der Höhe von 2200 m Abzweigungsmöglichkeit über die Jenis-berger Alp, 1989 m, nach Wiesen. Nach Filisur ist der Weg teilweise undeutlich wegen der vielen Föhren. Von Curtins, 1863 m, führt ein guter Fahrweg nach Filisur. Mit etwas Glück lässt sich der Weg hinunter mit Autostopp verkürzen. Karten/Bücher: LK 1: 25 000, 1217 Scalettapass, 1216 Filisur, LK 1:50 000, 258 T Bergün. Coulin, David: Die schönsten Gratwanderungen der Schweiz, AT-Verlag 2005. Fr. 46.70, für SAC-Mit-glieder Fr. 39.– a David Coulin, Horw Kleinod Filisur: Seit die umfah-rungsstrasse Ende Juni dieses Jahres eröffnet wurde, kann man in aller ruhe die sorgfältig restaurierten Häuser betrachten.

Blick vom Grat hinunter ins Albulatal Dieser Flockenblume am Wegrand kann ein Schmetterling kaum widerstehen.

Abwechslungsreiche und luftige Überschreitung

Dent de Brenleire und Dent de Folliéran

Die Dent de Brenleire, 2353 m, ist der höchste ganz auf Freiburger Kantonsgebiet liegende Gipfel. Zusammen mit der Nachbarin, der Dent de Folliéran, 2340 m, bilden sie eine Kulisse, die in der Romandie weitherum sichtbar ist. Die Überschreitung dieser beiden Gipfel führt in eine einzigartige Gegend, ist aber nur für sehr erfahrene Berggänger geeignet.

Wir mussten mehrere Wochen warten, bis sich das ideale Wetter für unser Über-schreitungsprojekt einstellte. Als Ausgangspunkt hatten wir uns für das Vallon de Motélon entschieden. Nachdem wir das Auto parkiert haben, steigen wir in regelmässiger Steigung auf einem einfachen, breiten Weg in Richtung Col de Tissiniva, 1751 m, auf. Etwa auf halbem Weg tauchen plötzlich die beiden « Zähne » vor uns auf und geben uns einen Vorgeschmack auf die wilde Gegend, durch die wir wandern werden. Sobald wir im Pass ankommen, rennen zahlreiche Gämsen davon, die sich wohl seit dem Morgengrauen in diesem Übergang aufgehalten haben.

Ein grossartiger Aussichtspunkt

Wir beginnen den Aufstieg über den NW-Grat. Die genaue Route auf den Gipfel der Dent de Brenleire ist nur schwer erkennbar. Wir gehen ein erstes Stück über einen mächtigen Hang mit Rasenplanggen hinauf, der immer steiler wird, bis die ersten felsigen Aufschwünge auftauchen. Es folgen etwa hundert Meter feines, rutschiges Geröll, das die Gratschneide markiert. Sobald wir den oberen Teil erreicht haben, überschreiten wir luftige Stellen, dazu kurze Klettereien in jetzt solidem Fels. Die Zahl der Wegmarkierungen ist zum Glück so gross, dass wir uns gut orientieren können. Schliesslich erreichen wir den Gipfelgrat: Der Ausblick raubt uns den Atem, denn die Sicht ist Ende Oktober einfach optimal. Dank der speziellen Lage dieses Die sagenumwobenen Gipfel der Gastlosen ( v. l. ): Dent de ruth, Dent de Savigny, Les Pucelles Luftige Verlängerung des NE-Grats der Dent de Brenleire in richtung des Hochmatt-massivs und weiter hinten des Jaunpasses Foto: Florian W idmer Foto: Nicolas W idmer Blick vom Gipfel der Dent de Brenleire auf die Pyramide der Dent de Folliéran und ( v. l. ) Vanil Noir, Vanil de l' Ecri und Pointe de Paray Die Pyramide der Dent de Folliéran, des « Freiburger Matterhorns », von den Gipfelhängen der Dent de Brenleire aus gesehen Die imposante NW-Flanke der Dent de Folliéran, 2340 m, von Tissiniva aus Foto: Florian W idmer Foto: Nicolas W idmer Foto: Hugo Raetzo Bergs – stolz und relativ allein stehend – bietet er einen der schönsten Aussichtspunkte dieser Region. Die Voralpen stehen in Kontrast zu den Viertausendern des Berner Oberlandes, des Wallis und des Montblancmassivs. Im Westen bewundern wir die perfekte Pyramide der Dent de Folliéran, die majestätisch emporragt und unzugänglich erscheint. Nach einer verlängerten Pause auf dem geräumigen Gipfel machen wir uns an die Fortsetzung unserer Tour. Wir steigen zuerst über den W-Grat in den die beiden Gipfel trennenden Col d' Entre Roches, 2114 m. Der Beginn des Grats ist zwar ziemlich schmal, bereitet aber keine besonderen Schwierigkeiten. Auf halbem Weg hingegen beschliessen wir, mehrere steile und brüchige Felsriegel links zu umgehen, um gleich danach den Pass zu erreichen. Im letzten Augenblick erscheint im Fels ein natürliches Fenster und erlaubt uns, von der einen auf die andere Seite zu wechseln. Das Gefühl der Einsamkeit nimmt zu, als wir vor der senkrechten E-Wand der Dent de Folliéran stehen. Sie ist kein Spielverderber und wirft bereitwillig unser Echo zurück.

Steinböcke auf dem « Freiburger Matterhorn »

Die Fortsetzung der Tour bleibt interessant. Wir folgen zuerst rigoros der Gratschneide, bis diese plötzlich sehr steil und nur schwer begehbar wird. Wir gehen daher rechts einem langen, wenig ausgeprägten Band entlang, das mehr als 400 m über den Alpweiden die ganze SW-Flanke durchzieht. Einige Markierungen am Ende des Bands ermöglichen uns wieder die Orientierung, und wir steigen direkt in der Falllinie des Gipfels in einem Couloir auf, das wir nach rund 100 m nach rechts verlassen. Endlich treffen wir wieder auf den sonnenbeschienenen W-Grat – und werden von zahllosen Steinböcken begrüsst. Um zum Gipfel zu gelangen, müssen wir jetzt noch eine rechts vom Grat gut sichtbare Kaminverschneidung ersteigen, die zu den Gipfelhängen des « Freiburger Matterhorns » führt. Wir sind stolz, das Ziel auf einem so eleganten Weg zu erreichen, der den charakteristischen Linien dieser beiden von so weit her sichtbaren Gipfel folgt. Das Gipfelbuch beweist, dass nur wenige Wanderer den doch eigentlich gar nicht so aufwändigen Weg auf diesen wunderbaren Aussichtspunkt finden. Doch wir müssen ihn verlassen und entscheiden uns für den Abstieg über den W-Grat, den wir schon im letzten Stück des Aufstiegs begangen haben. Eine reiche Fauna erwartet uns, vor allem in der Schulter auf halbem Weg, sodass wir fast ein wenig befürchten, an den ganz engen Stellen aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden. Weiter unten führen breite, steile Rasenhänge an den Fuss des gezackten Galère-Grats, den wir links durch die Flanke umgehen. Dieser kleine Umweg über das Chalet Les Marrindes, 1868 m, der sich empfiehlt, wenn man kein Seil dabei hat, erfordert allerdings einen Wiederaufstieg von rund 260 m in die Selle des Morteys, 2129 m. Wir geniessen noch ein letztes Mal den Blick auf die einzigartige Kette der Gastlosen. In der Selle des Morteys angekommen, steigen wir wieder in der NW-Flanke des Blick ( v. l. ) auf Le Tsermon, den Vanil du Van und Les Merlas im Vordergrund sowie den Vanil des Artses, die Dent de Lys und den Moléson im Mittelgrund. Im Hintergrund die Voralpen des Chablais mit den Cornettes de Bise und der Dent d' oche Hinter der Dent de Bimis im Vordergrund zeichnen sich deutlich die Kalkalpen und das Montblancmassiv ab.

Foto: Hugo Raetzo Foto: Hugo Raetz o Massivs ab und erreichen nach zahllosen Zickzacks den Talgrund des Vallon de Porcheresse.. " " .Von dieser Alp sieht man sehr gut auf die ganze Überschreitung, die wir hinter uns haben. Diese Überschreitung von Dent de Brenleire und Dent de Folliéran ist kontrastreich, oft luftig und lädt vor allem dazu ein, wieder zu kommen. a Florian Widmer, Lausanne ( ü ) Praktische Informationen Schwierigkeit: problemlose Wanderung bis Tissiniva, dann T5 bis zur Dent de Brenleire. Die Überschreitung und der Abstieg von der Dent de Folliéran sind T5–T6, denn der Weg ist kaum markiert, mitunter ausgesetzt, und somit nur für sehr erfahrene Bergwanderer! Material: das übliche Material für eine Bergwanderung mit zusätzlich einem 15-m-Seil für einige Kletterpassagen Zeitbedarf/Höhenunterschied: Motélon–Dent de Brenleire 3 Std.; Dent de Brenleire–Dent de Folliéran 1 1 ⁄ 2 Std.; Dent de Folliéran–Selle des Morteys 2 Std.; Selle des Morteys–Moté- lon 2 Std.; insgesamt 1700 Höhenmeter Karte: LK 1:25 000, Blatt 1245 Château-d'Oex Zugang: in das Vallée de Motélon gelangt man nur im Privatfahrzeug Beste Jahreszeit: abwarten, bis der Schnee in den Nordhängen verschwunden ist und eine Trockenperiode bevorsteht; Juni bis Oktober, am besten im Herbst Varianten: Man kann die beiden Gipfel auch von Süden her und von der Alp Gros Mont erreichen, was Höhendifferenz, Schwierigkeit und Zeitbedarf merklich verringert. Die Routen sind allerdings eintöniger und manchmal glitschig. Bücher: Brandt Maurice: Guide des Préalpes fribourgeoises, SAC-Verlag, 1991 ( nur Französisch ) Blick vom Gipfel der Dent de Folliéran auf die Dent de Brenleire und ihren SW-Grat, über den wir in den Col d' Entre roches gelangten Nahtstelle von W-Grat und Dent de Folliéran: Ein ansehnlicher Gastgeber empfängt uns.

Der obere Teil des SW-Grats der Dent de Folliéran mit der Kaminverschneidung auf der rechten Seite Foto: Hugo Raetz o Foto: Nicolas W idmer Foto: Florian W idmer

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen

Sicurezza, medicina, soccorso in montagna

Sécurité, médecine, sauvetage

So kann zusätzliche Bremskraft erzeugt werden – Halbmastwurf mit zusätzlicher Umwin-dung – Verwendung eines Karabiners mit einer zusätzlichen Klinke auf der Schenkelaus-senseite zum Ablassen von Personen – Verwendung von Sicherungsgeräten mit zusätzlicher Bremswirkung durch konische Anordnung oder gerippten Seil-umlenkungen – Abseilachter umgekehrt verwenden ( das Seil durch den kleinen Ringzusätzlicher Karabiner beim « Plate » oder « Tube » – Verwendung von Schutzhandschuhen beim Abbremsen oder Abseilen

Von dünnen Seilen

Wenns nicht mehr bremst

In den vergangenen Jahren ist die Entwicklung der Bergseile in Richtung kleinerer Durchmesser und Wasser abstossender Oberfläche rasant vorwärts gegangen. Unfälle haben gezeigt, dass die Information und die Ausbildung der Kletterer bezüglich Anwendung und Handhabung dieser Seile nicht optimal ist.

Ein junger Mann von 16 Jahren sichert seine Mutter beim Toprope-Klettern. Sie verwenden ein 9,5-mm-Seil und sichern mit dem Halbmastwurf. Beim Ablassen der Mutter kann der Bursche das Seil nicht mehr halten, und es kommt zum Sturz. Die Frau trägt schwere Rückenverletzungen und ihr Sohn Verbrennungen an beiden Händen davon. Das Seil war neu.

Beim zweiten Unfall bremste ein Bergführer eine Person auf einer Hochtour an einem Strang 1 eines ebenfalls neuen 7,5-mm-Zwillingsseils ab. Als Bremse verwendete auch er die Halbmastwurfsicherung. Und auch er konnte die Last nicht halten. Beide Personen verletzten sich im gleichen Ausmass wie die Seilschaft aus dem ersten Beispiel.

Die Einflüsse auf die Bremskraft

Gemäss Fachliteratur müssen Sicherungsgeräte richtig gehandhabt und auf das verwendete Seil abgestimmt sein. Was heisst das konkret? Bremst ein Gerät, welches auf einen Seildurchmesser von mindestens 10 mm ausgelegt ist, auch ein 9,2-mm-Seil?

Grundsätzlich gilt, dass das Sicherungsmittel die auftretende Energie so aufnehmen muss, dass die sichernde Person mit der Bremshand das Seil und damit die Person halten kann. Zur richtigen Wahl der Sicherungsmethode und deren korrekten Anwendung gibt es zurzeit keine gültige Norm für Seilbremsen der persönlichen Schutzausrüstung. Beim Kauf ist es wichtig, abzuklären, ob Seil und Sicherungs- bzw. Abseilgerät zueinander passen. Die Seile werden nicht nur dünner und leichter, sondern sollen auch möglichst wenig Wasser aufnehmen, denn ein nasses Seil vermindert die Bremskraft erheblich. Versuche haben ergeben, dass ein Wasservolumen von 15% des Seilgewichts zu ungefähr 30% Brems-kraftverlust führt. Die Seilhersteller begegnen diesem Problem mit neuen Im-prägniermethoden. Diese Techniken Bei einem Halbmastwurf erzeugt eine zusätzliche Umwin-dung mehr Bremskraft. Für mehr Informationen siehe www.sac.ch, Downloads. Auch wer einen Spezialkara-biner mit einer zusätzlichen Klinke verwendet, erzeugt mehr Bremskraft.

Zusätzliche Bremswirkung wird erzeugt, wenn Sicherungsgeräte mit gerippter oder konischer Anordnung der Seil-umlenkungen zum Einsatz kommen.

Fotos: Hans Mar tin Henny führen aber bei manchen Seilen auch zu einem sehr glatten Seilmantel, was vor allem im Neuzustand die Dosierung der Durchlaufkontrolle – unabhängig vom Sicherungsgerät – erschwert.

Information und Ausbildung

Im Bergsportgeschäft sollte man die unterschiedlichen Seiltypen erklärt erhalten, also wo Einfach-, Halb- und Zwillingsseil zum Einsatz kommen. Weiter sollen Sicherungs- und Abseilgeräte vorgeführt und erläutert sowie Informa-tionsbroschüren abgegeben werden. Nach dem Kauf muss sich der Besitzer systematisch mit seiner Neuerwerbung bekannt machen und lernen, die Bremse zusammen mit dem Seil richtig zu handhaben. Insbesondere die Bremskraft und deren Vergrösserung sind entscheidend. In der Ausbildung sollten in praktischen Ausbildungsblöcken Seile verschiedenen Durchmessers mit unterschiedlichen Sicherungsarten und -geräten verwendet und auf Möglichkeiten zum Erzeugen zusätzlicher Bremskraft hingewiesen werden ( vgl. Kasten ).

Die Qual der Wahl

Bei der Wahl von Seilen bzw. Siche-rungs- und Abseilgeräten helfen folgende Überlegungen: Das Gros der Bergsteiger und Kletterer benützt Seile mit Standarddurchmesser 10,. " " .2 bis 10,. " " .5 mm bei einem Einfachseil und 8,2 bis 8,5 mm bei einem Halbseil. Dünne Zwillingsseile bleiben Spezialisten vorbehalten, bei denen wirklich jedes Gramm entscheidend ist. Wer ausschliesslich in der Halle oder im Klettergarten unterwegs ist, braucht kein im-prägniertes Seil. Nicht nur das Siche-rungs- und Abseilgerät muss auf den Seildurchmesser abgestimmt sein, sondern auch Seilklemmen sowie Prusik- und Bandschlingen, welche auf dem Seil zuverlässig klemmen sollen. a Hans Mar tin Henny, Kommission Bergsport und Jugend 2 1 Die Seilhersteller empfehlen, Zwillingsseile nur im Doppelstrang zu verwenden. 2 Der Autor bedankt sich bei Dominik Hunziker, Bereichsleiter Technik der Alpinen Rettung SAC. Durch seine Initiative wurden die beiden Unfälle dazu benutzt, konstruktiv und offen mit allen Kreisen über die Problematik zu diskutieren.

Gebräuchliche Seiltypen 1 Einfachseile Einfachseile sind die Normalform von Kletterseilen. Je nach Durchmesser und Länge können sie für die meisten Einsatzgebiete verwendet werden. Ihr Hauptvorteil ist das einfache Handling, ein Nachteil, dass das Ablassen oder Abseilen nur über die halbe Seillänge möglich ist.

Zwillingsseile Zwillingsseile werden nur im Doppel-strang verwendet und immer gemeinsam in jede Zwischensicherung einge-hängtZwillingsseiltechnik ). Zwei Stränge bieten Redundanz und damit eine höhere Sicherheit bei Sturzbelastung über scharfe Kanten. Somit sind sie speziell für alpine Klettereien oder anspruchsvolle Touren mit Rückzugsmöglichkeiten geeignet.

Halbseile Halbseile liegen in der Festigkeit zwischen Einfach- und Zwillingsseilen. Sie bieten nur normgerechte Sicherheit, wenn sie im Doppelstrang verwendet werden. Dabei hat man jedoch die Wahl zwischen der Zwillingsseiltechnik, bei der beide Stränge parallel durch die Zwischensicherungen laufen, und der Halb-seiltechnik, bei welcher der « linke » und der « rechte » Strang getrennt durch unterschiedliche Sicherungen geführt werden. Sie können im Einzelstrang zum Nachsichern verwendet werden, etwa bei zwei Nachsteigern.

1 Quelle Mammut AG, CH-5703 Seon, Informationsbroschüre Seil Wird der Abseilachter umgekehrt verwendet und das Seil durch den kleinen Ring geführt, erzeugt dies grössere Bremskraft.

Bei « Tube»- oder « Plate»-artigen Sicherungsgeräten erzeugen zwei Karabiner mehr Bremskraft.

Wer beim Sichern/Abbremsen/ Abseilen Handschuhe trägt, schützt sich vor Verbrennungen durch Reibung.

Sport- und Wettkampfklettern

Arrampicata libera e di competizione

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