Lorenz Saladin. Emil Zopfi, Robert Steiner

Emil Zopfi, Rober t Steiner

Lorenz Saladin

Tod am Khan Tengri, AS Verlag, Zürich 2009, ISBN 978-3-909111-63-3. Fr. 78.– Lorenz Saladin, geboren 1896 im solothurnischen Nuglar, gestorben 1936 beim Abstieg vom Khan Tengri an den Folgen von Erfrierungen und Erschöpfung. Ein vergessener Alpinist, ein unbekannter Berg? Lorenz Saladin stammte aus einfachsten Verhältnissen, unternahm abenteuerliche Reisen durch die Alpen, durch Nord- und Südamerika und in die Gebirge Asiens. Als Kommunist war es Saladin möglich, mit den stärksten russischen Alpinisten Berggebiete der Sowjetunion zu bereisen, die anderen verschlossen blieben. Der Khan Tengri, ein 7000er im Tien-Schan- Gebirge im kirgisisch-chinesischen Grenzgebiet, der nördlichste und kälteste 7000er der Erde – seine Drittbesteigung war Traum und Alptraum von Lorenz Saladin und seinen Gefährten, darunter die bekannten Gebrüder Abalakow. Wegen bürokratischer Verzögerungen, ungenügender Ausrüstung und gesundheitlicher Probleme stand ihre Expedition bereits zu Beginn unter einem schlechten Stern. Doch sie ahnten das Unheil, das Ende der 1930er-Jahre über Europa hereinbrechen würde, wussten, dass dies ihre letzte Chance einer gemeinsamen Besteigung war und kämpften sich bei Kälte und Sturm mit mehreren Biwaks und im alpinen Stil auf den 7010 Meter hohen Gipfel. Zahlreiche Zwischenfälle machten den Abstieg zur Hölle. Wie durch ein Wunder erreichten alle lebend den Fuss des Berges. Auf der Rückreise aber entzündeten sich Saladins zahlreiche Erfrierungen, er erlitt eine Blutvergiftung, irgendwann stürzte er tot von seinem Pferd.

Dank seinen Fotografien lebt Lorenz Saladin in unserer Erinnerung weiter. Mit seinen ausdrucksstarken Bildern zeigt er nicht nur dramatische Szenen am Berg, sondern fängt auch Kultur und Leben der Bevölkerung der von ihm bereisten Länder ein. Die spannenden Texte von Emil Zopfi und Robert Steiner vervollständigen diesen Bildband und machen ihn zu einem herausragenden Bergdokument und einer würdigen Reverenz an eine aussergewöhnliche Persönlichkeit und einen Schweizer Pionier des internationalen Alpinismus.

Fredy Joss, Beatenberg Ernst Bromeis-Camichel und Andrea Badrutt

Graubünden – das blaue Wunder

Südostschweiz Buchverlag, Chur 2008, ISBN 978-3-03919-068-3. Fr 58.– Ein Mann schreitet im Neoprenanzug und mit einer Badekappe auf einer Eisscholle in einem Bergsee. Er wirkt wie ein kleiner Fremdkörper in einer weiträumigen, frostigen Bergwelt. Dies ist nur eines der starken Bilder aus dem Band Graubünden – das blaue Wunder. Das Buch ist Teil des gleichnamigen Projektes, bei dem der in Chur wohnhafte Ernst Bromeis-Camichel im Sommer 2008 über 200 Bündner Seen aufsuchte und teilweise bei garstigsten Verhältnissen durchschwamm. Auf vielen Etappen begleitete ihn der Fotograf Andrea Badrutt.

Die dabei entstandenen Bilder geben gerade wegen der bewusst inszenierten, ungewohnten Präsenz eines Schwimmers in dieser Umgebung einen faszinierenden Einblick in die Wasser-, aber auch die Bergwelt Graubündens. Lässt man sich neben den Bildern auch auf die Tage-bucheinträge des « Wasserbotschafters » ein, so erfährt man, was er mit dem Projekt bezweckte und wie er es erlebte. Auch wenn Bromeis-Camichel betont, dass er für das Thema Wasser sensibilisieren wolle, handeln seine Einträge mehrheitlich von seinen sportlichen Leistungen zu Fuss, auf dem Bike oder natürlich beim Schwimmen. Diese nötigen sicher allen Lesern grossen Respekt ab, werfen aber teilweise die Frage auf, wer wem Aufmerksamkeit verschafft: der Schwimmer den Gewässern oder umgekehrt? Mögen die Schilderungen der Selbst-erfahrungen dadurch und durch den auf Originalität ausgelegten Sprachstil teilweise irritieren, so zeigen die zusätzlichen Beiträge die Breite des Phänomens Wasser. Sie reichen von der Namensviel-falt der Bündner Seen bis hin zur Gewäs-serreinigung. Ob das ganze Buch auch zu einem sorgfältigeren Umgang mit Wasser führt, bleibt offen, gute Werbung für Graubünden ist es aber allemal. Christoph Meier, Chur

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