LVS - Bilanz und Perspektive

Knapp 30 Jahre nach der ersten Konstruktion eines Sender-Emp-fänger-Gerätes für Skitourengeher durch Lawton in den USA ( « Skadi », 1968 ) kann man rückblickend mit Sicherheit sagen: Das Lawinen-Verschütteten-Such-gerät ( LVS ) hat die Überlebenschance bei Ganzverschüttung verbessert, jedoch nicht so deutlich, wie man es gemeinhin annehmen könnte. Dies ergibt sich aus einer von Hermann Brugger1, Markus Falk2, Othmar Buser3 und Frank Tschirky3 durchgeführten Studie.

Daten und Egebnisse Anhand der Daten des Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos wurden 328 Ganzverschüttungen im freien, alpinen Gelände der Schweiz aus den Jahren 1981-1994 ausgewertet. Nicht in diese Studie aufgenommen wur- Wie lange braucht es, bis eine Expressschlinge durchgescheuert ist? Wir starteten eine Untersuchung in Dresden. Mit einer Expressschlinge, die mittels 80 kg schwerem Eisenge-wicht und entsprechendem Gegenzug ( Seil ) belastet wurde, wurden Scheu-erbewegungen an einer künstlichen Kletterwand durchgeführt, und zwar um eine vertikale Pendelachse von etwa 15°. Radialer Andruck der Expressschlinge an die Kunstwand etwa 100 N ( ca. 10 kp ). In der Tat-es brauchte nur 340 Scheuerzyklen, bis die Schlinge durchgescheuert war.

SchlussfolgerungenKeine Expressschlingen zur Umlenkung an Kletteranlagen hängen lassen ( man könnte sie natürlich auch von Zeit zu Zeit kontrollieren, doch dies wird leicht vergessen ), undfindet man Expressschlingen vor ( auch in Klettergärten ), sollte man sich insbesondere deren Rückseite, also die Seite, die mit der Kletter-bzw. Felswand in Kontakt steht, gründlich ansehen.

Pit Schubert, D-München: Bergrettungsarzt im Alpenverein Südtirol ( AVS ), Mitglied der Internationalen Kommission für Alpine Notfallmedizin ( IKARInstitut für medizinische Statistik und Epidemiologie, Technische Universität München 3 Eidgenössisches Institut für Schnee- und Lawinenforschung, Davos Abb. 5 Die beiden gerissenen Expressschlingen: links die aus Dresden, rechts die aus Tschechien den Verschüttete, die sich selbst befreien konnten oder durch Ausapern geortet wurden. Ebenfalls nicht berücksichtigt wurden im Vergleich Personen, die durch sichtbare und/ oder hörbare Zeichen ( Augen- und Ohrensuche ) gefunden wurden, da diese oberflächlich verschüttet waren und somit mit jenen Personen, die mit dem LVS geortet wurden, nicht vergleichbar sind.

Zur statistischen Überprüfung der Wirksamkeit des LVS verwenden die Autoren die Verteilung der Verschüttungsdauer von Ganzverschütteten, die mittels LVS geortet wurden, und vergleichen diese mit jener der Verschütteten, die mit anderen Mitteln ( Lawinenhund, Sondieren oder Umgraben ) geborgen wurden. In Abb.1 wird die Bergungsverteilung dieser Gruppen graphisch dargestellt. Die durchschnittlichemediane ) Verschüttungsdauer ( vgl. Tab. 1 ) liegt bei den Verschütteten mit LVS bei 35 Minuten, ohne LVS-Ortung bei 120 Minuten. Dieser Unterschied ist statistisch gesichert ( Signifikanz p 0,0001 ).

Vergleicht man die Sterberate, so finden wir, dass mit LVS-Ortung 66,. " " .2 %, ohne LVS 75,. " " .9 % der ganzverschütteten Personen tot geborgen werden ( vgl. Tab. 1 ). Dieser Unterschied ist entgegen den Erwartungen statistisch gerade noch gesichert ( p = 0,054 ). Der Grund für diese Diskrepanz liegt im steilen Absinken der Überlebenswahrscheinlichkeit: Sie bleibt bis 15 Minuten nach Verschüttung sehr hoch, sinkt anschliessend steil ab und hat bereits 35 Minuten nach Verschüttung ein tiefes und flach verlaufendes Niveau erreicht. Deshalb kann auch eine deutliche Verkürzung der Verschüttungsdauer von 120 auf 35 Minuten sich nicht in dem erwarteten Masse auf die Sterberate auswirken.

In 27,. " " .1 % der Fälle erfolgte die LVS-Ortung nicht durch Kameraden, sondern durch organisierte Rettungsmannschaften, wobei die durchschnittliche Verschüttungsdauer 275 Minuten und die Sterberate 97,. " " .2% betrugt ( vgl. Tab. 1 ).

Schlussfolgerung Die Verwendung des Lawinen-Ver-schütteten-Suchgerätes zur Ortung von ganzverschütteten Personen verkürzt die Verschüttungsdauer von 120 auf 35 Minuten, verringert hingegen die Sterblichkeitsrate nur in sehr Sicherheit, Medizin, Rettungswesen Verteilung der Bergedauer nach Lawinenverschütteten Schweiz 1981-1994 ( n=328 ) Abb.1 Kumulierter Anteil der geborgenen ganzverschütteten Personen in Abhängigkeit von der Verschüttungsdauer ( V n=133 ) nach Ortung mit LVS ohne LVS ( G durch Hund, Sondieren oder Umgraben ).

160 180 140 40 20 6080 100 120 Verschüttungsdauer ( min ) Ortung - Verschüttungsdauer - Sterberate ohne LVS mit LVS gesamt Kameraden organisierte Rettung

35 min 20 min durchschnittliche 120 min Verschüttungsdauer Sterberate75,. " " .9% 66,. " " .2% 54,. " " .6% Tab. 1ganzverschütteten Personen Durchschnittlichemit und ohne LVS-Ortungmediane ) Verschüttungsdurch Hund, Sondierung, dauer und Sterberate vonUmgraben ) geringfügigem Masse von 76 % auf 66%. Dies weil die durchschnittliche Verschüttungsdauer auch mit LVS-Ortung in einem Zeitabschnitt liegt, in dem die Überlebenswahrscheinlichkeit der Verschütteten bereits stark abgefallen ist.

Diskussion Die Gründe für das oben festgehaltene Ergebnis sind vielfältig und individuell verschieden. Häufig liegt es an erschwerenden äusseren Umständen nach dem Lawinenabgang ( grosses Lawinenfeld, unzugängliches Gelände, hohe Zahl an Verschütteten oder fehlende Überlebende ), die eine zeitgerechte Ortung und Bergung durch Kameraden trotz einwandfreier Funktion und Handhabung des Gerätes unmöglich machen. Manchmal muss man, vor allem bei Variantenfahrern, ein irrationales Verhalten erkennen, d.h. anstatt mit dem LVS zu suchen, wird zuerst Hilfe geholt.

In vielen Fällen tragen die Tourengeher zwar ein LVS auf sich, sind aber nicht in der Lage, die Ortung in der erforderlichen Zeitspanne durchzuführen, die ein Überleben mit hoher Wahrscheinlichkeit ermöglicht. Der Erfolg einer LVS-Ortung hängt in erster Linie von der Fertigkeit des Anwenders im Umgang mit dem Gerät ab. Aus diesem Grund ist es notwendig, alle Besitzer eines LVS im Umgang mit dem Gerät zu schulen, was organisatorisch mit einem grossen Aufwand verbunden ist. Der Anteil an Tourengehern, die das Gerät nicht oder nur unzureichend bedienen können, ist nach wie vor sehr hoch.

Wir haben heute die Gewissheit, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit von Lawinenverschütteten während der ersten 15 Minuten sehr gross ist. In dieser Frist können aber nur mit dem LVS geübte Tourengeher eine Ortung und Bergung erfolgreich durchführen. Darum wäre unseres Erachtens eine technische Weiterentwicklung des LVS dringend erforderlich mit dem Ziel, die Handhabung so weit zu vereinfachen, dass die Schulung wesentlich verkürzt wird, ja sozusagen am Ladentisch erfolgen kann.

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Inwieweit dies technisch machbar ist, kann seitens der Autoren nicht beurteilt werden. Grundsätzlich stellt sich aber die Frage, ob die Entwicklung eines Gerätes, das eine optische ( statt der heutigen akustischen ) Ortung ermöglichen würde, nicht sinnvoller wäre und einen rascheren und effizienteren Suchvorgang ermöglichen würde. Unter diesem Gesichtpunkt könnte der Lawinenballon auf eine entsprechende Entwicklungsrichtung hindeuten.

Schlussfolgerungen Die Nachteile des heutigen LVS liegen in seinem hohen technischen Anspruch an den Anwender, in seiner diffizilen Handhabung und der damit verbundenen, zeitaufwendigen Schulung.

Mit der Entwicklung eines LVS, das zusätzlich zur exakten Anzeige der Suchrichtung auch Distanzangaben zum Verschüttungsort und eine Angabe ermöglicht, wann mit dem Suchen aufzuhören und wann mit dem Schaufeln zu beginnen ist, würde der Umgang mit dem Gerät vereinfacht und effizienter. Das praktisch unlösbare Problem einer lückenlosen Schulung aller Tourengeher und Variantenskifahrer im Umgang mit dem Suchgerät könnte dadurch entschärft werden.

Dr. Hermann Brugger4, I-Bruneck275 min

97,2% d Korrespondenz und Literatur: Dr. Hermann Brugger, Europastrasse 17, 1-39031 Bruneck, Südtirol, oder Frank Tschirky, Eidgenössisches Institut für Schnee- und Lawinenforschung, 9260 Weissfluhjoch/Davos e

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