Materialentwicklung im Skialpinismus. Immer leichter, immer schneller

Materialentwicklung im Skialpinismus

Immer leichter, immer schneller. Unter diesem Motto steht die Entwicklung des Materials im Skialpinismus sowohl bei der Elite als auch bei den Volksläufern. In den letzten zehn Jahren ist das Material wesentlich weiterentwickelt worden. Jeff Cuennet, Nationaltrainer des Swiss Teams, erläutert die perfekte Ausrüstung eines Skialpinismuswettkämpfers.

Es war 1984, als die Patrouille des Glaciers wie Phönix aus der Asche wieder auferstand und Skitouren mit Fellen eine Renaissance erlebten. Es dauerte dann aber bis in die Mitte der Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts, bis die Skihersteller dabei ein gutes Geschäft witterten und begannen, ihre Produkte zu verbessern. Seither haben sich Ski, Bindungen, Schuhe, Felle, Rucksäcke und Wachs geradezu rasend schnell entwickelt. Leicht, steif, praktisch, schnell – auf allen Ebenen wurden Fortschritte erzielt.

Didier Moret beim Wechseln der Felle. Bei einem grossen Teil der Wettkämpfe wird in den Wechseln über Sieg oder Niederlage entschieden.

Ski

Die Ski haben gewaltig abgespeckt. Brachten sie früher 3 kg auf die Waage, so sind sie heute nur noch 800 bis 900 g schwer. Zur Anwendung kommen heute Materialien wie Karbon und Glasfaser. Auch die Länge hat abgenommen. Letzten Winter schnallten die Wettkämpfer Ski von 160 cm Länge an die Füsse, während es vor fünf Jahren noch 180 cm waren. « Mit dieser Länge ist der Ski handlicher in den Spitzkehren und in sehr technischen Couloirs », erklärt Jeff Cuennet. « Kürzer heisst auch leichter. Aber trotz der Leichtigkeit ist der Ski heute steifer und stabiler als ein 180 cm langer Ski vor zehn Jahren. »

Schuhe

Seit zwei Jahren hat ein italienischer Hersteller die Bedürfnisse der Skialpinisten aufgenommen und adaptiert, was sich vorher nur Elitewettkämpfer selber gebastelt hatten. Jeff Cuennet: « Am inno-vativsten waren die Franzosen. Sie konnten mit einem Griff die Schuhe schliessen und das Gelenk blockieren, was beim Wechsel enorm Zeit spart und letztlich über Sieg oder Niederlage entscheidet. » Heute bestehen Rennen meistens aus vier Anstiegen und ebenso vielen Abfahrten, also sieben Übergängen mit den entsprechenden Wechseln. « Wenn die Wettkämpfer bei jeder Etappe zwischen 20 und 30 Sekunden einsparen und das siebenmal pro Wettkampf », so Jeff Cuennet, « ist die Rechnung schnell gemacht. Und dass diese Zahl nicht aus der Luft gegriffen ist, habe ich anlässlich eines kürzlich durchgeführten Trainings des Swiss Teams 1 festgestellt. Dabei kann in einem Rennen eine Differenz von fünf Sekunden bereits entscheidend sein. » Das Gewicht der Schuhe ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Die leichtesten wiegen heute 600 bis 700 g, während gewöhnliche Schuhe aus dem Sportgeschäft zwischen 1,1 und 1,2 kg schwer sind. Man braucht kein Mathematikgenie zu sein, um sich auszurechnen, wie viel Zeit hier gewonnen werden kann.

Stöcke

Seit vor drei Jahren der Telemarkstil und gleichzeitig auch die Hexenbesentechnik aufgegeben wurden, nähert sich das Material der Stöcke immer mehr jenem von Langlaufstöcken. Sie bestehen entweder aus Aluminium oder aus Karbon und haben als Hauptnachteil, dass sie mitunter brechen. Gleichzeitig sind sie ziemlich teuer: Ein Paar kostet zwischen 150 und 200 Franken.

Felle

Weiterentwickelt wurde vor allem die Art der Fellbefestigung. Ein einfaches Elastik hat die Metallhaken ersetzt. « Auch dies ist eine handwerkliche Lösung », kommentiert Cuennet. Die Skialpinisten verwenden zwei Sorten von Fellen: Die eine ist besser im Pulverschnee, während die andere in Nassschnee Vorteile bietet. Vor jedem Rennen werden Tests gemacht. « Die Felle werden warm gewachst, genauso wie der Belag, damit sie gut gleiten. Auch hier: Wenn man pro Schritt fünf Zentimeter gewinnt, hat man nach zwei Stunden Rennen einen deutlichen Vorsprung. »

Rucksack

Er ist heute so konzipiert, dass der Skialpinist ihn nicht mehr ausziehen muss, um die Ski aufzubinden, wenn er mit den Fellen nicht mehr weitergeht. Eine einzige Bewegung genügt. Die Ski werden in eine Tasche gesteckt und mit einem Riemen gesichert.

Bindung

Auch hier wurde Gewicht gespart und an Handlichkeit gewonnen. Während der vordere Teil der Bindung so übernommen wird, wie die Hersteller ihn vertreiben, befriedigt der hintere Teil meist nicht, und die Skialpinisten basteln häufig selber daran herum, bis er ihren Ansprüchen genügt.

Technik

Wie Alpinski sind auch Tourenski heute tailliert. « Sie verändern die Skitechnik. Die Schwungauslösung ist leichter, was vor allem in sehr engen Couloirs praktisch ist. Im Übrigen lassen wir uns von der Carvingtechnik inspirieren. Vorher schlugen wir uns mit eigentlichen Brettern herum !» Ausser bei den Schuhen, wo die Franzosen einen Schritt voraus sind, kann das Swiss Team ausrüstungsmässig mit Frankreich und Italien, den beiden anderen führenden Nationen im Skialpinismus, gleichziehen. Der technische Fortschritt bringt aber auch gewisse Unannehmlichkeiten mit sich. Vor jedem Rennen braucht ein Wettkämpfer Zeit für die umfangreiche und minuziöse Vorbereitung: Kanten schleifen, wachsen, verschiedene Kontrollen, Gleittests und Wahl der Felle. a Gilles Liard, Sâles ( ü ) 1 Das Swiss Team entspricht den Nationalkadern bei den Alpinen und Nordischen.

Der Franzose Toni Sbalbi. Der Rucksack für Skialpinisten ist heute so konzipiert, dass man ihn zum Skiaufbinden nicht mehr ausziehen muss. Immer leichter, immer besser: In den letzten zehn Jahren wurde das Material für Skialpinisten wesentlich weiterentwickelt.

Fotos: Gér ar d Ber thoud

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