Mathis, Peter; Roeper, Malte: Sportklettern in den Alpen

Kompass-Verlag, München 1996. Fr. 62. Noch vor zehn Jahren hätten Sportkletterer wie Alpinisten über die Wortkombination « alpines Sportklettern » verständnislos den Kopf geschüttelt. « Alpin » stand für brüchigen, mit Eis durchsetzten Fels, für Gletscher und atemraubende, dünne Luft. Das Sportklettern hingegen prägten akrobatische Höchstleistungen an sonnigen, extrem überhängenden Wänden. Bohrhaken sollten hier spriessen wie andernorts Alpenrosen. Glücklicherweise kennen die beiden Stilrichtungen heute keine Berührungsängste mehr. Die Wendenstöcke, das Rätikon, die modernen Felsrouten in Chamonix stehen zuoberst auf der Wunschliste des Alpinisten und Sportkletterers. Oder wie es der Textautor von Sportklettern in den Alpen, Malte Roeper, formuliert: « Alpines Sportklettern vereint die besten Aspekte von Bergsteigen und Sportklettern. Es verbindet die Romantik des Lagerfeuers mit dem Komfort einer Einbauküche: Delikatessen auf mittlerer Flamme. » Der Schriftsteller, Werbetexter und mit allen alpinistischen Wassern gewaschene Malte Roeper meisterte die schwierige Aufgabe, lauter Klettergebiete der Superlative so vorzustellen, dass kein Kapitel dem anderen gleicht. Roepers Texte enthalten viel Humor, Wortspielereien und Prosa. Trockenes Kletterlatein verkommt zum Nebensächlichen. Das Dolomitenkapitel beispielsweise beeindruckt durch die historischen Fakten über den dort in den Jahren 1916/17 wütenden, schrecklichen Krieg, und wer wusste schon, dass das Kaisergebirge seinen Namen dem stolzen Kapitän Waldemar Kaiser verdankt? Hintergrundinformationen und frei erfundene Märchen machen das Buch auch für Nichtkletterer lesenswert.

Aber eigentlich ist Sportklettern in den Alpen alles andere als ein Lesebuch. Der aus dem Voralberg stammende Fotograf Peter Mathis trug den Gedanken zu diesem Bildband schon seit 1989 mit sich herum. Was er in der Zwischenzeit an Fotomaterial zusammengetragen hat, garantiert schweissnasse Hände. Mathis'Stil zeichnet sich durch den Verzicht auf Spezialeffekte und damit auch auf den übermässigen Einsatz des Blitzes aus. Er versteht es, den harmonischen Linien der alpinen Felswelt mit einer geschickten Komposition und raffinierten Bildausschnitten gerecht zu werden. Bilder von ausgesetzten Klettereien wechseln mit Aufnahmen von Landschaften, Tieren, Blumen oder Felsstrukturen ab. Selbst beim berüch- tigten Nebel an den Wendenstöcken betätigte er den Auslöser. Die dabei entstandenen Bilder aus der Route « Caminando » demonstrieren, dass der Sportkletterhorizont in den Alpen weit über die 20 Klettergartenmeter reicht. Einzig schade ist die unscharfe Reproduktion einer Handvoll Fotos. Gemäss den Autoren handelt es sich dabei um einen Fehler der Repro-anstalt.

Doch das tut dem rundum gelungenen Werk keinen Abbruch. Das Buch ist Ausdruck einer Klettergeneration und verdient seinen Platz inmitten der Klassiker alpiner Literatur.

Bernard van Dierendonck, Zürich der Schweiz. Auf der rechten Buchseite sind dieselben vier Arten in vorzüglichen, in der Natur aufgenommenen Farbfotos abgebildet. Um einzelne Arten besser zu erfassen, sind sie in zwei Detailfotos, z.B. Blüte und Frucht, dargestellt.

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