Mayr Rudolf Alexander. Das Kriegsloch. Auf den Spuren eines Gletschermythos

Panico-Alpinverlag, D-Köngen, 2000; Vertrieb in der Schweiz über Piz, Buch & Berg, Müllerstr. 25, 8004 Zürich. Fr. 39.80

Das Kriegsloch ist ein mächtiges Loch im Giessengletscher auf der Nordseite der Jungfrau, von dem man erzählt, dass es sich in Kriegszeiten schliesst. Es ist geschichtlich belegt, dass das Kriegsloch während der Spanischen Erbfolgekriege, im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und im Ersten und Zweiten Weltkrieg tatsächlich geschlossen war. Nun hat der Bergsteiger und Autor Rudolf Mayr ein Buch über dieses Naturphänomen geschrieben. Wir waren gespannt, was der Tiroler zum Kriegsloch, das uns seit Jahren fasziniert, zu sagen hat – und legten die beendete Lektüre enttäuscht zur Seite: Auf beinahe 300 Seiten schreibt Mayr sich vieles vom Herzen, das zum Teil wenig bis nichts mit dem Kriegsloch zu tun hat. Er schildert seinen Weg zu und seine Begegnungen mit verschiedenen Menschen – vom Bergführer über Esoteriker hin zu schrägen Wissenschaftlern –, von denen er sich Erklärungen zum Kriegsloch erhoffte. Mayr versucht, Natur- und Geis-teswissenschaft, Esoterik und Handfestes miteinander zu verbinden. Seine Schreibe wirkt geschwätzig, kompliziert, manchmal bemühend. Klare Angaben zu Ergebnissen seiner Recherchen fehlen, so wie dem Buch letztlich ein Einstieg und ein runder Schluss fehlen. Wohl sind einzelne Passagen amüsant, und die zusammengetragenen Informationen zeigen eine überraschende Vielfalt von Ansichten und Perspektiven – aber sie werden überdeckt von den langatmigen, wenig aussagenden Ergüssen, die wir nur mit grösster Mühe schaffen.

Christine Kopp, Unterseen

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