Mit dem richtigen Skifell unterwegs Skihaftfelle getestet

Mit der richtigen Wahl des Skihaftfells kann ein Skitourengeher im Aufstieg viel Kraft sparen und die Abfahrt doppelt geniessen. Doch welches Skihaftfell ist das richtige?

Skitourengeher verlangen von einem Skihaftfell sowohl gute Steigeigenschaften mit viel Reibung als auch gute Gleiteigenschaften mit möglichst wenig Reibungswiderstand. Das SLF testete acht unterschiedliche Felle mit Haaren aus Mohair (2) und Synthetikfasern sowie einem Mix aus Mohair und Synthetikfasern. Damit Steigen überhaupt möglich wird, muss der Fellflor auf einem Träger parallel zur Laufrichtung fixiert werden. Jedes einzelne Haar wird dabei einmal (v-Form ) oder zweimal ( w-Form ) fixiert. Im Labor testete das SLF die Felle auf einem Tribometer, einem Gerät zur Messung von Reibungskräften. Dieses vom SLF angepasste Messgerät bestimmt auf einem mit Eis oder Schnee gefüllten, sich drehenden Ring den Reibungswiderstand von kleinen Fellproben. Mit der Grösse der Fellproben wurden die gleichen Belastungen simuliert, wie sie erwachsene Tourengeher beim Gleiten auf Schnee (3) erreichen. Zudem befand sich das Messgerät in einem Kältelabor, wodurch Schneeeigenschaften und -temperaturen bis zu –20 °C simuliert werden konnten. Zur Überprüfung der Laboruntersuchungen wurden auch im Freien Gleittests bei verschiedenen Schneeeigenschaften und -temperaturen durchgeführt.

 

Die Steigeigenschaften der Felle wurden mit dem Tribometer bestimmt, indem man die Fellproben in der Gegenrichtung auf dem Messarm montierte. Das Ergebnis: Bei tieferen Temperaturen stieg generell der Reibungswiderstand. Es zeigte sich aber, dass Mohair- und Mixfelle bei verschiedenen Temperaturen konstant bessere Steigfähigkeiten besitzen als synthetische Felle. Eine Korrelationsanalyse belegte zudem, dass neben dem Material die Haarlänge der entscheidende Parameter ist: Die Testfelle mit längeren Haaren weisen bessere Steigeigenschaften auf als jene mit kurzen Haaren. Die Rangfolge blieb indes bei –1 °C oder bei –15 °C dieselbe.

 

Bei einer geschickten Kombination der Felleigenschaften könnten Skitourengeher fürs Steigen also aus etlichen Fellen auswählen, ohne bei wechselnden Temperaturen mit grösseren Nachteilen rechnen zu müssen. Komplexer wirds beim Gleiten. Die Messungen zeigten zwar, dass der Reibungswiderstand bei Temperaturen um –1 °C generell geringer ist als bei einer Temperatur von –15 °C. Die einzelnen Werte erbrachten dann aber nicht eine analoge Reihenfolge: Jenes Fell, das bei –1 °C am besten abschnitt, also den kleinsten Reibungskoeffizienten 4 aufwies, belegte bei –15 °C den zweitschlechtesten Platz. Ein Vergleich der Labortests mit standardisierten Feldtests zeigte grundsätzlich eine gute Übereinstimmung.

 

Unter Skitourengehern ist die Meinung weit verbreitet, dass synthetische Felle eher bei wärmeren Schneetemperaturen (<-3 °C ) und Mohairfelle eher bei kalten Schneeverhältnissen (>-8 °C ) geeignet sind. Messungen belegen diese Meinung: Die synthetischen Felle gleiten bei höheren Schneetemperaturen signifikant besser als die Felle der Sorte Mix und Mohair. Im Gegensatz dazu gleiten sowohl die Mix- als auch die Mohairfelle bei tiefen Schneetemperaturen deutlich besser als die synthetischen Felle.

Natürlich ist das Gleitverhalten nicht nur vom Material abhängig. Weitere ebenso wichtige Parameter sind die Haarqualität, die Haarlänge, der Haarwinkel auf der Unterlage, die Rauheit und die Härte der Oberfläche. So wirken sich kurze Haare sowie eine feine Oberfläche positiv auf den Gleitprozess aus. Felle mit einer rauen Oberfläche weisen insbesondere bei pulvrigem Schnee schlechte Gleiteigenschaften auf. Aber nicht nur die Schneetemperatur, sondern auch die Schneehärte bzw. Kornform und Korngrösse sind weitere entscheidende Faktoren: Gleittests zeigten für eines der Felle bei kaltem, pulvrigem Schnee nur beschränkte, bei kaltem, kompaktem Schnee aber sehr gute Gleiteigenschaften.

 

Von einem sehr guten Skihaftfell werden möglichst viel Reibung beim Steigen und möglichst wenig Reibungswiderstand beim Gleiten verlangt. Damit ein Fell dies erreicht, sind wie oben beschrieben verschiedene Parameter wie Haarlänge und -typ sowie Verarbeitung massgebend. Das Steig- und Gleitverhalten wird zudem von den unterschiedlichen Schneeverhältnissen wie Schneetemperatur, Schneehärte sowie Kornform und -grösse beeinflusst. Auch wenn es das ideale Skihaftfell für jede Situation nicht gibt: Werden Nutzungsbereiche definiert, könnten diese zur Produktwahl beigezogen werden.

 

Resultate der Messungen im Tribometer bei –1 °C: Fell acht aus synthetischen Fasern schneidet am besten ab, Fell Nummer zwei aus Mohairwolle am schlechtesten.

Gleitwiderstand bei –1 °C Gleitwiderstand bei –15 °C: Reibungskoeffizient der Ski-haftfelle in Steigrichtung: Je höher der Koeffizient, desto mehr Reibung hat ein Fell. Bei tiefen Temperaturen stieg die Reibung, jedoch blieb die Rangfolge der Felle bei –1 °C oder bei –15 °C dieselbe.

Steigwiderstand bei –1 °C und –15 °C: Ganz andere Resultate brachten die Messungen bei –15 °C: Die Mohairfelle weisen deutlich tiefere Reibungswiderstände auf als synthetische Felle.

Grafiken: Mirco Auer, SLF Davos

1 Die Untersuchungen erfolgten im Auftrag der Firma Tödi Sport AG.

2 Als Mohair werden die Haare der Mohairziege bezeichnet. Diese Naturfaser ist die spezifisch leichteste Textilfaser.

3 Dabei wird angenommen, dass ein Skitouren- geher etwa 80 kg wiegt. Geht man davon aus, dass ein Ski mit dem halben Körpergewicht belastet wird, ist die mittlere Belastung bei einer Fellauflage von 170 cm bei einer Breite von durchschnittlich 8 cm etwa 30 g/cm 2.

4 Multipliziert man nun den Reibungskoeffizienten mit der Normalkraft ( hier: halbes Körpergewicht ), erhält man die effektive Reibungskraft, die beim Laufen mit Skihaftfellen auf einer horizontalen Fläche aufgewendet werden muss. Beispiel Fell 8: 0,11 3 ca. 400 N = ca. 44 N. Man müsste also mit einer « Zugkraft » von etwa 4,4 kg ziehen, um den Ski gleiten zu lassen. Bei Fell 2 sind es schon knapp 7 kg, mit denen man ziehen muss.

Feedback