Mit einem französischen Jugendteam in Patagonien

Der Französische Staat unterstützt auch Aktivitäten junger Alpinisten Der klassische Alpinismus hat sich in erster Linie den ihm eigenen Idealen und dem Abenteuer verschrieben. Im letzten Jahrzehnt sind diese Werte durch eine zunehmende publizistische Vermarktung von Erfolgen, dann aber auch wegen des Aufkommens des Sport- und We tt kämpf-kletterns etwas in Vergessenheit geraten. Die moderne Entwicklung hat das Bild des klassischen Alpinismus in dem Sinne verändert, dass heute vor allem die Leistung und der sportliche Aspekt des Bergsteigens im Vordergrund stehen.

In Frankreich versucht man nun, dem klassischen Alpinismus mit einem Programm, mit dem junge Spitzenalpinisten ausgebildet werden sollen, wieder Aufwind zu verleihen.

Die Strukturen des Sports in Frankreich In Frankreich besitzt jede Sportdisziplin ihren eigenen Verband. Alle Verbände stehen unter der Ägide des nationalen Ministeriums für Jugend und Sport. Die amtliche Aufsichtsbehörde vergibt ausreichend finanzierte Aufträge an die Verbände. Doch seit einigen Jahren fand sich für entsprechende Aufträge in der Sparte Alpinismus bei der Fédération française de la montagne et de l' escalade ( FFME ) kein Ansprechpartner mehr. Im Rahmen des klassischen Alpinismus gibt es eben weder Wettkämpfe, noch lassen sich hier im allgemeinen besondere Lorbeeren holen.

Es wäre aber schade gewesen, wenn die für diese Sparte der FFME zur Verfügung stehenden öffentlichen Gelder nicht genutzt worden wären. So wurde schliesslich vor wenigen Jahren eine auf drei Jahre verteilte, « Haut niveau jeunes alpinistes » genannte Ausbildung ( Ausbildungskurs für junge Elitealpinisten ) geschaffen. Dabei stützte man sich auf die ENSA, die Ecole nationale de ski et d' alpinisme in Chamonix, die auch für die Bergführer-Ausbildung zuständig ist.

Bei unserem ersten Basislager im steinigen Reich Patagoniens -Séracs brechen ab; ein grossartiger Anblick Die Ausbildung « Haut niveau jeunes alpinistes » Am Anfang der Ausbildung steht ein strenges Auswahlprozedere, das u.a. lange Märsche mit Lasten, die Überwindung von überhängenden Eiswänden sowie ein On-sight-Klet-terniveau von 7b voraussetzt. Junge mit grossem Potential und nach der Vorgabe « 18 Jahre alt - Kletterniveau 8a on sight » werden den alten Routiniers - « 25 Jahre alt, 200 schwierige Routen im Tourenbuch » - vorgezogen. Die Teilnehmerzahl an diesem unbarmherzigen Ausscheid ungswett- Die logische Linie bewerb hat sich in den letzten Jahren verzwanzigfacht.

Hält man sich das gebotene Programm vor Augen, dann versteht man dies auch: je zwei Wochen Som-mer- und Winteralpinismus, Eisfallklettern, Kletterkurse an künstlichen Wänden, Organisation und Vorbereiten einer aussereuropäischen Expedition auf einen Gipfel mittlerer Höhe, der sehr grosse Schwierigkeiten bietet. Die Kurse, die in die Bergführer-Ausbildung münden, werden geleitet Der Gipfel am Ende der geraden Linie In einer Departementsmannschaft ist das technische Niveau natürlich tiefer als auf nationaler Ebene. Unser erklärtes Ziel war, den Geist der Seilschaft wieder aufleben zu lassen, ehrgeizige Projekte zusammen anzugehen und gemeinsam unserer Leidenschaft zu frönen.

Wenige Wochen später sind wir zu fünft: Gaël, Manu, Jérôme, Phil und Benoît. Zusammen durchsteigen wir grossartige Routen wie die Nordwand der Droites, den Bonatti-Pfeiler an den Drus im Winter, den Brouillard-Pfeiler am Montblanc und eröffnen eine neue Route in der Südwand der Aiguille du Fou.

So trainieren wir zwei Saisons lang zusammen, motivieren uns gegenseitig und klettern gemeinsam, unterstützt von unserem Klub, der die Reise-, Übernachtungs- und Materialkosten übernimmt. Unser Ziel ist erreicht, als Manu und Gael in die Gruppe « Jeunes alpinistes au niveau national » ( eine Art Nationalmannschaft junger Elitealpinisten ) aufgenommen werden. Nun müssen wir bereits an die zweite Generation unseres Teams denken - doch bevor wir « Alten » uns zurückziehen, wollen wir noch einmal richtig zuschlagen.

Projekt Patagonien Wir stecken unsere Ziele immer höher. Schliesslich betreten wir entschlossen das Büro des Präsidenten des Departementsausschusses und künden ihm unser Projekt, unseren Traum an: « Wir werden nach Patagonien reisen !» Angesichts dieser Machtdemonstration gibt der Angesprochene klein bei; doch der Ausschuss will zuerst nur für die administrativen Kosten aufkommen. Nach langen Gesprächen bewilligt man uns von den besten Alpinisten der Gegenwart. Eine bessere Ausbildung kann man sich kaum vorstellen. Doch ausgerechnet mein Freund Philippe und ich wollten eine Verbesserung einbringen.

Verbreiterung der Basis der Pyramide In der Tat, wir zwei - in erster Linie Savoyarden, dann Franzosen - hatten etwas einzuwenden: Wir fanden, dass das Fundament der Pyramide vergrössert werden sollte, indem man den Jungen ermöglichte, unterstützt von ihrem lokalen Klub ins Gebirge zu gehen. Der Präsident des Departementsausschusses von Savoyen nahm Kenntnis davon: Philippe und ich waren eben erst aus der « nationalen Auswahl junger Alpinisten » hervorgekommen und wollten eine Departementsmannschaft, die als Sprungbrett für die Nationalmannschaft dienen sollte, gründen.

Benoît denkt nach - er wartet auf gutes Wetter.

Q.

Benoil Robert aber schliesslich eine Unterstützungs-summe von 30000 französischen Francs.

Nun müssen wir nur noch ein Ziel finden: Das Patagonien-Buch von Gino und Silvia Buscaini Metzeltin wird unter die Lupe genommen, bis es in Fetzen zerfällt, und die Videokassette über den Cerro Torre schauen wir uns so oft an, bis das Abspielgerät beinahe den Geist aufgibt! Und plötzlich erhebt sich die Wand vor unserem inneren Auge: eine 700 Meter hohe Südwand von jungfräulicher Unberührtheit, eine Kathedrale, die auf 2680 m gipfelt -die Aguja Saint-Exupéry, einer der Satelliten des Fitz Roy. Gerade 1994 ist es fünfzig Jahre her, seit Antoine de Saint-Exupéry verschollen ist. Unsere Sponsoren brechen angesichts unserer Idee nicht gerade in Begeisterungsstürme aus. Dennoch können wir unsere Budgetprobleme innerhalb von drei Monaten lösen, und am 7. Dezember fliegen wir, die Mitglieder der Patagonien-Expedition 1995 -Philippe Batoux, Gaël Bouque des Chaux, Emmanuel Pélissier, Jérôme Arpin und Benoît Robert-, nach Argentinien ab.

Ein richtiger Start ist wichtiger als ein schneller Start!

Endlich fängt das Abenteuer an -und zwar schlecht. Es beginnt in Chalten, wo wir campen. Wir sind so motiviert, dass wir nicht den normalerweise gebräuchlichen Weg nehmen, sondern direkt zum Wandfuss marschieren wollen. Diese Idee erweist sich als völlig verfehlt: Die Ebene ist sumpfig! Dann, im Basislager, fliegt ein Zelt beinahe davon. Wir ziehen uns ins im Wald gelegene Rio-Blanco-Basislager zurück. Draussen regnet es, und der Wind bläst mit Sturmstärke.

Jugend-Infos,Berichte,Aktivitäten beglückt hat: « Schau, dort oben, ein Kondor !» « Aber nein, das ist doch Manu !» Gael dagegen klettert trotz des schlechten Wetters frei. Ihm verdanken wir die einzige frei gekletterte Seillänge, eine grossartige 35-m-Verschneidung im Grad 6b+, die sich nach jedem Sturm in eine furchtbare Eisrinne verwandelt.

Die Route « Le Petit Prince » ist eröffnet Das schlechte Wetter krallt sich über Patagonien fest. Werden wir unsere Route rechtzeitig beenden können? Am 1O. Januar 1994 steigen wir schliesslich alle an den Fixseilen auf. Der Riss, ein Schneehang, ein kurzer Abschnitt kombiniertes Gelände, und « Le Petit Prince » ( nach dem gleichnamigen Buch Der Kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry ) ist hinter uns. Doch der Wind wird stärker, Schneewolken ziehen über uns durch. Wir müssen - ohne Zeit zu verlieren-fliehen. Unsere Schneehöhle erreichen wir völlig erschöpft beim Einbruch der Nacht nach fast fünfzig Stunden Kletterei ohne Schlaf. Aber wir sind glücklich. Morgen werden wir uns mit Süssigkeiten und anderen Leckerbissen vollstopfen!

Und dann werden wir in das paradiesische Chalten zurückkehren - die Sommerferien haben begonnen, und das Dorf ist von wunderschönen Figuren bevölkert!

Benoit Robert, F-Barberaz ( ü ) 4 Die erste Etappe besteht darin, eine Schneehöhle zu graben, die sechs Personen aufnehmen kann. Unser Freund « Dod » ( Lionel Daudet ) hat nämlich beschlossen, sich mit uns zusammenzutun. Dann beginnen die Strapazen des Lastentragens. Der Gletscher ist abweisend, die Spalten sind trügerisch. Doch die Südwand « unserer » Nadel schwingt sich majestätisch vor uns in den Himmel.

In der Wand Der Bergschrund ist weit offen, der Schnee faul, eine erste Rinne endet in heiklem kombiniertem Gelände. Während fast eines Monats löst sich unser in zwei Gruppen unterteiltes Team in der Wand ab. Wir spielen Verstecken mit den Stürmen, die uns oft dazu zwingen, bei katastrophalen Verhältnissen nach unten zu fliehen, um dann bei Sternenhimmel wieder aufzusteigen - und etwas später im Schneegestöber erneut abzusteigen!

Wir brauchen neun effektive Klettertage, die auf zwanzig Tage verteilt sind, um die ersten neun Seillängen zu eröffnen. Der Wind, der Schnee und das Eis, das die Risse überzieht, zwingen uns zu heikler und oft mühsamer künstlicher Kletterei. Doch die Linie der Route ist wundervoll: Sie folgt einem feinen Riss, der die Wand in ihrem Zentrum durchzieht und sich gegen oben öffnet. Manu genehmigt sich die schwierigste Seillänge. Er bricht um sieben Uhr morgens vom Stand auf und beendet die Länge um fünf Uhr nachmittags, nachdem er uns mit einigen schönen Stürzen Unsere Schneehöhle schmilzt, es ist Zeit aufzubrechen!

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