Montblanc. Die Eroberung durch die Fotografie. Sylvaine de Decker Heftler/Werner Spies

DuMont Verlag, Köln 2003. Fr. 86.–

Es schickte Lawinen zu Tal und wurde als Mont Maudit verflucht, doch nach der Erstbesteigung 1786 wandelte sich das Biest zum « Mont Blanc », dem « Weissen Berg », mit 4810 Meter höchstes Ziel Europas. Dort tauchten bald auch so genannte Lichtbildner auf, die Grosses schufen. Unter ihnen zwei Brüder namens Bisson, Adolphe Braun, Etienne Neurdein, Charles Soulier oder Joseph Tairraz. Ihre Fotos sind rar. Die Kollektion von Sophie und Jérôme Seydoux enthält beste Stücke, davon publiziert jetzt DuMont 58.

Was man gestaltet, verliert seinen Schrecken. Solche Erkenntnis mag über der Arbeit jener Kunsthandwerker stehen, deren menschliche Tragtiere «... eine ganze Schiffsladung empfindlicher Apparate, Flaschen und Wannen » ( Ernest Lacan 1859 ) bergwärts buckelten, dazu « Staffeleien, Stative, Strickleitern, das Zelt... » ( Edmond de Catelin 1861 ). Acht Jahre später gelangen dann sensationelle Gipfelbilder, um « den definitiv besiegten, entzauberten Berg vorzuführen », schreibt der Essayist Werner Spies. Dennoch, die Abbildungen zeigen noch keine oft bis zum Exzess vergewaltigte Natur. Menschliches Mass und Respekt, ja sogar etwas wie Ehrfurcht angesichts des monumentalen alpinen Schauspiels rundum werden sichtbar beim Blättern in diesem schönen Band. Théophile Gautier, Lyriker und Romanautor, schrieb vor gut 140 Jahren im Zusammenhang mit dem Montblanc, er habe dort « die wahre Physiognomie unseres Planeten » gefunden. Und weiter « Welche Einsamkeit, welche Stille, welche Wüstenei !» Das ist der Kern eines Buches, dessen Sog man sich nur schwer entziehen kann.

Eberhard Neubronner, Ulm ( D ) « Nimm nichts mit als deine Eindrücke !» JO Bachtel auf dem Chilchalphorn/GR Fo to :A rc hi v Angel a Bru de re r

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