Mythos Alpen. Die Welt von gestern in Farbe

Christian Brandstätter Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-85033-321-4, Fr. 49.90

Wir kennen die Alpenwelt um Ende des 19. Jahrhunderts hauptsächlich in Schwarz-Weiss. Schon kurz nach der Erfindung der Schwarz-Weiss-Fotografie trugen aber Aquarellisten farbige Lasuren in mehreren Schichten auf Papierbilder oder Dias auf, dadurch erhielten die Bilder einen eigentümlichen und lebendigen Effekt. Nach fast einem Jahrhundert tauchte im österreichischen Volkshochschularchiv eine einzigartige, aus den Beständen der Wiener Urania ( damaliger Verein für wissenschaftliche Volksbildung ) stammende Sammlung auf. Bei den 60000 handkolorierten Glasdiapositiven aus den Jahren 1900 bis 1920 war klar, dass es sich um einen Fundus allererster Güte handelt. Die dokumentarisch wertvollen Unikate dienten zuerst Lichtbildervorträgen und überdauerten zwei Weltkriege und den Einzug des digitalen Zeitalters in schlichten Holzkistchen. In diesem prächtigen Bildband haben die Herausgeber 250 bislang unveröffentlichte Abbildungen aus dem Alpenraum zusammengetragen. Die Fotografien sind Zeugen einer Welt von gestern, einer farbigen Welt, wie wir sie bisher wohl noch kaum gesehen haben. Das Werk gewährt einen umfangreichen Einblick in die Hochgebirgslandschaft von anno dazumal, als die Gletscherzungen noch mächtig waren. Unerschrockene Bergpioniere mit überlangen Pickeln überwinden Eismeere, wagemutige Alpinistinnen, das Seil um den Bauch, erklimmen Steilwände, aber auch Wanderer in Knickerbockern und grünen Socken werden gezeigt. Dieser aussergewöhnliche Bilderschatz erweckt eine längst versunkene Welt in authentischen Farben wieder zum Leben und ist nicht nur eine Fundgrube für Historikerinnen und Nostal-giker, sondern nimmt alle Bergliebhaber mit auf eine faszinierende Reise in alte Zeiten. Dass die Fotografien der österreichisch-italienischen Alpen etwas übervertreten sind, verzeihen wir unseren Kollegen gerne.

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