Nepal vor einem Neuanfang. Politik und Bergtourismus

Politik und Bergtourismus

Nepal vor einem Neuanfang

Aus den Wahlen für die verfassung-gebende Versammlung von Nepal sind im April die Maoisten als klare Sieger hervorgegangen. Diese politische Wende enthält die Chance für einen Neuanfang, von dem auch der Bergtourismus profitieren könnte. Trotzdem gibt es noch viele alte Probleme zu lösen.

Am 1O. April 2008 hat Nepal die verfas-sunggebende Versammlung gewählt. Der Urnengang ist in einem Klima der Ruhe und der politischen Reife durchgeführt worden. Eher überrascht hat der Aus- Von Glückwunschgirlanden fast erdrückt: Pushpa Kamal Dahal, kurz Prachanda, hatte 1996 die Maoisten in den Untergrund geführt und sie jetzt wieder ins politische System integriert. Er und seine Partei sind die grossen Sieger der Wahlen im April.

Fotos: Sailendr a Khar el Schon bei den Wahlveranstaltun-gen zeigte sich deutlich: Die Maoisten vermochten am meisten Stimmen zu mobilisieren. Die Wahlvorbereitungen in Nepal verliefen ebenso wie die Wahlen selbst relativ ruhig.

Unbändige Freude über den Sieg der Maoisten in Kathmandu Die Energiekrise trifft besonders die Städte hart: Wer kann, füllt Kanister um Kanister, denn die nächste Lieferung ist ungewiss. Kathmandu, die Hauptstadt und das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Man hofft, dass die neue Verfassung auf föderalen Prinzipien aufgebaut werde.

Foto: Bernhar d Rudolf Banzhaf Foto: Sailendr a Khar el gang der Wahlen. Aus diesen sind die Maoisten als grosse Sieger hervorgegangen. Die einstmals ungeliebten Protagonisten einer lange als « terroristische Bewegung » eingestuften Partei sind nun die Herren im Land, das von 2001 bis 2006 von einem sogenannten Volkskrieg zwischen der Regierungsarmee und den Maoisten erschüttert wurde ( vgl. ALPEN 3/07 ). Die Royalisten und Demokraten hatten den Argumenten der Maoisten offenbar nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Zudem tragen die Königstreuen und die Parteienregierung des Nepali-Congress die Verantwortung für eine Zeit der Stagnation, der Ungerechtigkeit und der Korruption, die in eine zunehmende Kluft zwischen einer reichen Oberschicht und einer verarmten Landbevölkerung mündete. Entsprechend gross sind auch die Aufgaben, mit denen sich die Maoisten konfrontiert sehen. Sie werden als Erstes eine neue Regierung bilden, und die gewählte Konstituante wird in den nächsten zwei Jahren dem Land eine neue Verfassung präsentieren. Sie besiegelte am 28. Mai 2008 auch die endgültige Ablösung von der Monarchie. Bereits Ende Dezember letzten Jahres hatte das nepalesische Parlament für die Abschaffung der seit Jahrhunderten bestehenden Monarchie gestimmt. Von der neuen Verfassung erhoffen sich die ethnischen Minderheiten eine bessere Einbindung in die Politik und Verwaltung des Landes.

Unruhiger Süden und Versorgungsengpass

Eine bessere Integration ist vor allem im Süden des Landes nötig. Hier befindet sich der Terai, welcher gut ein Drittel der Fläche des Landes ausmacht und die Kornkammer Nepals ist. Im fruchtbaren Tiefland, der Fortsetzung der Gangesebene auf nepalesischem Gebiet, lebt rund die Hälfte der 25 Mio. Einwohner des Landes. Seit einigen Monaten manifestieren sich dort sezessionistische Gruppen, die sogenannten « Madheshi ». Die Madheshi, klug geworden durch die Erfolge der Maobadi, der gewalttätigen Guerilla-Bewegung der Maoisten, lehnen sich gegen die Zentralgewalt in Kathmandu auf, fordern mehr Rechte und Unabhängigkeit und drohen mit einer Abspaltung. Die alte Regierung, durch Partikularinteressen bisher eher gespalten und eher lavierend statt zielgerichtet agierend, konnte das Problem nicht lösen. Neben diesem Minderheitenproblem müssen sich die Maoisten damit befassen, dass Nepal unter zwei gravierenden Versorgungsproblemen leidet. Die Zufuhr von Rohölprodukten aus Indien ist stark eingeschränkt. Zudem sind die Preise für die Grundnahrungsmittel um 40 Prozent gestiegen, was für die arme Stadtbevölkerung Folgen hat.

Bergtourismus normalisiert sich wieder

Dagegen dürfte sich die Situation bei der wichtigen Devisenquelle des Trekking- und Expeditionstourismus weiter nor-malisieren. Während des Volkskrieges zwischen 2001 und 2006 schrumpfte Auf die ruhigen Wahlen folgten rasch turbulente Zeiten: Nepal erlebt seit Ende April eine Energie-krise, immer wieder kommt es zu Streiks und heftigen Protesten.

diese Branche stark aufgrund der berechtigten Verunsicherung der Touristen. In den letzten Jahren sind sie aber wieder vermehrt zurückgekommen. Seit der Beendigung der Kämpfe aktivierten die Verantwortlichen jedoch stillgelegte Strassenbauprojekte wieder. Diese Strassen erschliessen relativ zügig einige der ehemals klassischen Trekkinggebiete. Da gewisse geplante Strassen dieselbe Linienführung aufweisen wie die Weitwanderwege oder nahe an diesen liegen, wird in Zukunft der Wanderer um einige klassische Routen beraubt. Als Beispiel lässt sich hier die berühmte An-napurna-Route nennen: Sowohl im Marsyangdi-Tal wie auch im Kali Gandaki werden derzeit Strassen gebaut. Die Expeditionen haben unter der Maoistenkrise nicht so sehr gelitten, da sich ihr Aktionsraum klar oberhalb der Siedlungsgrenze befindet. Die Höhenbergsteiger liessen sich von den politischen Imponderabilien auch weniger einschüchtern. Zwar hat sich die Regierung Nepals mit ihrem exorbitanten Gebührenkonzept selbst geschadet, aber der Zuspruch bleibt einigermassen ungebrochen. Anfang Mai gab nun die nepalesische Regierung bekannt, dass sie die Gebühren für Expeditionen ausserhalb der Hauptsaison ( März bis Mai ) um 50 Prozent im Herbst und um 75 Prozent im Sommer sowie Winter senken werde. Eine kurze Einschränkung gab es für den höchsten Berg: So erliessen die Behörden ein Besteigungsverbot des Everest vom 1. bis 1O. Mai aufgrund des olympischen Fackellaufes auf der tibetischen Seite des Everest. Ende April nahmen die Nepali einen amerikanischen Bergsteiger fest, der am Mount Everest mit einer « Free Tibet»-Flagge unterwegs war. Gegen den Mann verhängten die Behörden eine zweijährige Sperre für alle bergsteigerischen Aktivitäten in Nepal. Trotz diesen Vorkommnissen kann man aber davon ausgehen, dass generell die Situation für die Bergsteiger einfacher wird. Zu hoffen bleibt, dass dies auch für die nepalesische Bevölkerung gilt und das Land den von der Weltbank verhängten Status « arm und rückständig » überwinden kann. Selten waren die Voraussetzungen dafür besser als jetzt. a Bernhard Rudolf Banzhaf, Saas-Fee Im Kali-Gandaki-Tal, das tief eingeschnitten zwischen Annapurna I und Dhaulagiri I von Norden nach Süden zieht. Nach der politischen Beruhigung wiederaufgenommene Strassenbaupro-jekte könnten diese Trekkingregion bald ihrer Romantik berauben.

Trekker unter dem Thorong La ( Anna-purna-Gebiet ): Im Jahr 2007 hat das Trekken in Nepal nach jahrelangen Unruhen einen neuen Aufschwung erlebt.

Fotos: Christine Kopp

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