Neue Bücher zur Geschichte des Alpinismus

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In jüngster Zeit sind - voneinander unabhängig - mehrere Bücher herausgekommen, die aus unterschiedlichem Blickwinkel die Geschichte des Alpinismus aufarbeiten. Insgesamt werden nachstehend zu diesem Thema zehn Bücher vorgestellt, die aus dem englischen, dem französischen, dem italienischen und dem deutschen Sprachbereich kommen.

Bonington, Chris: Triumph in Fels und Eis. Die Geschichte des Alpinismus Pietsch-Verlag, München 1995. Fr. 58. Chris Bonington, erfolgreicher Extremalpinist, hat 1992 eine Geschichte des Alpinismus veröffentlicht, die nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Triumph in Fels und Eis umfasst die Zeit von der Erstbesteigung des Montblanc ( 4807 m ) im Jahre 1786 ( manchmal als Geburtsdatum des Alpinismus bezeichnet ) bis heute; Bonington erzählt flüssig, beleuchtet verschiedene Aspekte des Bergsteigens vom Felsklettern in Grossbritannien bis zum Höhenbergsteigen im eisigen Himalaya. Allerdings vermag das Buch nicht voll zu überzeugen. Überspitzt formuliert, schrieb der Autor eine Geschichte des britischen Alpinismus, die freilich sehr wohl teilweise mit der allgemeinen Geschichte identisch ist. Aber es fehlt zum Beispiel die Darstellung des Kletterns in der ersten Hälfte des 2O. Jahrhunderts in den Ostalpen, insbesondere im Wilden Kaiser und in den Dolomiten. Das Big Wall Climbing in den USA wird nur am Rande erwähnt, Kaukasus und Anden werden kaum berücksichtigt, die Namen der Bergführer nicht immer hingeschrieben. Dazu vergällt eine zu kriegerische Sprache das Lesevergnügen: Da wird belagert und erkämpft, da schiesst man sich auf einen Berg ein, der zuletzt unter dem Spiel um Gipfel und Routen, Höhen und Schwierigkeiten geändert hat; darin spielt auch der Schweizer Himalayabergsteiger Erhard Loretan eine wichtige Rolle.

Fortis, Marco: Dal Monte Leone al Basodino. Storia alpinistica delle Alpi Lepontine Edizioni Grossi, Domodossola 1994. Lire 39 000 Bei den ( möglichst ) umfassend angelegten Geschichtsbüchern wird die faszinierende Lokalgeschichte häufig übergangen; diese Tatsache gilt auch im Bergsport. Um so verdienstvoller ist dann, was beispielsweise Marco Fortis für die Lepontinischen Alpen, die italienisch-schweizerischen Berge zwischen Simplon und Nufenenpass, erarbeitet hat. Im Buch Dal Monte Leone al Basodino lässt er berühmte und unbekannte Alpinisten und Gipfel mit vielen Fotos aufleben.

Labande, François: Guide du Haut-Dauphiné Massif des Écrins, tome 1, partie nord ( mit Meije ). Éditions de Belledonne, Grenoble 1995. FF 175. Daten alpiner Taten finden sich - leider nicht immer - versteckt in Führern. Vorbidlich in dieser Hinsicht ist der neue, auf vier Bände geplante Guide du Haut-Dauphiné. Autor François Labande beschreibt in Band 1 nicht nur alle bekannten Routen an der Meije ( 3982 m ), einem der schönsten und schwierigsten Berge der Alpen, sondern listet auch alle Erstbegeher inklusive bibliografischen Angaben auf.

Walkner, Martin: Der junge Eugen Guido Lammer Selbstverlag, 1995. ca Fr.4O.1 Einer der grossen Alpinisten, der sowohl durch seine Besteigungen als auch durch die von ihm darüber verfassten Schriften aufgefallen ist, heisst Eugen Guido Lammer. Sein 1922 publizierter Jungborn war während Jahren das Kultbuch deutscher Kletterer. Nun hat Martin Walkner die Biographie des jungen Lammer geschrieben, die den bemerkenswerten Untertitel trägt: « Zur Entstehung des modernen Alpinismus im Wien des Fin de Siècle. » ;'Zu beziehen beim Autor; Slavi-Soucek-Str. 34/32, A-5026 Salzburg Tenderini, Mirella: Gary Hemming. The Beatnik of the Alps The Ernest Press, Gwynedd ( Wales ) 1995. £11.95 Kultfigur der sechziger Jahre war Gary Hemming ( 1934-69 ), der kalifornische Kletterer, der sich in Chamonix niedergelassen hatte. Seine Routen in der Südwand der Aiguille du Fou ( zusammen mit John Harlin und anderen ) und in der Westwand der Petit Dru machten ihn bekannt. Dank der Medien wurde er nach seiner Mithilfe bei einer dramatischen Rettung an eben diesem Berg zum Helden, und sein Selbstmord in den Rocky Mountains rückte ihn für einige in die Nähe der schon fast mythischen Persönlichkeiten von James Dean und Marilyn Monroe.

Die Italienerin Mirella Tenderini spürte dem kletternden Hippie nach und verfasste ein faszinierendes Porträt seines Lebens, das zugleich Zeugnis einer Epoche ist. Nach der französischen und spanischen liegt nun die englische Übersetzung vor - wann zieht ein deutscher Verleger nach?

Lauterwasser, Erwin: Faszination Skilauf. Vor hundert Jahren fing es an Edition Braus, Heidelberg 1995. Fr. 49.80 1895 taten sich am Feldberg im Schwarzwald ein paar Männer zu einem Verein zusammen. Nun ist das Jubiläumsbuch erschienen, das 100 Jahre Skiverband Schwarzwald feiert, aber auch 90 Jahre Deutscher Skiverband DSV, 35 Jahre Freunde des Skisportes, 20 Jahre Stiftung Sicherheit im Skisport und 10 Jahre DSV-Umweltbeirat. Die Namen und ihre zeitliche Abfolge sagen einiges aus über das Skifahren: vom ungetrübten Vergnügen über konsumorientierte Ausrüstungsaspekte bis zu ökologischen Problemen. Das Buch bietet keine umfassende Geschichte dieses Wintersportes, zeigt jedoch die « Faszination Skilauf » vor allem auch dank der alten Duotone-Abbildungen gut auf.

Pils, Manfred: « Berg frei !» 100 Jahre Naturfreunde.. " " .Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1994. Fr. 37.20 Ebenso interessant wie die bergsteigerische Geschichte eines Gebirgsmassivs ist diejenige eines alpinen Ver- eins. Manfred Pils hat sie für die Österreichischen Naturfreunde verfasst, deren Verein 1895 gegründet worden ist, um auch den Arbeitern Ausflüge ins Gebirge zu ermöglichen. Allein schon die Tatsache, dass damit neuen sozialen Schichten die Welt des Alpinismus eröffnet und ihnen damit ( wenigstens ) der Weg zum Aufstieg in Fels und Firn gezeigt wurde, verleiht dem Jahr 1895 eine besondere Bedeutung. Aber auch im Himalayabergsteigen markiert dieses Jahr einen wichtigen Abschnitt.

Unworth, Walt: Enciclopedia dell'alpinismo. Montagne, Prota-goniste, Tecniche e Materiali; mit Glossario quadrilingue Zanichelli Editori, Bologna 1995. Lire 58000

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