Orte guten Lebens

Die Alpen jenseits von Übernutzung und Idyll. Rotpunktverlag, Zürich 2009, ISBN 978-3-85869-392-1, 305 Seiten. Fr. 38.–

Eine Folge des Klimawandels ist auch, dass nach neuen Formen des Wirtschaftens gesucht wird. Als beispielhaft erwähnten in letzter Zeit einige Wissenschaftler die traditionelle Alpbewirtschaftung im Allmendsystem. Den Vorbildcharakter bei der landwirtschaftlichen Nutzung des Alpenraumes schon lange erkannt hat Werner Bätzing. Sein neues Buch « Orte guten Lebens », das mehrere Aufsätze des Kulturgeografen umfasst, die seit 1978 erschienen sind, zeigt einerseits, wie es früher gelang, ein Gleichgewicht zwischen Nutzung und Erhaltung in den Alpen zu finden. Andererseits führt es vor Augen, wie dieses Gleichgewicht in der Zwischenzeit zum grossen Teil verloren ging. Das hängt damit zusammen, dass wir die Alpen zunehmend nicht mehr als Kulturraum begreifen, sondern ihnen vermehrt nur noch die Funktion als Freizeitraum zubilligen. Durch diese Vernachlässigung wird das Gebiet als Ganzes gefährdet, indem beispielsweise die Vergandung zu mehr Murgängen und Lawinen führt. Bätzing ist sich bewusst, dass ein Zurück zu Besiedlungsformen des Mittelalters nicht möglich ist. Er hofft aber, dass die Probleme, die alle Alpenbewohner verbinden, diese dazu veranlassen, vermehrt nach Alternativen zur momentanen Nutzung ihres Gebiets zu suchen. Wer die Arbeiten von Bätzing nicht bereits kennt und wen die Alpen über den Bergsport hinaus interessieren, dem empfiehlt sich die Lektüre des Buches.

Feedback