Panorama der alpinen Fauna: der Steinbock

Der Naturforscher Eric Dragesco1, ein begabter Fotograf und Tier-zeichner, beginnt mit diesem Artikel eine Serie über die alpine Fauna, die zum Glück noch recht reich ist und zahlreiche Arten umfasst. Die interessantesten gehören zu den Säugetieren und den Vögeln. Wir beginnen mit einem der eindrucksvollsten Tiere, dem im letzten Jahrhundert von der Ausrottung bedrohten, aber glücklich geretteten Steinbock.

Wie der Königsadler ist auch der Steinbock ( Capra ibex ) ein Symboltier der Alpenwelt. Er ist ein kräftiges, starkes Tier und gehört zur selben Familie wie die Hausziege. Ein ausgewachsener Bock wiegt zwischen 80 und mehr als 100 kg; seine Hörner sind lang ( mehr als 90 cm bei alten Böcken ), massiv und mit Wülsten an der Vorderseite. Weibliche Tiere - die Geissen - wiegen etwa halb soviel wie die männlichen, ihr Fell ist heller, die Hörner sind fein und kurz ( 20 bis 25 cm ) und haben keine Wulste. Der Huf des Steinbocks ist durch seine elastische Sohle, die eine gute Haftung gibt, ausgezeichnet dem Leben im Fels angepasst. Wird das Tier erschreckt oder ist es aufgeregt, so stösst es einen kurzen Pfeifton aus, den es durch schnelles Ausatmen durch die Nasenlöcher hervorbringt.

Der Lebensraum Im gesamten Alpenbogen leben zahlreiche gut gedeihende Steinbock-Kolonien, aber man darf nicht vergessen, dass diese herrliche Tierart vor 150 Jahren vom Aussterben bedroht war. Sie wurde im letzten Augenblick durch den italienischen König Vittorio Emanuele II. gerettet. Er schuf 1856 ein Reservat, das 1922 zum Parco Nazionale del Gran Paradiso wurde.

Der Steinbock ist ein in Felsen lebendes Huftier, ein meisterhafter Kletterer von sehr ruhigem Temperament. Er lebt oberhalb der Waldgrenze in der Sonne ausgesetzten Felshängen, während des Sommers meist in den grossen Massiven in Höhen zwischen 2400 und 3000 m. Im Winter verlässt er diese Höhen und hält sich am oberen Rand der Baumgrenze oder in lichten Lärchenbeständen auf. Er sucht dabei möglichst trockene Orte auf, das heisst steile, nach Süden orientierte Hänge. Der Steinbock ist ein Pflanzenfresser; er 1 Autor des Buches La vie sauvage dans les Alpes, Ed. Delachauxet Niestlé, Lausanne-Paris 1995 Im Winter suchen die Steinböcke nach Süden orientierte Hänge auf, von denen der Schnee schnell wegschmilzt. Sie gehen auch gern in tiefere Lagen und leben dann an der Waldgrenze und in lichten Lärchenbeständen.

ernährt sich von sehr verschiedenen Arten, vor allem von Gräsern, aber unter Umständen auch von so zähen Pflanzen wie Disteln, Flechten oder Koniferenzweigen.

Die Lebensform Der Steinbock ist ein absolutes Herdentier. Die erwachsenen männlichen Tiere leben in kleinen Rudeln, die Geissen bilden dagegen mit den Kitzen und den Jungtieren im zweiten Lebensjahr grössere Gruppen. Gemischte Rudel gibt es nur im Dezember zur Brunftzeit. Die Rangordnung unter den männlichen Tieren wird durch heftige und dramati- Zur Zeit der Brunft nimmt der Bock, wenn er sich einer Geiss nähert, eine charakteristische Haltung ein: Er senkt den Kopf und reckt hn nach vorn, die Hörner rahmen den Körper. Ist er bei der Geiss angekommen, streckt er die Spitze seiner schwärzlichen Zunge heraus und bewegt sie heftig.

Der Frühling ist die Zeit des Haarwechsels, aber auch freundschaftlicher Kämpfe zwischen jungen Böcken. Die Tiere richten sich dabei auf ihren Hinterbeinen auf und lassen sich beide gleichzeitig nach vorn fallen, um die Hörner gegen-einanderzuschlagen. Sie stossen sich auch gern, Nacken an Nacken, mit ineinander verhakten Hörnern in den Hang.

Das Steinbockkitz beginnt im Alter von drei Wochen selbständig zu fressen, trinkt aber weiterhin, bis Mitte September, bei der Mutter. Diese Aufnahme eines saugenden Kitzes ist Ende Juli entstanden, als es 6 oder 7 Wochen alt war.

sehe Kämpfe bestimmt, bei denen sich Böcke gleicher Kraft gegenüberstehen. Die Tiere richten sich beim Kampf auf den Hinterbeinen auf, lassen sich mit Schwung nach vorn fallen und schlagen mit unerhörter Kraft mit den Hörnern zusammen. Das Krachen der aufeinanderstossenden Hörner tönt sehr laut und hallt über einen Kilometerweit! Der siegende Bock wird die grösste Anzahl weiblicher Tiere bespringen. Während der Dauer der Brunft sind die Böcke sehr geduldig, werben ganze Tage um die Geissen und warten fügsam, aber hartnäckig, bis sie zur Fortpflanzung bereit sind.

Die Tragezeit dauert ungefähr fünfeinhalb Monate. Die Kitze werden also etwa Ende Mai oder Anfang Juni geboren. Eine Geiss bringt - im allgemeinen nur alle zwei Jahre - ein, sehr selten zwei Kitze zur Welt. Die Säugezeit dauert ungefähr drei Monate, aber das Kitz beginnt bereits mit drei Wochen zu weiden. Ist die Geiss erneut trächtig, verlässt das Jungtier die Mutter und sucht die Gesellschaft seinesgleichen. Gegen Ende Juni kehren die Jungtiere zu den Geissen zurück und bilden mit ihnen grosse Rudel.

Dort, wo der Steinbock unter Schutz steht, ist er das am wenigsten furchtsame pflanzenfressende Wildtier von ganz Europa. Seine Fluchtdistanz ( die Entfernung, bis auf die ein Tier einen offen sichtbaren Menschen herankommen lässt, ehe es flieht ) ist im allgemeinen gering, hängt aber von der jeweiligen Region, der Jahreszeit und dem Alter des Tiers ab. Geissen und Jungtiere sind empfindlicher und misstrauischer als ausgewachsene Böcke. Die Tiere schrecken sehr viel weniger auf, wenn sich der Beobachter offen und ohne heftige Bewegungen nähert und beim ersten Anzeichen einer Beunruhigung stehenbleibt. In der Regel beträgt der Minimalabstand, bis zu dem ein Steinbock einen sichtbaren und ruhigen Menschen herankommen lässt, zwischen 10 und 50 m, bei den Geissen sind es 40 bis 100 m.

Eric Dragesco, Gryon/VD ( ü )

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