Partner im lokalen und regionalen Bergtourismus. SAC-Hütte wagt die Zukunft

Bergtourismus.

SAC-Hütte wagt die

Zukunft

Die intensive Zusammenarbeit zwi- schen einer SAC-Hütte und einem touristisch erschlossenen Tal ist ein Geben und Nehmen. Sie verlangt von den Hüttenverantwortlichen nicht nur ungewohnte Entscheide, son- dern vermittelt neue Möglichkeiten für das erfolgreiche Weiterbestehen, wie das Beispiel der Läntahütte SAC zeigt.

Als 1913 die Sektion Bodan am Fuss des Rheinwaldhorns die erste Läntahütte baute und den lokalen Bergtourismus begründete, war Vals ein weltabgeschie- denes Bergbauerndorf. Jahrzehnte spä- ter präsentierte sich die Lage grundle- gend anders: Vals entwickelte sich zu ei- nem bedeutenden Ferienort, während die 1968 neu gebaute Läntahütte topo- grafisch und touristisch immer mehr ins Abseits geriet. Nicht nur die hüttenbesit- zende SAC-Sektion, sondern auch die Valser bedauerten diese Entwicklung.

Als 1997 die Bewartung neu geregelt und vergeben wurde, herrschte breiter Kon- sens über die Notwendigkeit einer ver- stärkten Zusammenarbeit zwischen Hütte und Dorf. Inzwischen ist die Mor- genröte einer kleinen Erfolgsgeschichte gewichen, die auch in anderen Alpen- tälern gelebt werden kann. Der Authentizität verpflichtet Die zuoberst im Valsertal gelegene Länta- hütte passt zu Vals und dem Tourismus im Tal. Die unspektakuläre Hüttenarchi- tektur fügt sich nahtlos in die Kultur des Tales mit seiner schnörkellosen Gastlich- keit und unkonventionellen Tourismus- geschichte. Die eindrückliche, manch- mal gar beengende Hochgebirgsnatur hat die Valser stets zum Blick über die Berge gezwungen. Ähnlich die Weitsicht der Hüttenverantwortlichen: Ohne Angst vor Utopien und Träumen schu- fen sie als Erstes zeitgemässe Bedingun- gen und Verträge, die dem Hüttenwart eine gesicherte Existenz im Tal ermög- lichen und der Hütte die dringend nötige Kontinuität sichern. Eine angemessene Ausdehnung der Bewartungszeit, die konsequente Pflege der Hüttenwege so- wie ein Speiseangebot, das einheimische Produkte unterstützt, haben auf der Hütte eine neue Gastlichkeit geschaffen.

Nur braucht es für einen erfolgreichen Hüttenbetrieb aber noch mehr.

Klares Bekenntnis zum Tal Mit dem Projekt « Passo Soreda », von der Gemeinde und dem Verkehrsverein Vals, heute « Visit Vals », unterstützt, sanierte die Läntahütte während zweier Jahre den historisch bedeutsamen, zer- fallenen Übergang aus dem Valsertal ins Tessin. Der Weg, der auch heute noch Schweiss und Ausdauer erfordert, hat die Läntahütte auf Anhieb aus ihrer topo- grafischen Isolation befreit. Die Abhän- gigkeit vom Segment der Bergsteiger konnte gebrochen werden, und nach Jahren der Stagnation steigen die Erträge und Übernachtungszahlen stetig. Dank dem Shuttlebus dem Stausee entlang und Einkehrmöglichkeiten in Zervreila und auf der Alp ist auch der Hüttenweg attraktiver geworden. Die Läntahütte ist heute ein beliebtes Ausflugsziel im Val- sertal – mit all den Qualitäten eines stil- len und nur zu Fuss erreichbaren Ortes.

Mit 33 Schlafplätzen bleibt die Länta auch nach dem Umbau vom Sommer 2003 eine der kleinsten bewarteten SAC- Hütten. Diese Grösse reguliert den Be- sucherstrom in die sensible Hochge- birgswelt – gewollt und Teil der Valser Tourismusphilosophie. Dass es tatsäch- lich ohne Gebote und Verbote geht, be- weist auch das alpine Sportklettergebiet Länta ( vgl. Beitrag ab S. 24 ). Die Klette- rer gehören auf der Läntahütte zu einem wachsenden Gästesegment.

Mitsprache darf etwas kosten Die Einführung der Kurtaxe ist bei den Hüttenverantwortlichen anfänglich auf wenig Sympathie gestossen. Letztlich garantiert sie aber die Mitsprache und Einbindung der Hütte in den lokalen und regionalen Tourismus. Beispiels- weise realisierten im Sommer 2002 Visit Vals und die Läntahütte gemeinsam eine neue Wander- und Skitourenkarte, und die saisonal ausgerichtete Gästeinforma- tion Tschifera nimmt sich in den Titelge- schichten immer wieder Themen rund Einst klassische Hochtouren-stützpunkte wie die Läntahütte werden heute vermehrt von Wanderern und Familien besucht.

Voraussetzung sind gut markierte und unterhaltene Bergwege, die Verbindungen zu Nachbarhütten und -tälern schaffen.

Fotos: Thomas Meier D I E A L P E N 9 / 2 0 0 3 um die Hütte an. Das Informationsbüro ist auch Werbeplattform für die Hütte, wo neben herkömmlichen Mitteln wie Prospekten vor allem die für die Hütte erarbeiteten Tourenvorschläge, Routen- skizzen und Klettertopos auf Interesse stossen.

Blick in die Zukunft Der geplante Nationalpark Adula-Rhein- waldhorn beschäftigt Vals und die Länta- hütte gleichermassen. Menschen, die in den Bergen Erholung suchen und sich von der Dimension dieser Urlandschaft inspirieren lassen, sind für die Läntahütte das eigentliche Zielpublikum. Hütten- warte und Hüttenchef der Länta arbei- ten denn auch an einem Marketingkon- zept, das den erfolgreichen Hüttenbe- trieb sowohl mittel- als auch langfristig sichern soll. a T h o m a s M e i e r, Hüttenwart Läntahütte SAC

Feedback