Permafrost in den Schweizer Alpen 2004/05 und 2005/06. Permafrost Monitoring Switzerland (PERMOS)

Permafrost Monitoring Switzerland ( PERMOS ) 1

Permafrost in den Schweizer Alpen 2004/05 und 2005/06

Nach dem Extremsommer 2003 haben sich die oberflächennahen Permafrosttemperaturen in der PER-MOS-Berichtsperiode 2004 bis 2006 etwas abgekühlt. Der Hauptgrund war der schneearme Winter 2004/05. Neu liegt eine Permafrostkarte vor, die wichtige Hinweise für die kantonalen Gefahrenkarten liefern kann.

Permafrost ist Untergrundmaterial, das während des ganzen Jahres Temperaturen unter 0 °C aufweist. In den Alpen ist er oberhalb der Waldgrenze weit verbreitet und existiert verborgen in Felswänden, Schutthalden und ganzen Gipfelregionen. An den über die gesamten Schweizer Alpen verteilten PERMOSStandorten ist er zwischen 10 und über 100 m mächtig. Als Folge der steigenden Lufttemperatur erwärmt sich der Permafrost und wird an vielen Stellen langfristig verschwinden. Dadurch können sich die Gefahrenpotenziale für Felsstürze, Rutschungen und Murgänge verändern. Der Zustand und die Veränderung des Permafrosts in den Schweizer Alpen 1 PERMOS, das Permafrost Monitoring Switzerland, arbeitet im Auftrag der zuständigen Kommission der Schweizerischen Akademie für Natur- wissenschaften ( SCNAT ). Die PERMOS-Beobach- tungen wurden in den Berichtsjahren finanziell unterstützt durch die Glaziologische Kommission ( heute Expertenkommission Kryosphäre ) der SCNAT und das Bundesamt für Umwelt BAFU. Die Feldarbeiten wurden von den Universitäten Basel, Bern, Freiburg, Lausanne und Zürich sowie der ETH Zürich und dem Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung ( SLF Davos ) getragen. Der vorliegende Artikel ist ein Auszug aus dem 6. und 7. Bericht der Permafrost-Koordi- nationsgruppe der SCNAT und der Expertenkommission Kryosphäre ( EKK/SCNAT ).

werden seit dem Jahr 2000 systematisch beobachtet und dokumentiert. Dazu werden Untergrundtemperaturen in Bohrlöchern von ca. 20 bis 100 m Tiefe gemessen, Oberflächentemperaturen an verschiedenen hochalpinen Standorten wie Blockgletschern, Schutthalden und Fels erfasst und Luftbilder aufgenommen, mit denen langfristige Veränderungen fotogrammetrisch analysiert werden können.

Einfluss der Witterung auf den Permafrost

Die Permafrosttemperaturen im Untergrund werden vor allem durch die Veränderungen der Oberflächentemperaturen bestimmt. Dabei ist einer der wichtigsten Faktoren der Zeitpunkt des ersten grossen Schneefalls, der eine ca. 30 cm dicke Schneedecke zurücklässt. Erfolgt dieser Schneefall früh, bleiben die warmen Sommertemperaturen der oberen Auftauschicht durch die isolierende Wirkung des Schnees im Untergrund gespeichert. Kommt der Schnee hingegen erst spät, kann die Winterkälte ungehindert den Untergrund auskühlen. Entscheidend sind weiter Lufttemperatur und Sonneneinstrahlung, vor allem in der schneefreien Zeit von Mai bis September. In steilen Felspartien, wo nur wenig oder gar kein Schnee liegen bleibt, sind diese beiden Faktoren das ganze Jahr hindurch bestimmend.

Schneeverhältnisse

Winter 2004/05: unterdurchschnittliche Schneehöhen Der Frühwinter brachte dem Alpensüdhang normale Niederschlagsmengen. Mitte Dezember gab es in hohen Lagen nicht wesentlich mehr Schnee als in mittleren Lagen, was eher ungewöhnlich ist. In Graubünden lagen die Schneehöhen deutlich unter dem langjährigen Mittelwert. Im Hochwinter, zwischen Januar und März, waren die hochalpinen Regionen sehr gering eingeschneit. Mitte März führten warme Lufttemperaturen zu weitreichender Schneeschmelze, sodass Ende März bereits mehrere Stationen schneefrei waren. Im April wurden dann aber besonders höhere Lagen nochmals eingeschneit.

Winter 2005/06: spätes Einschneien, eher langer Winter Bis Mitte November 2005 fiel bei meist hoher Nullgradgrenze kaum Schnee im Hochgebirge. Wie schon im Vorjahr sorgte der Wind für eine unregelmässige Schneeverteilung mit vielen schneearmen Flächen. Im Dezember und Ende Januar erfolgten die drei ergiebigsten Niederschlagsperioden, sodass die Schneehöhen im Januar am Alpennordhang weitgehend überdurchschnittlich, im Wallis, im Tessin sowie in Graubünden im Mittelwert oder darunter waren. Ergiebige Niederschläge im März und Kaltlufteinbrüche in der ersten Hälfte des Aprils führten erst nach Mitte April zu frühlingshaften Bedingungen. Im niederschlagsreichen Juni fiel nochmals Schnee bis gegen 1100 m.

Die Sensoren sind auf beiden Seiten des Grates ( Nord- und Südseite ) installiert.

Unterwegs zum Abholen von Temperatursensordaten am Jungfrauostgrat auf ca. 3700 m. Foto: Stephan Gruber Messstandorte von PERMOS-Stationen, Stand 2006 Bohrungen zur Messung von Untergrundtemperaturen Ort Region Tiefster Jahr Tempfühler ( m ) Murtèl-Corvatsch 2/87* Oberengadin, GR 58,. " " .0 1987 Schafberg-Pontresina 2/90 Oberengadin, GR 33,. " " .2 1990 Jungfraujoch N, S/95 Berner Oberland, BE 11,. " " .0 1995 Emshorn Oberems, VS 6,4 1996 Arolla, Mt. Dolin Val d' Herens, VS 5,5 1996 Muot da Barba Peider 1, 2/96 Pontresina, Oberengadin, GR 17,. " " .5 1996 Randa Wisse-Schijen Mattertal, VS 4,0 1998 Lapires Val de Nendaz, VS 19,. " " .6 1998 Schilthorn 51/98 Mürren, Berner Oberland, BE 13,. " " .7 1998 Muragl 1, 2, 3, 4/99 Val Muragl, Oberengadin, GR 69,. " " .6 1999 Schilthorn 50, 52/00 Mürren, Berner Oberland, BE 95,. " " .0 2000 Stockhorn 61/00 Zermatt, VS 98,. " " .3 2000 Flüela A, B/02 Flüelapass, GR 20,. " " .0 2002 Grächen 1, 2/02 Mattertal, VS 24,. " " .0 2002 Gentianes Mont Fort, Verbier, VS 20,. " " .0 2002 Stationen zur Messung von Oberflächentemperaturen Ort Region verfügbare Daten Gemmi Berner Oberland, VS 1994–...

Creux de la Lé-Sanetsch Berner Oberland, VS 1998–...

Ritord-Challand Grand-Combin, VS 1997–...

Alpage de Mille Val de Bagnes, VS 1997–...

Lapires Val de Nendaz, VS 1998–...

Yettes Condjà Val de Nendaz, VS 1998–...

Réchy Val de Réchy, VS 1997–...

Murtèl-Corvatsch Oberengadin, GR 2000–...

Schafberg-Pontresina Oberengadin, GR 2000–...

* Diese Ziffern bedeuten, dass das Bohrloch Nr. 2 auf Murtèl-Corvatsch im Jahr 1987 gebohrt wurde.

Helitransport von Messgeräten im Turtmanntal, Wallis Abweichung der mittleren Sommertemperaturen 2006 ( Mai–September ) vom lang- jährigen Mittel ( 1961–1990 ) Foto: Isabelle Roer Gr afik:Meteoschw eiz Gr afik: PE RMOS Abweichung der mittleren Sommertemperaturen 2005 ( Mai–September ) vom langjährigen Mittel ( 1961–1990 ) Überblick über die PERMOS-Messstandorte in den Schweizer Alpen 2006 Grafik: © Meteoschweiz

Witterungsverhältnisse

Temperaturen und Niederschlag im Jahr 2005 In der Schweiz herrschte von Mitte Februar bis Anfang März über längere Zeit kaltes Winterwetter mit sehr tiefen Temperaturen. Der Frühling war warm und der erste Sommermonat Juni heiss. Der August war durch die verheerenden Unwetter vom 19. bis 23. August geprägt. Der Sommer 2005 war nur wenig kühler als der extrem heisse Sommer 2003. Die Niederschlagsmengen lagen 12% unter dem Mittelwert von 1961 bis 1990. Besonders trocken war es auf der Alpensüdseite, dort regnete es in gewissen Gebieten so wenig wie seit 1901 nicht mehr. Die Unwetter im August führten zu schweren Überschwemmungen und Murgängen in weiten Teilen der Schweiz. Der grösste Murgang ereignete sich bei Guttannen mit einem Volumen von ca. 500 000 m 3. Der Murgang brach westlich des Chilchlistockes oberhalb von Guttannen in der Moränenbastion des früheren Homadgletschers aus, erodierte Schutt auf einer Querschnittsfläche von ca. 600 m 2 und überdeckte die Aare und die Grimselpassstrasse mit einer bis zu 20 m hohen Geröllschicht. Permafrost und Eisreste im Gletscherkar dürften dazu geführt haben, dass das Wasser aus den Felswänden direkt in den Steilhang der Moränenbastion geleitet wurde.

Temperaturen und Niederschlag im Jahr 2006 In der Schweiz war 2006 das fünft-wärmste Jahr seit 1864, nur die Jahre 1994, 2000, 2002 und 2003 waren wärmer. Die ersten drei Monate wiesen auf der Alpennordseite deutlich tiefere Temperaturen auf als im Durchschnitt. Diese wurden dann durch das hochsommerliche Wetter bis zur Jahresmitte kompensiert. War der Juli extrem heiss mit Rekordwerten bei vielen Stationen, geriet der August dann ungewöhnlich kühl und nass. Die Herbstmonate September bis November gehörten wiederum zu den wärmsten in den bestehenden Messreihen. Am Alpennordhang und im Unterwallis waren die Jahresniederschläge durchschnittlich. Hingegen erhielten Graubünden, Tessin sowie die übrigen Teile des Wallis meist nur 75 bis 90% der normalen Jahresniederschlagsmenge.

Oberflächentemperaturen

An neun PERMOS-Standorten sind mehr als 100 Sensoren ausgelegt, die -2 -1 0 1 2 3 MAGS TC] Sanetsch ( 6 ) Gemmi ( 1 ) Gemmi ( 4 ) -2 -1 0 1 2 3 MAGS TC] Ritord ( 17 ) Mille ( 7 ) Yettes C. ( 3 ) Lapires ( 2 ) Réchy ( 2 ) a ) b ) 1995 2003 2002 2001 2000 1999 1998 1997 1996 2004 2005 2006 1995 2003 2002 2001 2000 1999 1998 1997 1996 2004 2005 2006 -2 -1 0 1 2 3 MAGS TC] Murtèl ( 5 ) Schafberg ( 1 ) Schafberg ( 2 ) c ) 1995 2003 2002 2001 2000 1999 1998 1997 1996 2004 2005 2006 Entwicklung der mittleren jährlichen Oberflächentemperatur ( MAGST ) an verschiedenen PERMOS-Messstand-orten: a ) Berner Oberland; b ) Wallis; c ) Graubünden. Die Oberflächentemperatur wurde für jeden Monat über die vergangenen zwölf Monate berechnet. In der Legende sind der Standort und die Anzahl Sensoren angegeben.

Auswechseln eines Temperatur-sensors im Fels in der Nähe des Corvatschgipfels auf ca. 3300 m Foto: Stephan Gruber Foto: Jeannette Nötzli Gr afik: PE RMOS rund alle zwei Stunden die Oberflächentemperatur aufzeichnen. Diese Geräte liegen vor direkter Strahlung geschützt in Schutthalden, auf Blockgletschern oder auf Moränen in Hängen mit einer Neigung zwischen 0° und 40°. Die Variationen der Oberflächentemperaturen zeigen den Einfluss von Lufttemperatur, Sonneneinstrahlung, Schneedecke und allfälliger Luftzirkulation zwischen groben Blöcken. Seit 2004 werden an drei Standorten Felstemperaturen in 10 cm Tiefe gemessen. Einige der Sensoren sind in fast senkrechten Felswänden wie der Eiger-Nord-wand, in denen praktisch kein Schnee liegen bleibt, platziert, andere befinden sich in flachen Felspartien. Die Messungen geben Aufschluss über die lokal unterschiedlichen Reaktionen von Felstemperaturen auf klimatische Bedingungen. Gleichzeitig wird auch der unterschiedliche Einfluss von Schnee, Sonneneinstrahlung und Lufttemperatur sichtbar. Für einzelne Standorte sind bereits Daten aus den Jahren 2001 und 2002 vorhanden, doch das extrem heisse Te mperatur [°C] 2002 2003 2004 2005 2006 2007 keine Mes sung Felstemperaturen in der Eiger-Nordwand ( 10 cm unter der Oberfläche ) auf 2800 m, nahe der Station Eigerwand. Deutlich sichtbar sind der Kälteeinbruch im August 2006 ( blauer Kreis ) und der im vergleich zu den Vorjahren sehr warme April 2007 ( grüner Kreis ).

Auf dem Schilthorn werden die Mächtigkeit und der Zeitpunkt der maximalen Auftauschicht seit 1998 beobachtet. Da der Permafrost hier kaum Eis enthält, wird der grösste Anteil der Energie in Form von Temperaturerhöhung umgesetzt. Im Jahre 2003 wurde die Auftauschicht darum fast doppelt so mächtig wie in den Jahren zuvor.

Die Mächtigkeit und der Zeitpunkt der maximalen Auftauschicht im kriechenden, eisreichen Permafrost des Blockgletschers Murtèl-Corvatsch werden seit 1987 gemessen. Im Jahrhundertsommer 2003 wurde der bisherige Rekord nur um ca. 5 cm übertroffen, da ein Grossteil der Energie bei der Schmelze des Untergrundeises gebraucht wurde.

Ein Temperatursensor am Schilthorn, der wenig unter der Oberfläche alle zwei Stunden die Temperatur aufzeichnet Die Loggerbox des 1987 gebohrten Permafrost-bohrlochs auf dem Blockgletscher Murtèl-Corvatsch. Die Daten werden hier aufgezeichnet und können via Mobilfunk vom Computer aus abgerufen werden.

In der Nähe von Fuorcla-Surlej auf dem Corvatsch sucht ein Forscher mit dem GPS nach einem Tempera-tursensor.

Gr afik: PE RMOS Gr afik: PE RMOS Gr afik: PE RMOS Foto: Jeannette Nötzli Foto: Andreas Hasler Jahr 2003 wurde leider noch nicht mit Messungen abgedeckt. Mittlere jährliche Bodenoberflächen-temperatur ( BOT ) Nachdem der Jahrhundertsommer 2003 die Oberflächentemperaturen an allen PERMOS-Standorten um durchschnittlich 2–3 °C angehoben hatte, sanken die über 12 Monate gemittelten Werte bereits 2004 wieder auf das Durchschnitts-niveau der 10-Jahres-Messperiode. Der schneearme Winter 2004/05 bewirkte eine weitere Abkühlung um etwa ein halbes Grad, und ab Sommer 2005 blieb die BOT fast unverändert. Felstemperaturen Der sehr heisse Sommer 2006, dessen Temperaturen durch den kalten August etwas moderater ausfielen, ist in den Felstemperaturen deutlich sichtbar. Da die Variabilität der Temperaturen von Jahr zu Jahr gross ist, benötigt man jedoch längere Messreihen, um klare Trends im Zusammenhang mit der Klimaveränderung festzustellen.

Permafrosttemperaturen

Permafrost reagiert sehr langsam auf Veränderungen der Oberflächentemperaturen, weil sich diese im Untergrund vorwiegend durch Wärmeleitung fortsetzen. Es dauert beispielsweise mehrere Jahrzehnte, bis eine Temperaturstörung eine Tiefe von 100 m erreicht. Der Prozess kann durch Eis im Untergrund zusätzlich verlangsamt werden, da für das Schmelzen Energie benötigt wird. Sobald aber ungefrorene Zonen eine Zirkulation von Wasser ermöglichen, kann Wasser Wärme schnell in tiefere Zonen transportieren und den Prozess beschleunigen. Auftauschicht Die jährlichen Schwankungen der Oberflächentemperaturen wirken sich je nach Untergrund bis in eine Tiefe von 15 bis 20 m aus. Die oberste Schicht, die im Sommer positive Temperaturen aufweist, heisst Auftauschicht. Ihre Mächtigkeit ist ein direktes Klimasignal und spiegelt vor allem die Sommertemperaturen wider. Dabei interessiert der Vergleich von Jahr zu Jahr sowie der langfristige Trend. So hinterliess zum Beispiel der Hitzesommer 2003 eine deutliche Marke, mit der andere Jahre nun verglichen werden können. Allerdings hängt der absolute Messwert stark von den Untergrundeigenschaften ab: Während im eisreichen Permafrost vom Murtèl-Corvatsch die Rekordmarke vom Sommer 2003 ( 3,. " " .5 m ) auch in den drei folgenden Sommern beinahe erreicht wurde, blieben die fast 9 m Auftauschicht im eisarmen Permafrost auf dem Schilthorn unerreicht. Hier taute der Untergrund wie vor 2003 bis in eine Tiefe von ca. 5 m auf. Temperatur in zirka 10 m Tiefe Eine weitere Möglichkeit, die verschiedenen Standorte untereinander zu vergleichen, ist der Verlauf der Temperatur in rund 10 m Tiefe. Die oberflächlichen Schwankungen kommen hier abgeschwächt und zeitverzögert an, entsprechen aber ungefähr der Jahresschwankung. Die Einflüsse der Lufttemperatur wie auch der Schneebedeckung sind überlagert und zusammengefügt. Die Witterung in den beiden Berichtsjahren bewirkte in den meisten Bohrlöchern eine leichte Abkühlung. Damit zeigt sich der starke Einfluss des schneearmen Winters 2004/05 auf die Entwicklung der Permafrosttemperatur. Während die Werte am Schilthorn im darauffolgenden Winter im selben Bereich blieben, kühl-ten die Temperaturen an den anderen Standorten weiter ab. An der Meteostation bei den Bohrlöchern auf dem Schilthorn wird ein Teil des Windsensors ausgewechselt.

PERMOS-Messstandort Schilthorn im Juli 2006: Der Südhang ist schon vollständig ausgeapert, während im Nordhang, wo sich die Bohrlöcher befinden, noch viel Schnee liegt.

Foto: Jeannette Nötzli Foto: Jeannette Nötzli Zwei Bohrlöcher im Hörnligrat des Matterhorns auf 3290 m. Die instru-mentierten Bohrlöcher sind 65 Meter tief, und die Untergrundtemperaturen werden täglich gemessen.

-3.0 -2.5 -2.0 -1.5 -1.0 -O.5 O.0 Schilthorn ( 1O.0 m ) Schafberg ( 9.2 m ) Murtèl ( 11.5 m ) Muragl ( 9.6 m ) M. Barba Peider ( 1O.0 m ) Gentianes ( 9.6 m ) 1990 1995 2000 2005 1987 1988 1989 1991 1992 1993 1994 1996 1997 1998 1999 2001 2002 2003 2004 2006 Te mperatur [°C] Jahr Schilthorn ( 1O.0 m ) Schafberg ( 9.2 m ) Murtèl ( 11.5 m ) Muragl ( 9.6 m ) M. Barba Peider ( 9.6 m ) Gentianes ( 9.6 m ) -3.0 -2.5 -2.0 -1.5 -1.0 -O.5 O.0 2004 Temperatur [°C] 2005 2006 Der Blockgletscher Murtèl ( Oberengadin ) mit etwas Neuschnee im Oktober 2006 Die Zusammenstellung der Permafrosttemperaturen in ca. 10 m Tiefe in verschiedenen Bohrlöchern verdeutlicht drei Phasen der Erwärmung, die 1995/96 und 2002 durchbrochen wurden.

In der Berichtsperiode ( 1. Oktober 2004 bis 3O. September 2006 ) sind die Temperaturen in rund 10 m Tiefe im Vergleich zum extremen Jahr 2003 wieder leicht gesunken. Dazu haben auch die beiden schneearmen Winter beigetragen.

Foto: Marcia Phillips Foto: Marcia Phillips Gr afik: PE RMOS Gr afik: PE RMOS 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 -3.0 -2.0 -1.0 O.0 1.0 2.0 Temperatur [°C] Ti efe [m ] Murtèl 2/87 Schafberg 2/90 Muragl 4/99 Schilthorn 50/00 Stockhorn 60/00 Ti efe [m ] 0 5 10 15 20 -4.0 -2.0 O.0 2.0 4.0 6.0 Temperatur [°C] M. Barba Peider 1/96 M. Barba Peider 2/96 Arolla 1/96 Schilthorn 51/98 Schneenetze im Permafrost oberhalb von Randa auf 3100 m Die Permafrostmächtigkeit variiert an den Messstandorten zwischen wenigen Metern und mehr als 100 Metern. Nicht nur die absoluten Temperaturen sind von Ort zu Ort verschieden, sondern auch der Gradient, also die Temperaturzunahme pro Tiefenmeter.

Das Gebiet Corvatsch-Furtschel-las im Oberengadin auf der Hinweiskarte der potenziellen Permafrostverbreitung in der Schweiz. Sie wurde im Jahr 2006 vom Bundesamt für Umwelt ( BAFU ) erstellt. Gelbe Farben bezeichnen Gebiete mit möglichem, violette solche mit wahrscheinlichem Permafrost – je dunkler die Farbe, desto wahrscheinlicher ist Permafrost vorhanden.

Grafik: PERMOS Gr afik: PE RMOSFoto: Mar cia Phillips Kar te: BAFU, Massstab 1:50 000

Neue Permafrosthinweiskarte

Die Degradation von Permafrost ist ein sehr langsamer und langfristiger Prozess. Umso plötzlicher und schneller sind die Ereignisse, wenn es zu Murgängen oder Felsstürzen kommt. Je früher Prozesse des Permafrostabbaus erfasst werden, desto besser kann allfälligen Folgen vorgebeugt werden. Anhand von Modellrechnungen hat das Bundesamt für Umwelt ( BAFU ) zusammen mit Spezialisten eine neue « Hinweiskarte über die potenzielle Permafrostverbreitung in der Schweiz » im Massstab 1:50 000 erstellt. Insbesondere die Alpengebiete in den Kantonen Wallis, Bern, Glarus und Graubünden enthalten grosse Permafrostgebiete. Die Karte soll unter anderem die Kantone darin unterstützen, ihre Gefahrenkarten bezüglich Murgängen und Felssturzgefährdung aus dem Permafrost zu überprüfen.

Schlussfolgerungen

Die Messungen in Bohrlöchern zeigen, dass sich die oberflächennahen Temperaturen im Permafrost der Schweizer Alpen in der Berichtsperiode von Herbst 2004 bis Herbst 2006 nach dem Rekordsommer 2003 wieder etwas abgekühlt haben. Der Hauptgrund ist der schneearme Winter 2004/05. Die Temperaturen in praktisch schneefreien Steilwänden dagegen spiegeln deutlich den Verlauf der Lufttemperaturen wider. Entsprechende Messungen von Felstemperaturen haben sich als wichtige Ergänzung zu den bisherigen Oberflächentempera-turmessungen erwiesen. Die Messreihen sind allerdings noch zu kurz, um klare Trends auszumachen. Langfristig kann die Erwärmung des Permafrosts einen Einfluss auf das Auslösepotenzial von Felsstürzen und Murgängen im Hochgebirge haben. Auch in der Berichtsperiode waren einige Ereignisse aus Permafrostgebieten zu verzeichnen wie der Murgang bei Guttannen oder ein Felssturz auf der Matterhorn-Südseite im Sommer 2005. a PE RMOS-Autorenteam 2, 3 2 PERMOS-Autorenteam: Jeannette Nötzli, Uni Zürich, PERMOSOffice; Daniel Vonder Mühll, ETH Zürich und Uni Zürich, PERMOSOffice; Isabelle Roer, Uni Zürich, PERMOSOffice; Rey- nald Delaloye, Uni Freiburg; Christoph Frei, MeteoSchweiz; Stephan Gruber, Uni Zürich; Wilfried Haeberli, Uni Zürich, Martin Hoelzle, Uni Zürich; Marcia Phillips, SLF Davos 3 Das Bundesamt für Umwelt ( BAFU ), die Schweizerische Akademie für Naturwissenschaften ( SCNAT ) und MeteoSchweiz haben mit einer Vereinbarung die PERMOS-Finanzierung für die Jahre 2007 bis 2010 gesichert. Das Koordinations-büro ist an der Universität Zürich angesiedelt und gewährleistet eine kontinuierliche Datenarchivie-rung und -auswertung sowie die Berichterstattung zuhanden der Geldgeber und der Öffentlichkeit.

Der Murgang brach oberhalb von Guttannen in der Moränenbastion des früheren Homad-gletschers aus. Im Bild die Anrisszone Der Murgang vom 22. August 2005 bei Guttannen ergoss sich bis ins Tal hinunter und überdeckte die Aare und die Grimselpassstrasse mit einer mächtigen Geröllschicht.

Foto: Flotr on AG, 3860 Meiringen Foto: Flotron AG, 3860 Meiringen

Permafrostindikatoren der besonderen Art

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