Pilotprojekt «Modellregion Göschenen»

Mountain Wilderness MW und SAC suchen praktische Lösungen für umweltverträglichen Alpintou- rismus1 Mit dem von MW initiierten Projekt soll zusammen mit den Bewohnern der Region Göschenen, den Hüttenwarten und ihren Sektionen an einem praktischen Beispiel aufgezeigt werden, wie um-weltverträglicher und nachhaltiger Alpintourismus und Alpinismus in einer Region ausgestaltet werden könnten. Das Projekt soll den Wert des Tals heben und gleichzeitig Signalwirkung weit über die Region hinaus entfalten können. Der vorliegende Beitrag gibt eine erste Orientierung über Hintergründe, Idee und Stand des Projektes.2 Wo drückt der Schuh?

Betrachtet man Bergsteigen und Klettern unter dem Aspekt der Umwelt, des Natur- und Landschaftsschutzes, so geben einige Entwicklungen der letzten 10 bis 20 Jahre Anlass zur Sorge. Das Sportklettern erlebte einen gewaltigen Entwick-lungsschub und eine Popularisierung; neue alpine Trendsportarten ( Gleitschirm, Mountain Bike, Canyoning, Schneeschuhlaufen, Klettersteige usw. ), häufig kommerziell betrieben, kamen auf. Dadurch wurden viele bisher unberührte alpine Gebiete Die Hochmoorlandschaft von nationaler Bedeutung oberhalb des Staudamms: Dieses Naturjuwel ist unter starkem Druck durch Bewirtschaftung und Touristen.

»chutz der Gebirgswelt

neu erschlossen oder tangiert, verloren ihre Ruhe und Einsamkeit. Gleichzeitig werden immer mehr fixe Einrichtungen bis ins Hochgebirge angebracht, was den ursprünglichen Charakter der Landschaft und ihren Erlebniswert beeinträchtigt. Dies geht von unnötigen Bohrhaken über Ringe, Stangen, Fixseile und übermässig ausgebaute Wege bis zu Klettersteigen - Einrichtung der alpinen Natur als Sportgerät, als « Plaisirground of Europe ». Im Bereich der Hütten verschärften sich die ökologischen Probleme durch ständigen Ausbau, An-gebotssteigerungen und die steigenden Komfortansprüche vieler Alpinistinnen und Alpinisten. Vermehrter Einsatz des Privatautos brachte neben den bekannten Langzeitfolgen für Luft und Klima auch Lärm, Unruhe und Gestank in immer mehr Winkel der Alpen. Parallel dazu wurde das Angebot des öffentlichen Verkehrs mangels Nachfrage abgebaut. Durch einen Trend zu immer kürzeren Aufenthalten im Gebirge verminderte sich der ökonomische und kulturelle Austausch mit der lokalen Bevölkerung.

Das Projekt entsteht Aus Sorge über diese Entwicklungen und aus der Motivation, möglichst umweltschonendes und nachhaltiges Bergsteigen, Klettern und 1 Der nachstehende Beitrag fasst den Inhalt der aus einer Initiative von Mountain Wilderness ( MW ) hervorgegangenen Konzeptstudie zusammen. Titel: Alpinismus und Umwelt. Modellregion Göschenen: Konzept. Ein Pilotprojekt von Mountain Wilderness Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Alpen-Club SAC und der Region Göschenen ^Kontaktadressen für weitere Informationen: Reto Soler, Mountain Wilderness, PF 148, 8037 Zürich, Tel. 01/461 3900; Markus Lüthi, MW/Büro bergfART, Gerberngasse 21 A, 3013 Bern, Tel. 031/3118909; Jürg Meyer, SAC-Geschäftsstelle, Monbijoustr. 61, Postfach, 3000 Bern 23, Tel. 031/3701818 Schutz der Gebirgswelt 0.

< Wandern zu fördern, entstand bei den Alpinisten und Alpinistinnen von MW die Idee, eine kleine Region konsequent und modellhaft auf einen maximal umweltverträglichen Alpinismus und Alpintourismus auszurichten. Die Modellregion sollte als Beispiel für nachhaltigen Alpinismus für die ganzen Alpen dienen und auch dementsprechend bekannt gemacht werden.

Die Initianten wussten, dass ein derartiges Unterfangen nur gelingen kann, wenn die lokale Bevölkerung dafür gewonnen werden kann. Sie realisierten zudem, dass auch der SAC ein wichtiger Partner sein müsste - vor allem, weil ja die meisten Berghütten vom SAC betrieben werden. Sie gelangten an die SAC-Kommissi-on « Schutz der Gebirgswelt », wo sie ein offenes Ohr fanden: Die Zusammenarbeit war bald beschlossen.3 Warum das Göschener Tal?

Die ideale Modellregion muss eine ganze Anzahl von Kriterien erfüllen: nicht zu gross, geographisch klar definiert, ohne eigentlichen Massentourismus, noch weitgehend intakte Natur und Landschaft, möglichst vie- 3 Das Projekt wird auch vom Zentralvorstand begrüsst. Es steht in Übereinstimmung mit dem neuen Leitbild des SAC, den Richtlinien für den Schutz der Gebirgswelt und dem neuen Slogan « SAC-verantwortungsbewusster Alpinismus ».

In der Region Göschenen sind Natur und Landschaft noch weitgehend intakt: Voralptal mit Voralphütte und Sustenhorn.

Die 1500 m hoch gelegene Alp-Dauersiedlung Gwüest. Die Mitwirkung der hier und im Dorf Göschenen lebenden Bevölkerung ist für das Projekt unabdingbar.

le verschiedenartige SAC-Hütten, Vielfalt an alpinistischen und touristischen Aktivitäten, mindestens eine Talgemeinde dabei, Berglandwirtschaft noch erhalten. Wir hatten eine ganze Reihe von Gebieten in der engeren Wahl. In der Abwägung einigten wir uns darauf, die Region Göschenen ins Auge zu fassen. Ein gewichtiger Grund dabei ist, dass in diesem Tal schon sehr viele gute Einzelinitiativen bestehen, die in die beabsichtigte Richtung zielen.

Der motorisierte Privatverkehr bringt Unruhe, Lärm und Gestank in das wunderschöne Tal: eine Beeinträchtigung auch für Wanderer und Bergsteiger.

Prinzip der Ganzheitlichkeit Da es wenig Sinn macht, nur an einzelnen Aspekten der Problematik etwas zu verändern, möchten wir die folgenden Themenbereiche miteinander angehen und vernetzen:

Verkehr und Mobilität Förderung des öffentlichen Verkehrs, Reduktion und Lenkung des Privatverkehrs, Anreize zu umwelt-verträglichem Mobilitätsverhalten und zu längeren Aufenthalten, Verbesserung der Information.

Berglandwirtschaft und Regional-vermarktung Konsequente und koordinierte Vermarktung lokaler und regionaler Produkte in Berghütten, Hotels und Gasthäusern mit begleitender Information und Sensibilisierung. Anregungen zu neuen Produkten.

Natur- und Landschaftsschutz/ Raumplanung Koordiniertes Nutz- und Schutzkonzept für sämtliche touristischen und landwirtschaftlichen Aktivitäten. Erhaltung der traditionellen bergbäuerlichen Kultur- und der Naturlandschaften. Schutz und Pflege von Flora und Fauna. Ausweisung von Schutz- und Ruhezonen.

Hüttenbetrieb und -bewirtschaf-tung Ausgestaltung der Hütten als Vorbilder für ökologischen Betrieb und nachhaltige Bewirtschaftung. Hütten als Informations- und Aufklärungsor-te. Koordination der Angebote in der Region. Steigerung der Identifikation von Sektionen, Alpinisten und Alpinistinnen mit den Hütten und ihrer Umgebung. Einführung eines Ökola-belsfür Berghütten.

Für jeden Bereich soll ein möglichst grosser Strauss von Massnahmen geplant und umgesetzt werden, stets in Abstimmung und Koordination mit den andern Bereichen.

Zusammenarbeit Berg und Tal Ein derartiges Projekt kann nur gelingen, wenn es von der einheimischen Bevölkerung mitgetragen wird. Gleichzeitig sind wir Unterländer ja die Alpinisten und Alpintouri-sten, um die und um deren Verhalten es geht. Deshalb steht und fällt das Projekt mit einer fruchtbaren Zusammenarbeit. Dies ist hier wohl die grösste Herausforderung! Es wird viel Gesprächs- und Kommunikationsar-beit brauchen, vor allem bei der kon- kreten Planung von Massnahmen, damit für alle Beteiligten etwas Zu-friedenstellendes herauskommt. Von den Einheimischen sind Neugier und die Bereitschaft, sich auf Neues oder Ungewohntes einzulassen, gefordert, von den Unterländern Geduld, Beharrlichkeit und die Bereitschaft, nach einvernehmlichen Lösungen zu suchen.

Bisherige Gespräche, Diskussionen und Informationsabende mit Gemeinde, Kanton, Einheimischen, Hüttenwarten und Sektionen stimmen uns zuversichtlich, dass das Projekt tatsächlich lanciert werden kann-auch wenn von vielen Seiten, gerade auch im SAC, noch Skepsis und Bedenken vorhanden sind.

Die erhoffte Wirkung Öffentlichkeitsarbeit und Reklame für das Projekt sind integraler Bestandteil. Dies soll für die Region Göschenen auch einen positiven Werbeeffekt haben: die Marke « Göschener Tal », die für ein konsequentes, gemeinschaftlich erarbeitetes Konzept von nachhaltigem und naturverträglichem Alpinismus und Alpintourismus steht - als Modell zur Nachahmung im ganzen Alpenraum. Dies ist auch darum wichtig, weil das Projekt der Region auch wirtschaftliche Vorteile bringen soll.

Wer zahlt? Wer befiehlt?

Ein derartiges Projekt verursacht Kosten. Nicht zuletzt sollen einzelne Massnahmen, die Pilotcharakter haben, finanziell abgesichert werden können. Der bisherige Budgetent-wurf sieht Gesamtkosten von rund einer halben Million Franken vor. Das Projekt soll von Initiativen und Programmen des Bundes unterstützt werden ( REGIO plus, Förderprogramm nachhaltige Schweiz, Touris-mus-Förderprogramm ). Die bisherigen Reaktionen von dieser Seite sind sehr positiv. Weiter sind der Kanton Uri, Stiftungen, Organisationen und Private um Unterstützung angegangen worden. Auch der SAC wird um einen Beitrag ersucht.

Das Projekt soll von einer breiten Trägerschaft lanciert werden: Gemeinde Göschenen, Korporation Uri, Kraftwerke Göschenen, Vereine, MW, SAC. Die Projektleitung und -koordi-nation liegt bei MW, SAC und Ge-meinde/Korporation. Die einzelnen Teilbereiche sollen von Kernarbeits-gruppen mit einem erweiterten Kreis von Interessierten und Beratern bearbeitet werden. Ein Beirat mit Persön- lichkeiten aus der Region und dem Unterland soll das Projekt kritisch begleiten. Wissenschaftliche Begleitung und Unterstützung werden von der ETHZ und evtl. der Uni Bern gewährleistet.

Wie weiter?

Beim Erscheinen dieses Beitrags dürfte sich definitiv geklärt haben, ob das Projekt in der Region Göschenen lanciert werden wird.4 Mit erster Priorität muss die Finanzierung vollumfänglich sichergestellt werden. Gleichzeitig soll mit der Aufnahme des Ist-Zustandes angefangen werden, Arbeitsgruppen sollen gebildet und erste konkrete Massnahmen geplant und angegangen werden. 1998 können eventuell schon erste Umsetzungen realisiert werden ( z.. " " .B. ein zusätzlicher Postautokurs ). Hauptsächlich wird jedoch 1998 ein Jahr der Planung und Erarbeitung. 1999 sollen dann möglichst viele Massnahmen koordiniert umgesetzt werden. Dies soll im Jahr 2000 weitergehen, gleichzeitig muss dann die Weiterführung über das Projektende hinaus geplant und eingeleitet werden. Wir werden innerhalb des SAC laufend über den Fortgang berichten.

Jürg Meyer, SAC-Beauftragter für den Schutz der Gebirgswelt5 " Dieser Beitrag wurde Ende November 97 verfasst.

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