Plötzlich steht das Herz still

Der pötzliche Herztod ist die häufigste nicht verletzungsbedingte Todesursache im Bergsport. Männer über 34 Jahre sind besonders gefährdet. Dem Risiko kann man aber vorbeugen.

Mehr als ein Drittel aller Todesfälle beim Bergsport im Alpenbogen werden durch plötzlichen Herztod verursacht. Diese kürzlich vom DAV veröffentlichte Zahl überrascht. Sie zeigt, dass in den Bergen nicht nur schwieriges Gelände, Steinschlag, Lawinen oder Wetterumschwünge zum Risiko werden können, sondern auch der eigene Körper.

Mangelnde Fitness, schlechte körperliche Vorbereitung und Stress am Arbeitsplatz oder am Berg. Diese Faktoren sind dafür verantwortlich, dass das Risiko, an einem Herzversagen zu sterben, beim Bergsport zwei- bis achtmal höher ist als zu Hause oder im normalen Arbeitsalltag. «Die allermeisten plötzlichen Herztodesfälle in den Bergen treffen Personen, die sich nicht regelmässig sportlich betätigen», weiss Philipp Hoigné-Perret, Herzspezialist der kardiologischen Gemeinschafts­praxis in Bern.

Das Risiko steigt, je mehr sich der Betroffene anstrengt. «Es betrifft besonders Personen mit Vorerkrankungen, die nicht ausreichend an die spezielle Belastung der gewählten Sportart angepasst sind», so Hoigné-Perret. Für ihn ist klar, dass regelmässiges Sporttreiben vor einem plötzlichen Herztod schützen kann. Der Körper ist auf die Herausforderung vorbereitet und kann die zusätzliche Belastung durch den Sauerstoffmangel besser vertragen. Und ganz wichtig: «Wer regelmässig Sport treibt, hat bessere Chancen, Warnsymptome rechtzeitig zu erkennen. Auf jeden Fall», so Philipp Hoigné-­Perret, «müssen Anzeichen wie belastungsabhängiger Druck, Schmerzen im Brustbereich, Atemnot oder ein plötzlicher Leistungsabfall abgeklärt werden. Sie können Hinweise auf eine relevante Beeinträchtigung der Blutversorgung des Herzens sein.»

Wiedereinsteiger: mit Übergewicht besonders gefährdet

Gemäss Statistik ereignen sich rund 90% aller plötzlichen Herztode bei Männern im Alter über 34 Jahren. Das überrascht den Sportmediziner Urs Hefti nicht. Er ist ärztlicher Leiter der Swiss Sportclinic in Bern und weiss, wer bei ungewohnter Belastung und intensivem Bergsport um seine Gesundheit bangen muss: «Es sind vor allem Männer im mittleren Alter, die über längere Zeit keinen Sport mehr getrieben und an Gewicht zugelegt haben und die konditionell ein Defizit aufweisen.» Diese «Wiedereinsteiger» seien nicht selten hoch motiviert, aber je nach Vorgeschichte gerade auch deshalb besonders gefährdet.

Als wichtige Risikofaktoren nennt Hefti nicht nur einen früheren Herzinfarkt oder Herzgefässerkrankungen, sondern auch unbehandelten Blut­hochdruck, einen hohen Cholesterinspiegel oder Diabetes. Ebenfalls in eine Hochrisikogruppe gehören nach Hefti Übergewichtige und Raucher.

Um das Risiko zu minimieren, empfiehlt er Wiedereinsteigern, einen medizinischen Leistungstest zu absolvieren. Die Kosten betragen zwischen 200 und 400 Franken.

Ferien in den Bergen: Der erste Tag ist am gefährlichsten

Rund 50% aller Herztodesfälle am Berg passieren am ersten Tag eines Urlaubes. Für Urs Hefti steht ausser Zweifel, dass die ungewohnte physische und psychische Belastung die Todesfälle massgeblich begünstigt. «Nicht selten stehen Tourenhungrige schon vor der Anreise in die Berge unter Strom.» Die Vorbereitungen würden oft unter Zeitdruck erfolgen, und der Körper leide schon vor dem Ferienbeginn unter Stress. Einmal unterwegs, würden nicht selten schon bei der Anreise gros­se Höhenunterschiede bewältigt, was den Körper noch einmal schwäche. Stress, zu viel Ehrgeiz und zu grosser Leistungsdruck in ungewohnter Höhe seien dann für den Körper nur schwer zu bewältigen. Kommt dann noch ein ehrgeiziger Aufstieg dazu, so Hefti, kann es plötzlich zu viel sein. «Ferienaufenthalte in der Höhe und Touren in grosse Höhen langsam und gemütlich angehen», das ist der ultimative Tipp des Sportmediziners.

Auch Bergführer Bruno Hasler, Fachleiter Ausbildung beim SAC weiss um die negativen Auswirkungen von Stress am Berg. Auch falscher Stolz könne ungesunden Stress verursachen. «Es ist keine Schande, eine Pause einzulegen oder eine solche zu verlangen», meint Hasler. Der Ausbildungsverantwortliche des SAC, macht sich zudem für eine regelmässige und geeignete Zwischenverpflegung stark. Wer in den Bergen unterwegs sei, «ist ja normalerweise nicht auf der Flucht. Auch zu wenig Zwischenverpflegung oder Flüssigkeitsmangel können schädlichen und unnötigen Stress verursachen.»

Auch beim Training: regelmässig, dafür nur langsam steigern

Philipp Hoigné-Perret sagt aber auch: «Ein Restrisiko bleibt aber auch am vorbildlichsten Sportler hängen.» Wer sein Training intensiviert oder neu beginnt, solle die Intensität auf jeden Fall nur allmählich und angemessen steigern. Warnsymptome müssen immer ernst genommen werden.

Urs Hefti empfiehlt, sich das ganze Jahr auf einem guten Niveau zu bewegen und zu trainieren. Zwei bis drei Trainingseinheiten (Joggen, Velofahren, Kraftübungen) pro Woche seien empfehlenswert. «Aber auch die Binsenwahrheit ‹10 000 Schritte pro Tag› hat nichts an Aktualität eingebüsst», meint Hefti. Insbesondere für Büromenschen sei es gar nicht so einfach, diese Marke zu erreichen.

Weiterlesen

DAV-Broschüre «Plötzlicher Herztod – Risiken kennen und richtig vorbeugen»

www.alpenverein.de

www.swiss-sportclinic.ch

www.herzzentrum-bern.ch

www.antistress-info.org/stress.php#_1

A. G. Brunello, M. Walliser und U. Hefti, Gebirgs- und Outdoormedizin. Erste Hilfe, Rettung und Gesundheit unterwegs, Bern 2011

Risikofaktoren und Prävention

Plötzlicher Herztod (PHT) oder Sekundentod ist ein medizinischer Fachausdruck für einen plötzlich und unerwartet eintretenden Tod kardialer Ursache.

Risiken

Vorangegangener Herzinfarkt

Unbehandelter Bluthochdruck

Bestehende Herzgefässerkrankung

Hoher Blutcholesterinspiegel

Diabetes

Übergewicht

Rauchen

Prävention

Abklärung vorhandener Risikofaktoren

Ärztliche Belastungsuntersuchung

Individuell abgestimmtes Aufbautraining

Vernünftiges Verhalten

Auf Touren regelmässig essen und trinken

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