Präsidentenkonferenz in Bern. Der Dachverband ist gefordert

Der Dachverband ist gefordert

Planung und besonders Budget 2002 veranlassten die Sektionspräsidentinnen und -präsidenten, sich auch grundsätzlicher mit der zukünftigen Marschrichtung des SAC auseinander zu setzen. Welche Dienstleistungen und Aktivitätsbereiche soll der SAC als Dachverband anbieten, und was darf dies kosten?

Ebenfalls hatte sich die Präsidentenkonferenz ( PK ) zu den sehr umfassend formulierten neuen Richtlinien für Bergsport und Umwelt zu äussern. Dabei stand nicht zuletzt die Frage im Zentrum, inwiefern der SAC auch politische Stellungnahmen ( z.. " " B. Abstimmungsparolen ) abgeben soll.

Schwieriger Spagat

Von den insgesamt 112 SAC-Sektionen waren am Samstag, 17. November 2001, im Haus des Sports 99 durch ihre Präsidentinnen und Präsidenten vertreten. Nach der Begrüssung und dem Bericht der Geschäftsprüfungskommission leitete Zentralpräsident Franz Stämpfli zur Präsentation der Jahresplanung über. In diesem Zusammenhang wies er auf das Problem hin, dass immer mehr unterschiedliche, teils sich sogar gegenseitig ausschliessende Interessen angemeldet werden, die der Zentralvorstand dann unter einen Hut zu bringen hat. Es gilt deshalb, sich zu überlegen, welche Bedürfnisse der Dachverband abdecken soll und kann und welche nicht. Insgesamt erwartet man vom Dachverband zunehmend mehr und bessere – eben professionelle – Leistungen, gleichzeitig steigt aber auch die Skepsis gegenüber dem « Zentralismus ». Der SAC übt sich auf Grund seines sehr breiten Aktivitäts-spektrums und der sich daraus ergebenden Notwendigkeit zur Mittelbeschaffung in verschiedenen Bereichen zunehmend im Spagat: Das gilt für die Frage bezüglich Umfang und Vorgehen beim Sponsoring ebenso wie in seinem ver-bandspolitischen Verhalten, wo er sich sowohl als Sportverband als auch als Umweltverband zu profilieren versucht.

Jahresplanung 2002

Zwei Themen werden das folgende Jahr prägen: Das UNO-Jahr der Berge und die Expo.02, an der der SAC auf der Arteplage in Neuenburg mit einem Boulderprojekt präsent sein wird. Während die damit verbundenen Aktivitäten sowie die Vorstellung der Zielsetzungen in den meisten anderen Tätigkeitsbereichen kaum viel zu reden gaben, boten das Projekt der Topalihütte und vor allem dann auch das Budget 2002 mehr Diskussionsstoff.

Die Topalihütte Dabei handelte es sich ursprünglich um eine einfache Selbstversorgerhütte, die, vor allem an Wochenenden von Alpinisten besucht, nur eine geringe Belegung aufzuweisen hatte. Das vorgestellte Bauprojekt erfordert jetzt aber Investitionen von etwas über 1,3 Mio. Franken. Das wirft die Frage auf, warum diese der Sektion Genevoise gehörende bisher nur wenig benutzte Hütte mit derart hohen Kosten wiederhergestellt werden soll. Die Begründung von Peter Büchel, Präsident der Hüttenkommission, zeigte, wie auf Grund einer Veränderung der Verhältnisse eine Hütte plötzlich eine völlig andere Bedeutung erhalten kann: Durch die Einrichtung eines neuen grossen Wanderweges, der vom Jungtal schliesslich bis nach Zermatt führen soll, ist die Topalihütte plötzlich zu einem Berg-wander-Etappenort von entscheidender Bedeutung geworden. Die Notwendig-

Am Vorstandstisch: Zentralpräsident Franz Stämpfli in angeregtem Gespräch mit Geschäftsführer Peter Mäder DIE ALPEN 12/2001

keit des Hüttenneubaus wurde damit allgemein anerkannt und dem Projekt mit grossem Mehr zugestimmt.

Budget 2002 Aufs Korn genommen wurden die in einzelnen Bereichen vorgenommenen Abweichungen des Budgets gegenüber der von der Abgeordnetenversammlung angenommenen Dreijahres-Finanzpla-nung. Dabei stiess man sich vor allem an den steigenden Personalkosten. Der Geschäftsführer wies demgegenüber darauf hin, dass das Budget 2002 im Endergebnis – abgesehen vom Hüttenfonds – ziemlich genau der Finanzplanung entspricht. Seitens der Westschweizer Sektionen bestand hierzu noch ein Antrag, in Zukunft ein insgesamt ausgeglichenes Budget zu präsentieren. Mit der anschliessenden Annahme des Budgets 2002 ( mit 53 zu 36 Stimmen ) scheiterte der ebenfalls eingebrachte Antrag auf Ablehnung. Zentralpräsident Franz Stämpfli nahm das in zahlreichen Voten zum Ausdruck gekommene Unbehagen jedoch als wichtigen Anstoss auf, sich zukünftig im Sinne einer entsprechenden Kostendämpfung einzusetzen.

Möglichkeiten und Grenzen der SAC-Umweltpolitik

Richtlinien-Entwurf « Bergsport und Umwelt » Diese vom Ressort Schutz der Gebirgswelt ausgearbeiteten und nun der PK vorgestellten Richtlinien befinden sich zurzeit bei den Sektionen in der Vernehmlassung. Entsprechend ging es darum, die PK als Ganzes in den Meinungsbildungs-prozess über dieses 21-seitige Papier einzubeziehen, in welchem über praktisch jeden denkbaren alpinen Umweltbereich – von der Energiegewinnung über Tourismusverkehr, Kommunikations-anlagen bis hin zur nationalen und internationalen Alpenpolitik – eine SAC-Position festgelegt wird. Neben einigen befürwortenden Stimmen meldeten sich solche, die einer stärkeren Rückbesinnung auf die eigentliche alpinistisch-bergsportliche Kernaktivität des SAC forderten. Die anlässlich der Vorstellung der neuen Richtlinien hervorgehobene Aussage, diese würden ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Schützen und Nützen garantieren, blieb ebenfalls nicht unwidersprochen. Insgesamt liess sich aus den Voten heraushören, das Papier sei zu umfangreich und enthalte problematische Punkte und Konsequenzen. Eine grundsätzliche inhaltliche In-Frage-Stellung ergab sich daraus jedoch nicht. Vorstellung der Alpenkonvention In diesem Zusammenhang war man seitens des Zentralvorstandes interessiert zu erfahren, in welcher Form der SAC in Zukunft überhaupt zu umweltpolitischen Fragen Stellung nehmen sollte. Das zum Ausdruck kommende Meinungsspektrum war vielfältig. Inwiefern soll sich der SAC in politische Umweltdiskussio-nen einlassen? Soll er sich diesbezüglich zurückhalten, soll er einen SAC-eigenen Standpunkt definieren und darüber breiter informieren, oder soll er sogar für aktuelle politisch ausgerichtete Um-weltziele lobbyieren? Bei Letzterem geht es auch darum, ob der SAC z.B. zu Abstimmungen über Themen, die sein Tätigkeitsgebiet betreffen könnten, eigene Parolen herausgibt. Ein entsprechender Einstieg in die Politik stiess auf ein eher ablehnendes Echo. Ausdiskutieren liess sich die sehr breit angelegte Problematik allerdings nicht, und so war man der Ansicht, der Zentralvorstand solle in solchen Fragen von Fall zu Fall selber entscheiden. Dabei wurde auch nochmals auf den immer schwieriger werdenden Spagat hingewiesen, den der SAC auf Grund der an ihn gerichteten unterschiedlichen Erwartungen zu leisten hat. Ein solcher Spagat hat seine Grenzen – sonst muss das Risiko in Kauf genommen werden, dass ein Riss entsteht.

Termine

Um 16.15 Uhr schloss Zentralpräsident Franz Stämpfli mit bestem Dank an die aus der ganzen Schweiz angereisten Sektionspräsidentinnen und -präsidenten die Konferenz.

Als Daten für die nächsten Konferenzen sind zu notieren: Abgeordnetenversammlung vom 8. Juni 2002 an der Expo.02 in Neuenburg und die Präsidentenkonferenz vom 9. November 2002 im Haus des Sports in Bern. a

eg Präsentation des Topali-Hütten-projekts durch Hüttenkommissionspräsident Peter Büchel. Daneben die SAC- Zentralvor-standsmitglieder Elisabeth Zingg ( Alpinismus ), Samuel Estoppey ( Leistungssport ), Thomas Tschopp ( Hütten/ Natur ), Peter Mäder ( Geschäftsführer ), Bettina Geisseler ( Juristin ) Sektionspräsidentinnen und -präsidenten von 99 der 112 SAC-Sektio-nen diskutierten am 17. November 2001 im Haus des Sports in Bern über Jahresplanung und Budget 2002.

Fo to s:

Lu ka s W eb er DIE ALPEN 12/2001

Sicherheit, Medizin, Rettungswesen

Sicurezza, medicina, soccorso in montagna

Sécurité, médecine, sauvetage

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