Quo vadis SAC-Verlag?

Seit 1902, also seit mehr als 100 Jahren, gibt der SAC Clubführer (jetzt « Alpinführer ») heraus. Gemäss Wegleitung müssen diese die Berge der Schweiz «umfassend und enzyklopädisch» beschreiben. Um die Herausgabe solcher Clubführer zu vereinfachen, wurde seinerzeit der SAC-Verlag gegründet. Die Zweckbestimmung des Verlags wurde später erweitert. Aktuell steht im SAC-Leitbild, dieser solle «ein breites Angebot an Führer- und Fachliteratur» verlegen. Wenn ich die Liste der Neuerscheinungen anschaue, werden neuerdings fast ausschliesslich Bücher der Sorte «breites Angebot» verlegt: Wander-, Ski-touren- oder Auswahlführer und ein paar Fachbücher. Ein Programm, so beliebig, dass es aus irgendeinem Sportbuchverlag kommen könnte.

Hauptaufgabe und Kernkompetenz des Verlages sind jedoch nach wie vor die Alpinführer. Nur ein Alpinführer bietet dem Berggänger eine möglichst aktuelle Beschreibung aller bekannten Routen. Und hier beginnt das Problem: Infolge der Klimaerwärmung, neuen Be-wirtschaftungsformen der Alpen und vielen andern Ursachen veralten die Alpinführer relativ schnell. Eine Überarbeitung alle zehn Jahre wäre angebracht, nach spätestens 20 Jahren ist eine Neuauflage absolut erforderlich.

Bei einem Bestand von 38 Alpinfüh-rern würde das heissen, es müssten jährlich zwei bis vier überarbeitete Bände erscheinen. Diese Zahl wird nicht annähernd erreicht. Soviel ich weiss, erschien 2007 einer und letztes Jahr gar keiner. Einige Ausgaben sind mittlerweile 20 und mehr Jahre alt – und die Neuauflage ist noch nicht einmal in Arbeit. Dabei dauert eine solche gut und gern weitere fünf Jahre.

Zentralvorstand und Verlagskommission wären gut beraten, im wahrsten Sinne des Wortes «über die Bücher zu gehen». Der SAC riskiert sonst, in Sachen alpinem Fachwissen den Anschluss noch ganz zu verpassen. Dieses Wissen wandert nämlich zunehmend in spezielle Foren im Internet ab, wo durch die Mitarbeit von Freiwilligen – ähnlich wie bei Wikipedia – genau diese «umfassenden und enzyklopädischen» Daten über Routen zusammengetragen werden, die bisher die Domäne der SAC-Alpinführer waren.

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