Raus mit den Batterien! Richtige Aufbewahrung und Pflege der Lawinensicherheitsausrüstung im Sommer

Obwohl im Hochgebirge auch während des Sommers ein gewisses Lawinenrisiko herrscht, ruht die Sicherheitsausrüstung in dieser Jahreszeit meistens. Wichtig ist, dass die Utensilien dann gründlich geprüft und gewartet werden.

Wenn nach einem langen Sommer endlich wieder die erste Skitour ansteht, ist man oft konsterniert: Die Batterien im Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) sind ausgelaufen, die Sonde hat oxidiert, der Schaufelstiel klemmt, und der Airbag im Rucksack funktioniert auch nicht mehr. Müde von der letzten Wintersaison hatte man seine Ausrüstung danach links liegen gelassen. Der Bergführer und Mammut-Salesmanager Louis Piguet kennt dies bestens. Für ihn ist der Check der Sicherheitsausrüstung vor dem Sommer genauso wichtig wie das Wissen darum, was im Fall eines Lawinenniedergangs zu tun ist.

Auslaufen der Säure verhindern

Beispiel LVS-Gerät: Laut Louis Piguet ist hier das Hauptproblem das Batteriefach, das oft mit ausgelaufener Batteriesäure verunreinigt ist. Im Gegensatz zu Lithiumbatterien, die nicht auslaufen, müssen Alkalibatterien vor längerem Nichtgebrauch zwingend entfernt werden, damit sie das Gerät nicht mit der Flüssigkeit beschädigen. «Das ist mir sogar schon im Winter passiert», sagt Louis Piguet: Nach einer Übung habe er vergessen, das LVS-Gerät abzuschalten, und eine Woche später sei es komplett unbrauchbar in seinem Rucksack gelegen (nach der Entladung seien die Batterien ausgelaufen). «Es kommt auch vor, dass ein LVS mit verschmutzten Kontakten beim Gruppentest normal sendet, sobald es jedoch mit Feuchtigkeit – etwa mit Schweiss – in Kontakt kommt, bricht die Verbindung ab.» Der Fachmann rät übrigens, mit Säure verschmutzte Kontakte niemals selbst zu reinigen, weil die empfindlichen Teile bei der geringsten Druckbelastung kaputtgehen können.

LVS: Lauwarmes Wasser hilft

Natürlich kann man intakte Kontakte mit einem alkoholgetränkten Wattestäbchen sorgfältig reinigen, da auch sie manchmal wegen der Feuchtigkeit vom Schwitzen oxidieren. Um grundsätzlich zu verhindern, dass der Aktivierungsmechanismus des Geräts mit der Zeit verschmutzt wird, empfiehlt Louis Piguet ausserdem, das LVS unter lauwarmes Wasser zu halten und dabei den Hauptschalter mehrmals zu betätigen. Danach sollte man das Gerät an der frischen Luft (jedoch nicht an der Sonne) trocknen lassen. Auf keinen Fall sollte zum Trocknen ein Föhn verwendet werden.

Da man sich bei Lawinensicherheit keine halben Sachen leisten kann, ist es sicherlich klug, einen Fachhändler aufzusuchen, sobald man auch nur die kleinste Fehlfunktion feststellt. Überhaupt gehört es zu einer guten Wartung dazu, das LVS-Gerät vom Hersteller gründlich prüfen zu lassen. Der Sommer bietet sich dafür an.

Ab und zu einen kurzen Blick auf die Website des Herstellers zu werfen, kann auch nicht schaden. Denn vielleicht hat es seit dem Kauf ein wichtiges Update gegeben. Und schliesslich sollte man nicht vergessen, dass eine Neuanschaffung irgendwann zum Thema wird: Die maximale Lebenserwartung eines LVS-Geräts beträgt zehn Jahre, danach kann die Zuverlässigkeit der elektronischen Komponenten nicht mehr gewährleistet werden.

Immer wenn man sein LVS-Gerät aufs Neue verwendet, sollte man als Erstes sicherstellen, dass die Batterien ausreichend geladen sind. Bei Mammut etwa müssen die Alkalibatterien mehr als 40% und die langlebigeren und weniger kälteempfindlichen Lithiumbatterien mehr als 30% geladen sein. Bei Arva und Ortovox empfiehlt man, die Batterien zu wechseln, sobald sie unter 50% fallen. Solche Batterien kann man beispielsweise noch für ein Radio verwenden.

Skiwachs für die Schaufel

Wenn man Batterien aus der vorherigen Saison wiederverwendet, sollte das gleiche Set benutzt werden, um Ladungsunterschiede zu vermeiden. Bei einigen Geräten kann man auch zwischen Alkali- und Lithiumbatterien wählen. In diesem Fall fordert die Software den Benutzer auf, die Auswahl festzulegen, da die Ladezustandsanzeige sonst nicht richtig funktioniert. Ausserdem ist es nicht empfehlenswert, wiederaufladbare Batterien zu benutzen. «Ihre Nennspannung beträgt nur 1,2 Volt statt der geforderten 1,5 Volt», erklärt Louis Piguet. Wenn man sie in einem LVS-Gerät verwendet, kann ihre Ladung in kurzer Zeit erheblich abfallen.

Die Schaufel und die Sonde müssen ebenfalls gepflegt werden. Zumindest sollte man sie sich genauer anschauen und ihre Funktionen prüfen. Louis Piguet rät, sie mit Wasser abzuspülen und gut trocknen zu lassen. «Nach einer Tour kommt es vor, dass man seine Ausrüstung auf den Boden eines Parkplatzes legt. Das Salz dort kann dazu führen, dass das Aluminium korrodiert und die Elemente sich nicht mehr richtig zusammenstecken lassen.»

Allfällige Einkerbungen an der Schaufelkante können mit einer Feile entfernt oder mit einem Schleifgummi ausgebessert werden. «Das optimiert das Eindringen in den Schnee und verhindert Schäden am Rucksack sowie Verletzungen.» Ausserdem beschichtet Louis Piguet die Verschlussarretierung der Teleskopschaufel mit Silikon, wachst das Schaufelblatt mit Skiwachs und poliert es nach dem Trocknen. «Dadurch wird verhindert, dass der Schnee an der Schaufel kleben bleibt.»

Bei Lawinenairbags mit einem mechanischen System empfehlen die meisten Hersteller, die Kartusche zu entfernen und das System zu deaktivieren. Dadurch können sich die Federn entspannen, und ihre Wirksamkeit bleibt länger erhalten. Wer sich für das elektrische Airbagsystem entschieden hat, sollte nicht vergessen, es zu entschärfen und die Anweisungen des Herstellers zur Batteriewartung zu befolgen. Louis Piguet prüft auch die Metallschnallen an den Riemen des Airbagrucksackes. Eine korrodierte Schnalle verliert nicht nur an Stabilität, sondern kann auch das Gewebe der Gurte zerreissen.

Airbag: Kartusche entfernen

Man sollte zudem unbedingt den Airbag auseinanderfalten, um sicherzugehen, dass er keine Risse hat, die oberflächlich oft kaum zu sehen sind. Der Airbag muss vor dem Verpacken trocken und korrekt im Rucksack befestigt sein. Zusätzlich zu einem jährlichen Auslösetest ohne Kartusche empfiehlt der Bergführer, alle zwei bis drei Saisons einen Test mit Kartusche zu machen. Darüber hinaus raten einige Hersteller, den Airbag nach fünf Jahren Gebrauch überholen zu lassen, wobei auch hier zu berücksichtigen ist, dass die maximale Lebenserwartung eines solchen Systems zehn Jahre betrgt. Holt man die Kartusche zu Saisonbeginn wieder hervor, sollte man sie wägen, um sicherzustellen, dass sie noch voll ist.
Wenn der Skitourengeher seine Ausrüstung auf diese Weise kontrolliert, wartet und sie an einem trockenen, vor Hitze und Sonneneinstrahlung geschützten Ort deponiert, kann er leichten Herzens den ganzen langen Sommer geniessen und dann sorgenfrei die nächste Skitourensaison in Angriff nehmen.

Autor / Autorin

Alexandre Vermeille

Vorsicht vor Sommerlawinen!

Je nach Schneelage im Hochgebirge kann es notwendig sein, auch im Sommer die Lawinenschutzausrüstung hervorzuholen. Hier die Erläuterungen des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF).

Feedback