Retour bei den Weissensteinern Abschiedsskitour mit Frank-Urs Müller

Frank-Urs Müller war acht Jahre Zentralpräsident. Ein Rückblick auf zwei Amtsperioden mit vielen Höhen, aber auch ein paar Tiefen.

Treffpunkt Oberdorf ob Solothurn. Zentralpräsident Frank-Urs Müller wartet hinter der Bahnstation, er hat die Juraski dabei. «Ab und zu erwischt man doch einen Stein, hier auf den Juraketten», sagt er. Er wird recht behalten, auf der Abschiedstour «chrost» es immer wieder mal unter den Brettern, der Schnee ist nach drei warmen Föhntagen mürbe. Egal, um die «Pommes frites» des Redaktors ist es nicht schade und um die alten Latten des Zentralpräsidenten auch nicht. Sicher, man hätte ein attraktiveres Gebiet wählen können, etwa die Region Les Diablerets, wo Müller am Wochenende vorher an einem Skitourenrennen am Start gestanden ist und am Sonntag an der Siegerehrung gesprochen hat. «Als ich vor acht Jahren Zentralpräsident wurde, hätte ich es nicht gewagt, ohne schriftliche Vorlage eine Rede auf Französisch zu halten», erzählt er. Es sei eines seiner persönlichen Ziele gewesen, besser Französisch zu sprechen.

Spannung zwischen Nutzen und Schützen

Der Spitzensport im SAC ist eines der Themen, die Müller in seinen acht Jahren als Zentralpräsident beschäftigt haben. «Sowohl beim Sportklettern als auch bei den Skitourenrennen verfügt der SAC über eine breite Basis, die den Nachwuchs für die Spitze liefert.» Sicher wäre es ein Erfolg für die Sportart, wenn Sportklettern olympisch wird, «wir müssen aber aufpassen, dass wir die negativen Begleiterscheinungen des Spitzensports wie etwa die Dopingproblematik im Auge behalten», meint er.

Die Strecke von Oberdorf durch die Chlus ist steil, «das ist meine Trainingsstrecke für die Patrouille des Glaciers», sagt Müller, während er zügig bergan steigt.

Beim Althüsli kommen mehr und mehr Schneeschuhspuren zu den Aufstiegsspuren der Skitouristen. Es ist ein Zeichen, wie gross der Druck auf die Landschaft ist. «Wir bekommen das zu spüren, weil dadurch auch der freie Zugang mehr und mehr eingeschränkt werden soll», sagt Müller, «für den Verband wird das Thema Recht auf freien Zugang in Zukunft immer wichtiger werden.»

Das Spannungsfeld zwischen Nutzen und Schützen ist für den scheidenden Zentralpräsidenten aber keine wirkliche Belastung, «das gehört seit je zum SAC», sagt er.

Eher um den Schutz der Hochgebirgslandschaft geht es beim immer wieder konfliktreichen Thema Gebirgsfliegerei. «Absolut richtig», findet er im Rückblick den Entscheid des Zentralvorstands, gegen die Verordnung des Verkehrsdepartements UVEK zu den Gebirgslandeplätzen in Zermatt gerichtlich vorzugehen. «Das Bundesverwaltungsgericht hat die Position des SAC, der eine Beschränkung der Gebirgsfliegerei fordert, gestärkt.» Es habe sich gezeigt, dass unsere Umweltrichtlinien auch einer juristischen Beurteilung standgehalten haben und dass die eidgenössische Natur– und Heimatschutzkommission ENHK den Standpunkt des SAC mehr oder weniger übernommen hat. «Was mich beschäftigt hat, war die Reaktion einiger Personen, die mich persönlich massiv und unter der Gürtellinie angegriffen haben», sagt Frank-Urs Müller.

In dieselbe Zeit fiel auch ein Personalproblem, das schliesslich zum Rücktritt eines Kommissionsmitglieds führte, auch dies sei keine einfache Situation gewesen. «Mir ist aber meine berufliche Erfahrung als Richter zugutegekommen.» Es sei in seinem Amt, wie im Beruf, oft darum gegangen, Kompromisse zu suchen und Lösungen in Konfliktsituationen zu finden, die für alle Beteiligten einen gangbaren Weg aus einer verfahrenen Situation geöffnet hätten.

Gleichgewicht von Touren und Sitzungen

Zwischen der Hasenmatt und der Stallfluh fällt der Blick !von den Jurahöhen aufs Mittelland, sehr nah erscheint der Alpenkranz, wo der Föhn um die Gipfel tost. «Eines meiner persönlichen Ziele war, ein Gleichgewicht zwischen den Bergtouren und den Sitzungen zu halten.» Ganz gelungen sei das nicht, «auf meiner kleinen Statistik ist das Verhältnis bei eins zu zwei.» Unvergesslich seien aber die Sitzungen des Zentralvorstands mit anschliessender Bergwanderung gewesen, «danach konnte ich jeweils auf beiden Seiten einen Strich machen». Eingeprägt haben sich ihm auch die Touren mit einem Bergführer der Geschäftsstelle und einem Vorstandskollegen. «Wir waren zusammen auf der Dent Blanche, auf dem Matterhorn – ich bin froh, war ich dort oben – und auf dem Weisshorn auf der Normalroute.»

Das Revier des scheidenden Zentralpräsidenten sind aber die Juraketten und der Weissenstein. Die Abfahrt durch die «Hasta-Schneise», wie er sie nennt, führt durch nässesten Nassschnee hinab nach Subigerberg. Der letzte Gegenanstieg führt hinauf zum Oberdörferberg. Hier kennt Frank-Urs Müller jeden Stock und jeden Stein – entsprechend wenig Kratzer bekommen seine Ski ab.

Gemeinschaft und Zusammenhalt

An diesem Mittwochabend ist die Mittwochsgruppe der Sektion Weissenstein auf Wanderung. Zwei rüstige Mitglieder marschieren hinauf zum Restaurant und grüssen. Treffpunkt ist das Restaurant Oberdörfer, wo für die Mitglieder der Mittwochsgruppe ein Abendessen bereitsteht.

Hier sind die Weissensteiner unter sich, grosses Hallo. «Bist du noch im Amt?», wird der der Nochzentralpräsident begrüsst. «Ja, aber am 15. Juni ist Schluss», erwidert Müller, «es wird ein grosses Fest werden im Saal im Casino Interlaken, der Bundespräsident kommt auch.» «Und der Nachfolger? Ist er schon bestimmt?», fragt ein anderer. «Nein, erst designiert. Françoise Jaquet soll an der AV gewählt werden.» Man merkt, dieser Kontakt zu den Weissensteinern ist es, was Frank-Urs Müller wichtig war und ist am SAC: «Es geht um die Gemeinschaft, um die Menschen im SAC. Es geht darum, dass wir zusammenhalten und uns für unsere Werte und die Berge einsetzen.» So gelinge es auch, den Rösti- und andere Gräben zu überwinden, welche die Gesellschaft zu spalten drohen. Sagts und macht sich bereit für die Abfahrt durch den weichen Nassschnee und über die letzten Schneereste vom Oberdörfer hinab nach Crémines. Es ist etwas spät geworden. Zum Glück hat der Redaktor die Stirnlampe dabei. Trotzdem gibts noch den einen oder andern Kratzer.

Wichtige Daten der Präsidentschaft

11. Juni 2005 Wahl in Spiez

Oktober 2005 Gründung der Stiftung Alpine Rettung Schweiz

AV 2006 Annahme des totalrevidierten Hütten-reglementes und Einführung der Aus- und Fortbildungspflicht für Tourenleitende

2007/2008 Thema Gender im SAC

2007 Zentralfest Grindelwald

2008 Einsatz gegen die Initiative zur Ein-schränkung des Verbandsbeschwerderechts

2009 Kunstausstellung «Wanderziel Kunst:Ein- und Aussichten»

AV 2009 Einführung einer fixen Anzahl Delegierter (Anzahl Sektionen × 2)

2009 Bau neue Monte-Rosa-Hütte

AV 2010 Ablehnung des Projekts «Alpenlandschaft Zukunft», Erhöhung des Mitgliederbeitrages um CHF 5.– (Einzel)/8.– (Familie)

2010/2011 Einführung SAC-Jugend-Leistungsbergsteigen mit Expedition

2011 Zentralfest Davos

AV 2011 Bildung von Zweckverbänden/Regionalzentren im Leistungssport

AV 2012 AGB für Hütten

2012 Beschluss Abwasserstrategie für Hütten durch ZV

2013 150 Jahre SAC: «Mehr als Bergsport» und Strategie/Leitbild 2020

15. Juni 2013 Wieder meh z Bärg!!!

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