Rettungsarbeit des SAC 1995

Seit 1992 erfasst der SAC alle Bergnotfälle, die eine organisierte Luft- oder Bodenrettung notwendig machten, sowie alle Notfälle, bei denen SAC-Rettungs-spezialisten zum Einsatz gelangten.

Es liegen nun die Zahlen über die vier vergangenen Jahre vor. Anhand dieser Statistiken werden Schulung und Ausrüstung der SAC-Rettungsleute optimiert, und zusätzlich kann durch eine zielgerichtete Ausbildung der SAC-Mit-glieder ein wesentlicher Beitrag zur Unfallverhütung geleistet werden. Gleich wie im Vorjahr wird zuerst über die Rettungsarbeit des SAC berichtet; im nächsten Heft folgt dann die Analyse aller Bergnotfälle 1995 mit einer detaillierten Statistik der tödlichen Bergunfälle.

Die Rettungsarbeit des SAC insgesamt Rettungen im schwierigen Gelände erfordern den Einsatz von Rettungsspezialisten. Der SAC rekrutiert und bildet diese Rettungsspezialisten ( Bergführer, Lawinenhundeführer, Ärzte, SAC-Rettungsleute ) aus. Sie sind in 147 Rettungsstationen über das ganze Land verteilt und stehen bei Flugwetter den regionalen Flugrettungsorganisationen ( REGA, AIR-GLACIERS, AIR ZERMATT ) auf Abruf zur Verfügung. Bei schlechtem Wetter rücken sie terrestrisch aus.

1995 führten SAC-Rettungsleute 496 Rettungsaktionen mit 667 betei- ligten hilfebedürftigen Personen durch. Dies sind 30 % weniger Einsätze als im Vorjahr ( vgl. Grafik 1 ). Der Grund für diese Abnahme dürfte einerseits durch das schlechte Wetter in der zweiten Sommerhälfte und andererseits durch die guten Verhältnisse während der Schönwetterperioden gegeben sein.

Wie in den drei Vorjahren kamen die SAC-Rettungsleute in 70% für klassische Bergnotfälle ( Wandern, Hochtouren, Klettern, Tourenskifahren, Variantenskifahren, Delta- und Gleitschirmfliegen ) zum Einsatz. 30% aller Personen stammten aber wieder aus bergsportfremden Bereichen wie Verkehrs-, Skipisten-, Arbeits-, Jagd-, Flug- oder sonstigen Sport-Unfällen. Es scheint, dass dieser Anteil von einem Drittel bergsportfremder Notfälle auch in Zukunft konstant bleiben wird ( vgl. Grafik 2 ).

Wie in den drei Vorjahren erfolgten die SAC-Rettungseinsätze zu 20 % rein terrestrisch und zu 80% in Zusammenarbeit mit einer Luftrettungsorganisation. Insgesamt leisteten SAC-Rettungsleute 8259 ( 1994: 12 525 ) Einsatzstunden, wobei davon über 70% für Suchaktionen aufgebracht werden mussten.

Die Suchaktionen machten wie in den Vorjahren rund 40% aller SAC-Rettungseinsätze aus, und wiederum konnten rund 80% aller Vermissten gefunden werden. Im Durchschnitt Grafik 1:

SAC-Rettungen 1992-1995 1992 1993 1994 1995 kostete 1995 ein SAC-Rettungseinsatz Fr. 140O.(1994: Fr. 1500. ). Die Nationalität der 667 Beteiligten entspricht in etwa dem Vorjahr ( vgl. Grafik 3 ).

Die Rettungsarbeit des SAC bei den Bergnotfällen in der Schweiz Bei den klassischen Bergnotfällen retteten die Flugrettungsorganisationen wiederum rund 65% der Beteiligten ohne SAC-Mithilfe. 27 % wurden durch die SAC-Spezialisten in Zusammenarbeit mit dem Helikopter und 8 % durch den SAC terrestrisch gerettet ( vgl. Grafik 4 ).

Fallbeispiel 1: Bergsportfremder Notfall: Lawine auf Pistengebiet Ein Pistenskifahrer quert ca. 50 m neben der Piste in einen Steilhang und löst ein Schneebrett aus. Ein Teil der Piste wird verschüttet. Augenzeugen sehen keine Ausfahrtspuren. Der Pisten-SOS organisiert zusammen mit der lokalen SAC-Rettungsstation und einer Flugrettungsorganisation den Einsatz von Lawinenhundeführern und Sondiermannschaften. Nach dreistündigem aufwendigem Einsatz meldet sich der verantwortliche Skifahrer selber, und die Suche kann abgebrochen werden.

Fallbeispiel 2: Terrestrische Suchaktion: Vermisster Wanderer Ein älterer Wanderer wird seit Tagen vermisst. Sein Auto steht verlassen auf einem Parkplatz. Genauere Angaben über das Wanderziel fehlen. Die Leute der lokalen Rettungsstation ä Bergungsarbeit am Mönch Beteiligte Rettungseinsätze Sicherheit, Medizin, Rettungswesen Grafik 2:

SAC-Rettungsarbeit 1992, 1993, 1994 und 1995 1000- 900- 800- 700600- 500- 400-

-m r-

300-

200- 100- 0-

_—1+_

1992 Bergnotfälle 1993 19941995 Andere Notfälle suchen in der Folge alle Wanderwege der betreffenden Region ab. Nach mehrtägiger Suche werden Kleidungsstücke in einem bewaldeten Couloir gesichtet. Rettungsspezialisten des SAC orten den Vermissten schliesslich tot auf einem schwer zugänglichen Felsband.

Fallbeispiel 3: Helikopterrettung mit SA C-Sp ezia listen Spätabends werden in einer unwegsamen Felswand unter einem Überhang Lichtsignale gesehen. Mit der Helikopterwinde können beim Eindunkeln zwei Rettungsspezialisten des SAC auf einer Felsnase abgesetzt werden. Nach einer kurzen Seiltraverse kann die Notfallstelle erreicht werden, wo sich sechs unerfahrene jugendliche Wanderer im steinschlag-und absturzgefährdeten Gelände verstiegen haben. Sie sind weder für eine solche Tour noch für ein Biwak ausgerüstet. Sie werden einzeln auf die Felsnase gebracht, gesichert und der Helikopterwinde übergeben. Abschluss der Aktion 23.30 Uhr.

Diskussion 1995 hat die Anzahl der SAC-Ret-tungsaktionen mit knapp 500 Einsätzen und rund 670 Beteiligten gegenüber dem Vorjahr um 30 % abgenommen. Diese Abnahme ist einerseits durch die schlechten Wetterbedingungen der zweiten Sommerhälfte und die guten Verhältnisse in den Schönwetterperioden bedingt. Andererseits dürfte auch die rückläufige Tendenz im Tourismus dazu beigetragen haben.

Über 70% aller Einsatzstunden der SAC-Rettungsleute erfolgte wiederum für Suchaktionen, wobei rund 80% aller Vermissten gefunden werden konnten.

Es scheint, dass sich die SAC-Retter alljährlich mit einem Drittel berg-sportfremd Verunglückter ( Skipisten-, Verkehrs-, Arbeits- und Flugunfälle ) befassen müssen. Dieser Anteil ist in den letzten vier Jahren absolut konstant geblieben. Ein grosser Teil der SAC-Rettungsarbeit findet also im öffentlichen Interesse statt. Diese Tatsache muss bei den Diskussionen um die Finanzierung des SAC-Rettungs-wesens entsprechend gewichtet werden, denn ein staatliches, gleichwertig effizientes System dürfte ein Mehrfaches kosten.

Rund 65 % aller Bergnotfalleinsätze konnten von den Flugrettungsorganisationen ohne Hilfe des SAC durchgeführt werden. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit des SAC mit den Flugrettungsorganisationen ( REGA, AIR-GLAGERS, AIR ZERMATT ) und den Skipisten-SOS ist gut. Bei Zuständigkeitsabklärungen in Grenzgebieten müssen die Einsatzleiter und Rettungschefs der bestmöglichen und schnellsten Versorgung eines Hilfebedürftigen absolute Priorität einräumen.

Die Analyse der Rettungsarbeit 1992 bis 1995 bestätigt die Notwendigkeit, gut ausgebildete SAC-Ret- Bilder Seiten 18 und 19: Klemmspaltenrettung im Jungfraugebiet 370 13 CHDFI Grafik 3:

SAC-Rettungen 1995 -Nationalität der Beteiligten NE GB Übrige Grafik 4:

Bergnotfälle Schweiz - Rettungen Delta Variantenski - Gleitschirm Klettern Skitouren Hochtouren Wandern 0100200 H Terrestrisch SAC 300400 Helikopter mit SAC tungsspezialisten und geländetaugli-che Ärzte zur Verfügung zu haben. Für Rettungsaktionen bei schlechtem Wetter, Suchaktionen in bewaldetem Gebiet, Aktionen im Hochgebirge, Lawinen- und Gletscherspaltenunfällen und bei der Bergung verunglückter Gleitschirmer in schwierigem Gelände wird es immer SAC-Retter mit speziellen Kenntnissen brauchen. Die Tatsache, dass die SAC-Rettungs-arbeit in den letzten Jahren unfallfrei durchgeführt werden konnte, spricht für eine effiziente und genügende Ausbildung unserer Rettungsleute.

Unsere SAC-Rettungsorganisation ist, als ein wichtiger Bestandteil der Schweizer Rettungskette, eine absolut notwendige Ergänzung zum Flugrettungswesen und eine unabdingbare Voraussetzung für eine effiziente Rettungsarbeit im Gelände. Rettungskommission SAC Arbeitsgrupe Statistik, B. Durrer, R. Hassler, H. Jacomet, U. Mosimann

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