Roberts, David: La Face Perdue

Éditions Guérin, Chamonix 1997. FF 13O. Michel Guérin, Verleger in Chamonix, macht prächtige Bergbücher mit klugen Texten, sorgfältig ediert und knallrot eingebunden. Eine seiner Entdeckungen ist der amerikanische Alpinist und Schriftsteller David Roberts, der 1997 im amerikanischen Men's Journal den atemberaubenden Denkmalsturz von Heinrich Harrer eingeleitet hat. Gleich zwei Bände von David Roberts hat Guérin in französischer Übersetzung herausgebracht: die Essay-Sammlung Moments de Doute und den Roman La Face Perdue.

Dieser schildert packend eine Grundfrage des Alpinismus: Ist der Bergsteiger ganz oben auf dem Gipfel gewesen oder nicht? Wenn nicht, wie verhält er sich? Sagt er den andern die ganze oder nur seine Wahrheit?

Der faszinierende Roman erhielt 1997 den Grossen Preis des Bergbuch-salons von Passy und wartet auf eine Übersetzung ins Deutsche. Da es vielleicht nie soweit kommt, sollten Leserinnen und Leser, die in der Sprache von Rousseau und de Saussure etwas mehr als « piton, sommet und amour » verstehen, zur Face perdue greifen.

Daniel Anker, Bern

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