Ruedi Bhend, Grindelwald. Eispickelschmied mit klingendem Namen

Eispickelschmied mit klingendem Namen

Der weltweit bekannte Bhend-Eispickel wird während der Wintermonate mitten im Dorf Grindelwald geschmiedet. Ruedi Bhend berücksichtigt die persönlichen Wünsche für die individuell hergestellten Eispickel – auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Der traditionelle Pickel ist für jeden Alpinisten ein besonderer Ausrüstungsgegenstand, ein vielfältiges Hilfsmittel in Eis, Firn und Schnee, das für Sicherheit steht. Er ist das dritte Bein, das Werkzeug zum Stufenhacken und zum Verankern, der Haltepunkt bei Fehltritt und Rutschen. Der traditionelle Pickel ist der Nachfolger des langen Stocks der Jäger im Gebirge, der von den Pionieren des Alpinismus – so auch noch bei der Erstbesteigung des Matterhorns 1865 – verwendet wurde. Mit der Eroberung der Alpen nach 1850 stieg die Nachfrage nach solchen Eispickeln.

Exklusivität: Bhend-Eispickel 1870 gründete Karl Bhend in Grindelwald eine Schmiede, wo neben Huf- und Wagenschmiedarbeiten auch Eispickel entstanden. Der aufstrebende Alpinismus vergrösserte die Nachfrage nach Pickeln und Steigeisen. Und wie sein Urgrossvater Karl schmiedet auch Ruedi Bhend die Pickel noch immer ohne Ge-senk oder Schmiedeform, frei von Hand am Amboss – nur dass heute an Stelle des zweiten Schmiedehammers ein Lufthammer zur Verfügung steht. Jeder BhendPickel ist deshalb ein Unikat, sechs Stunden Handarbeit vom Stahl-rohling 1 bis zum polierten Eispickel.

1 Hergestellt werden die Pickel aus legiertem Vergütungsstahl mit 0,53% Kohlenstoff, 0,95% Silizium und 1% Mangan. Die Enden der Spitze und der Schaufel sind im Öl gehärtet. Der Schaft ist aus über Jahre gelagertem, speziell ausgesuchtem Eschenholz gefertigt.

Die Besitzer von Bhend-Eispickeln bilden eine lange Liste, darunter illustre Namen wie Sir Edmund Hillary und Tenzing, die sich 1953 bei der Erstbesteigung des Mt. Everest auf BhendPickel stützten, oder die Mitglieder der schweizerischen Himalaya-Expedition von 1956, der die Zweitbesteigung des höchsten Berges gelang. Als « Statussymbol für jeden Bergführer » bezeichnete ihn Paul Nigg, selber Bergführer und Autor, einmal. Nach 1930 entwickelte Alfred Bhend, der Vater des heutigen Geschäftsinha-bers, ein Leichtsteigeisen, anfänglich mit acht, später mit zehn Zacken. Der Auftraggeber musste seine Bergschuhe in die Schmiede bringen, damit die Steigeisen während des Herstellungsprozesses angepasst werden konnten. Das aufwändige Schmieden der Steigeisen wurde dann aber 1969 ganz durch die industrielle Herstellung abgelöst.

Ruedi Bhend, Eispickelschmied in der vierten Generation, an der Esse Polierte Bhend-Eispickel. Sie sind aus legiertem Vergütungsstahl hergestellt.

Ruedi Bhend schmiedet die Eispickel frei am Amboss, ohne Gesenk oder Schmiedeform.

Jeder Bhend-Eispickel ist ein Unikat. In der Besitzerliste figurieren illustre Namen wie Sir Edmund Hillary und Sherpa Tenzing.

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Hein z B ugm ann DIE ALPEN 10/2002

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