SAC-Hütten im Ferienland Schweiz

Ein Muss

SAC-Hütten im Ferienland Schweiz

Werden Dichte und Übernachtungszahlen der SAC-Hütten als Kriterien geltend gemacht, so ist der SAC eigentlich als grösste « Hotelkette » der Schweiz zu bezeichnen. Und wie alle diesbezüglichen Einrichtungen haben auch unsere Hütten mit ganz verschiedenen Problemen zu kämpfen. Zur Zukunft unserer Hütten auf Grund der vorangehenden Thesen machen sich ein Tourismusfach-mann, der Ressortleiter Hütten im Zentralverband SAC und zwei Hüttenwarte Gedanken.

Prof. Dr. Hansruedi Müller, Leiter des Forschungsinstituts für Freizeit und Tourismus ( fif ) der Universität Bern Zweifellos stellen die SAC-Hütten ein wichtiges Angebotselement in der touristischen Dienstleistungskette des Ferien-landes Schweiz dar. Im Zeitalter der Er-lebnisgesellschaft gewinnen sie noch zusätzlich an Bedeutung, denn wer über SAC-Hütten-Erfahrung verfügt, weiss, dass sie mehr sind als nur Schlafstellen. Jede SAC-Hütte hat ihre eigene Atmosphäre und ermöglicht je nach Wetter und Publikum ein einzigartiges Erlebnis. Im UNO-Jahr der Berge kommt dieser Art Erlebnis eine Schlüsselrolle zu. Die Umfrage von Marina Tonn und Ralph Näf ( vgl. Beitrag S. 22/23 ) hat ergeben, dass über die Hälfte aller Bergsteiger jährlich sechs und mehr Nächte in SAC-Hütten verbringt. Damit wird deutlich, dass mindestens für diese Gruppe die SAC-Hütten zu einem zweiten Zuhause geworden sind.

Eigenartig also, dass bei diesen günstigen Rahmenbedingungen die SAC-Hütten mit Problemen konfrontiert sind, wie sie der übrige Tourismus auch kennt: Qualitätsmängel, Informa-tionsdefizite, Rentabilitätsschwächen, Fi-nanzierungsschwierigkeiten. Deshalb scheinen mir die fünf vorgeschlagenen Stossrichtungen – infrastrukturelle Weiterentwicklung, Verbesserung der Service- und Umweltqualität, Attraktivi-tätssteigerung durch Zusatzangebote, Ausweitung der an die Gäste gerichteten Informationen sowie Verstärkung der segmentspezifischen Marktbearbei-tung – zukunftsträchtig zu sein. Der Weg führt also über ein umfassendes Quali-tätsentwicklungsprogramm. Doch Vorsicht, dass dabei der spezielle Charme jeder einzelnen SAC-Hütte, der stark durch den Hüttenwart geprägt wird, nicht verloren geht.

Dr. Thomas Tschopp, Ressortleiter Hütten/Natur im Zentralvorstand SAC In der Umfrage wurden Besucher nach Auswahlkriterien für ihren SAC-Hütten-besuch und den entsprechenden Erfahrungen interviewt. Die Auswertung der Fragebogen ergab wichtige Erkenntnisse sowohl für die hüttenbesitzenden Sektionen als auch für die Hüttenkommission.

Ergebnis für die Sektionen ist, dass Freundlichkeit, Sauberkeit und das Umweltbewusstsein der Hüttenwarte zu den wichtigsten Kriterien für zufriedene Gäste gehören. Diese Wünsche sollten eigentlich zu erfüllen sein.

An die Adresse der Hüttenkommission richten sich laut den Ergebnissen der Umfrage die Wünsche bei der baulichen Infrastruktur: Der heutige Gast, meist Individualist, verlangt nach kleineren Schlafräumen und nach verbesserten sanitären Anlagen. Wahrscheinlich wäre schon viel erreicht mit der Einrichtung von kleinen, individuellen Waschmöglichkeiten. Die knappe Was-ser- und Stromversorgung vieler Hütten lässt die Einrichtung von Duschen meist sowieso nicht zu.

Neben den Aspekten des Marketings gilt aber für den SAC, vor allem die Fragen der Hüttenfinanzen im Auge zu behalten. Ich denke an ein transparentes Inkasso von Übernachtungstaxen und von Umsätzen aus der Restauration, an eine flexible Preisgestaltung von Übernachtungstaxen und Halbpension gemäss Angebot und Nachfrage bis zu differenzierten Subventionen bei Umbauten gemäss der finanziellen Leistungsfähigkeit einer Sektion und der touristischen und wirtschaftlichen Bedeutung einer Hütte. Dies sind Ziele, welche im Hüttenreglement 2000 noch nicht verankert werden konnten.

Urs Müller und Renate Mayer, Hüttenwarte Etzlihütte Dass die Faktoren wie Freundlichkeit, Sauberkeit und Umweltbewusstsein massgeblich von den Hüttenwarten beeinflusst werden ( These 3 ), stimmt – wir Hüttenwarte können da zwischen 90 und 95% Einfluss nehmen. Vielleicht könnte man dafür den Begriff « umfassender Service » verwenden, wozu wir nebst gutem Essen Aufmerksamkeit als wichtig erachten. Auch eine gepflegte Bibliothek und aktuelle Zeitschriften gehören dazu. Gute spannende Lektüre wirkt sich positiv auf die Stimmung in der Hütte und auf die Ruhe aus und hebt dadurch das Wohlbefinden der Gäste. Es ist dieser umfassende Service, der sich in der Mund-zu-Mund-Werbung äusserst wirkungsvoll niederschlägt – natürlich auch im negativen Sinn, wenn er fehlt – und sich direkt auf die Belegungszahlen auswirkt.

Als Hüttenwarte brauchen wir aber auch die Unterstützung durch die hüttenbesitzende Sektion sowie durch den Zentralverband. Die richtige Positionierung der SAC-Hütten in der Tourismus-landschaft Schweiz oder das Ausschöpfen des brachliegenden Potenzials « Einzigartigkeit und Erlebniswelt ausserhalb der Hütte » sehen wir als Aufgabe, die nur mit vereinten Kräften gelöst werden kann.

Die These 4 – Infrastruktur entspricht nicht den Gästebedürfnissen – trifft si-

Prof. Dr. Hansruedi Müller Dr. Thomas Tschopp Fo to s: zv g DIE ALPEN 6/2002

cher für viele Hütten zu. Nur was heisst « kleinere Zimmer »? Die Tendenz zu Vier- oder sogar Zweibettzimmern kann unter Umständen Hütten in Zugzwang versetzen, der dann die finanziellen Möglichkeiten der Besitzersektion weit übertrifft. Ob das dem Image und der Entwicklung der SAC-Hütten förderlich sein wird? Wichtiger scheint uns die Ab-hebung von Berghotels und den Hotels im Tal: Natur- und Hüttenerlebnis erachten wir als hohen Stellenwert. Gäste für eine Nacht sollten wissen, dass sie in den SAC-Hütten willkommen sind. Und vor allem sollten sie darüber informiert sein, was sie in der ausgewählten Hütte erwarten können. »

Raymond und Patricia Angéloz, Hüttenwarte Cabane d' Orny Die Hüttenwarte sind – als « Seele der Hütte » – ein zentraler Faktor für die Belegung. Empfang der Gäste, Sauberkeit in den Räumen und der Respekt vor der Umwelt haben noch immer die gleiche Bedeutung, der Lebensstil der Gäste aber hat sich gewandelt. So kann das Bergwandern nur eine Aktivität unter anderen sein, und die Gäste haben noch andere Termine an diesem Tag. Unsere indivi-dualistisch geprägte Gesellschaft bereitet die Leute auch nicht mehr darauf vor, in einem Massenlager mit 30 Plätzen zu übernachten oder an einem Tisch mit einem Dutzend anderer Wanderer zu essen. Einige Alpinisten stehen sehr früh auf, andere Gäste muss man um 8.30 Uhr aus dem Bett holen. Die Infrastruktur der Hütten kann zweifellos verbessert werden, aber aufgepasst: nicht überborden. Zweierzimmer sind nicht nötig, denn Schlafräume mit 8 bis 10 Plätzen bieten bereits deutlich erhöhten Komfort. Das Gleiche gilt für die Duschen. Die sind nicht unbedingt notwendig, hingegen sollte eine Ecke zum Waschen zur Verfügung stehen. Dieser neuen Gästestruktur gegenüber hat der Hüttenwart eine Integrationsfunktion. Er muss seine Besucher im Voraus darüber orientieren, was sie erwartet, um so Enttäuschungen vorzubeugen.

Eine wichtige Aufgabe des Hüttenwarts ist auch das Marketing. Die Zahl der Übernachtungen hängt unserer Meinung nach davon ab, ob die Hütte für Ausbildungswochen und Kurse genutzt wird: Haben die Kursteilnehmer einen positiven Eindruck von der Hütte, kommen sie wieder. Nicht zu vernachlässigen ist der Hüttenzustieg. Früher wurde er von Freiwilligen unterhalten, die aber heute rar geworden sind. Auch der Zent-ralverband/die Geschäftsstelle spielen eine wichtige Rolle, drängen sich doch bei gewissen Problemen hüttenweite Lösungen auf wie beispielsweise bei den Bettdecken: Die Hüttengäste würden lieber unter einem Duvet schlafen, aber die im Handel erhältlichen sind für unsere Betten nicht geeignet. Mit einem Ge-samteinkauf via ZV/Geschäftsstelle von speziell für unsere Betten angepassten Duvets könnte diese Forderung relativ einfach erfüllt werden.

Zu einer besseren Unterstützung der Hüttenwarte durch den ZV gehört unserer Meinung nach auch die Anerkennung ihrer Arbeit. Selten wird ihnen für ihre Arbeit gedankt. Niemand aus diesen Gremien lässt sich blicken und erkundigt sich nach dem Wohlbefinden oder begutachtet ihre Arbeit. Unserer Meinung nach gibt der SAC eigentlich seinen Hüttenwarten die Mittel nicht in die Hand, damit sie Unternehmer sein können. Wie wäre es, wenn die Hüttenwarte in einem kleinen Ausmass an den Übernachtungen beteiligt wären? Hätten sie dann nicht ein grösseres Interesse daran, dass die Kunden über Nacht bleiben würden? a

Margrit Sieber und Karine Begey Renate Mayer und Urs Müller Patricia und Raymond Angéloz Foto: Urs Müller Fo to :P hilippe M etz ke r Cabane d' Orny Etzlihütte DIE ALPEN 6/2002

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