SAC und Ford Maverick. Leitplanken – auch bei Partnerschaften

Leitplanken – auch bei Partnerschaften

Im Februar 2003 ging ein Mailing für das Geländeauto Ford Maverick an sämtliche SAC-Mitglieder. Dieser Werbebrief, Teil einer vom Zentralvorstand beschlossenen Sponsoring-Partnerschaft mit Ford zu Gunsten des Wettkampfkletterns, führte zu Reaktionen.

Kurz nach der erfolgreichen Durchführung der Kletter-WM im Herbst 2001 konnte Ford als Partner für den Bereich Wettkampfklettern im SAC gewonnen werden. Die Partnerschaft umfasst zwei Kernelemente. Die bis dahin unter dem Namen Swiss Cup bekannte Wettkampfserie diente als Plattform für das Auto-modell Maverick. Geschaffen und mit Kommunikationsmassnahmen begleitet wurde der « Maverick Climbing Cup ». Dazu sollten alle SAC-Mitglieder in einem Direkt-Mailing einerseits über das Engagement von Ford im Wettkampfbereich informiert werden und andererseits auch Produktewerbung für den Maverick erhalten.

Im Vorfeld dieses Ford-Maverick-Mailings äusserte sich die Umweltkommission mit Anträgen kritisch zu dieser Aktion. Sie verlangte vom Zentralvorstand ( ZV ) eine Begründung, wie dies mit Leitbild und Umweltrichtlinien vereinbart werden könne, wobei der Antrag der Umweltkommission nicht einer generellen Ablehnung des Autos entsprang. Vielmehr stellte sie fest, dass die Öko-bilanz des jeweils benutzten Fahrzeugs und der sinnvolle Einsatz entscheidend seien, und da entspreche der Offroader Ford Maverick nicht diesen Anforderungen. Demgegenüber war der ZV der Meinung, dass die Aktion innerhalb des Leitbildes durchaus Platz habe, und entschied sich für die Durchführung des Mailings. Kritische Reaktionen Insgesamt sind über 300 kritische bis ablehnende Rückmeldungen eingegangen 1, darunter etliche von mehreren SAC-Mitgliedern unterschrieben. 2 Die Briefe wie die meisten E-Mails sind in der Mehrzahl ausführlich, differenziert und begründet abgefasst. Ein grosser Teil der kritischen Rückmeldungen enthält vor allem Umweltargumente. Die meisten betonen, die Aktion stehe im Widerspruch zu den SAC-Statuten, dem SAC-Leitbild und den Umweltrichtlinien. Entsprechend fühlt man sich enttäuscht. Im Weiteren wird festgehalten, das Ford-Maverick-Mailing laufe den Zielen der Mobilitätskampagne « Alpen retour » diametral zuwider, wodurch sich der SAC mit dieser Aktion unglaubwürdig mache und seinem Image schade. Eine Mehrzahl stösst sich nicht grundsätzlich am Auto, sondern am gewählten Off-road-Modell.

Keine grundsätzliche « Autofeindschaft » Die Reaktionen erfolgen quer durch den gesamten SAC, vom JO-Chef bis zum Senior, von städtischen bis zu ländlichen Sektionen, von Deutschschweizern bis zu Romands. Die 39 Rückmeldungen aus der Romandie entsprechen 13%, bei einem Anteil französischsprachiger SAC-Mitglieder von 24%. Quantitativ überwiegen die Rückmeldungen aus städtischen Gebieten. Viele Briefschreiber waren oder sind aktive SAC-Mit-glieder, die ihre grundsätzlich grosse Solidarität mit dem SAC betonen. Darunter finden sich Tourenleiter/innen und Sektionsvorstandsmitglieder, aber auch Sportkletterer. Viele Reaktionen stammen von Mitgliedern, die dem Auto grundsätzlich positiv gegenüberstehen, es selbst durchaus regelmässig benutzen, eine Werbung mit einem ökologisch fortschrittlichen Modell somit akzeptieren könnten. In einigen Zuschriften wird schliesslich noch festgehalten, dass man anstelle solcher Aktio-

1 126 Briefe, 104 E-Mails, 72 Notizen/Briefe auf dem SAC-Sponsorbrief, 12 Telefonate. Weiter deponierten 11 Sektionsvorstände, die Hütten- und die Verlagskommission ablehnende Rückmeldungen. Neben Umweltverbänden meldete sich auch das Bundesamt für Raumplanung ( ARE ) kritisch, das den SAC in der Mobilitätskampagne finanziell unterstützt. 2 Die grösste gemeinsame Rückmeldung stammt von der Sektion Angenstein mit 52 Unterschriften.

1 Vgl. Beitrag « Internationale Wettkampfsaison 2003 » 2 European Youth Cup d_17_21.qxd 11.8.2003 9:55 Uhr Seite 20 DIE ALPEN 8/2003

Von Hütten und Biwaks

Rifugi e bivacchi

Cabanes et bivouacs

nen lieber einen höheren Mitgliederbeitrag zu Gunsten des Budgets fürs Sportklettern bezahlen würde.

ZV überdenkt Ford-Maverick-Aktion An seiner Mai-Sitzung hat sich der ZV noch einmal mit dem Thema beschäftigt, die für SAC-Verhältnisse überdurchschnittlich vielen Reaktionen analysiert und seinen Entscheid reflektiert. Er ist zur Überzeugung gelangt, dass er mit der Promotion des Ford Maverick – als Modell und nicht grundsätzlich als Auto – Leitbild und Umweltrichtlinien zu grosszügig interpretiert hat. Deshalb möchte man auf eine Weiterführung der Aktivitäten mit dem Ford Maverick als Werbeträger ab Anfang 2004 verzichten. Grundsätzlich soll in Zukunft in einer Partnerschaft mit einer Autofirma nur die Promotion eines ökologisch fortschrittlichen oder pionierhaften Auto-modells der Klein- oder Mittelklasse in Frage kommen – sofern die Partnerschaft an ein Automodell gebunden wird.

Positive Signale von Ford Die Verantwortlichen der Firma Ford Schweiz sind an einer langfristigen Partnerschaft mit dem SAC interessiert. Dies haben sie auch nach Kenntnisnahme der Reaktionen auf das Mailing bekräftigt. Sie bekundeten deshalb ihr Interesse, die Aktivitäten mit dem SAC als Gesamtverband in Zukunft auf besonders ökologische Modelle und Technologie auszurichten. Die Möglichkeiten für die zukünftigen Auftritte bei den Sportkletterwett-kämpfen werden im Herbst mit Ford diskutiert.

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