Sag mir, wo die Blumen sind | Schweizer Alpen-Club SAC

Sag mir, wo die Blumen sind 170 Exemplare der Flora Helvetica werden auf die Berghütten verteilt

Welche Pflanzen wachsen rund um die Hütten? Und was blüht entlang der Wege dorthin? Freiwillige erheben solche Daten, wenn sie das Standardwerk der Botanik in der Schweiz in eine Hütte tragen.

Um die Täschhütte SAC im Wallis auf 2701 Metern über Meer wachsen viele gefährdete Pflanzenarten, die auf der Roten Liste stehen. Etwa das Vielteilige Fingerkraut (Potentilla multifida), das Schneeweisse Fingerkraut (Potentilla nivea) oder die Nordische Edelraute (Artemisia borealis). Das weiss man so genau, weil Botanikerinnen und Botaniker seit 2019 alleine, als Seilschaft oder in ganzen Gruppen SAC-Hütten und private Berghütten besuchen. Dabei erstellen sie eine Artenliste aller entlang des Hüttenwegs und in der Umgebung der Hütte vorkommenden Pflanzen und übergeben dem jeweiligen Hüttenteam eine Flora Helvetica. Im fast zwei Kilogramm schweren Standardwerk für die Pflanzenbestimmung ist jede in der Schweiz vorkommende Art abgebildet. Von der wenige Millimeter kleinen Alpenpflanze bis zum stattlichen Baum sind alle drin.

Alle paar Jahre erscheint eine aktualisierte Auflage der Flora Helvetica. Ältere Ausgaben sind für die Gebirgsregionen jedoch nach wie vor aktuell. Und damit nicht jeder botanisierende Berggänger diesen Koloss mitschleppen muss, ist die Idee aufgekommen, so viele Hüttenbibliotheken wie möglich damit auszustatten. Nach einem Aufruf von Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora, sind rund 170 Exemplare zusammengekommen, die nun von Freiwilligen in die Hütten gebracht werden. Die Aktion wird von der Stiftung zur Förderung der Pflanzenkenntnis und vom Haupt Verlag unterstützt.

Das Interesse an Botanik wecken

Einer der freiwilligen Helferinnen und Helfer ist Peter Linder. Der emeritierte Botanikprofessor hat das Projekt unter anderem zusammen mit Stefan Eggenberg, dem Direktor von Info Flora, initiiert. «Wenn man gerne botanisiert, ist es praktisch, wenn in einer Berghütte schon eine Flora Helveticawartet, in der man nachschauen kann», sagt er. Linder wurde von den Hüttenteams überall herzlich empfangen und stellte bei vielen anwesenden Hüttengästen Interesse an diesem Projekt fest.

Nach dem heutigen Stand weist die Cabane des Choucas (1547 m) in der Region Château-d’Oex bisher am meisten Arten in ihrer Umgebung auf. «Wahrscheinlich liegt das daran, dass sie im Vergleich zu anderen Hütten tiefer gelegen ist und es in dieser Lage eine grosse Vielfalt an verschiedenen Lebensräumen gibt», sagt Projektkoordinatorin Corinne Huck von Info Flora. Die höchste Anzahl an gefährdeten Arten wächst um die Capanna Pairolo (1349 m) im Tessin. Etwa Froelichs Pippau (Crepis froelichiana), der Glänzende Liebstock (Ligusticum lucidum) und Einseles Akelei (Aquilegia einseleana). Sie alle stehen auf der Roten Liste. Auch um das Hôtel du Chasseron (1607 m) im Jura kommen viele Arten der Roten Liste vor, zum Beispiel die Grenobler Nelke (Dianthus gratianopolitanus) und das Grossblütige Sandkraut (Arenaria grandiflora).

Was wächst um die Berglihütte?

«Wir erhalten neue Daten aus Ecken, von denen wir vorher keine oder nur sehr wenige Fundmeldungen hatten», sagt Corinne Huck. «Oberhalb von 2000 Metern über Meer ist für uns grundsätzlich jede Fundmeldung wertvoll, auch von häufig vorkommenden Allerweltsarten.»

Der Freiwillige Peter Linder wird auch diesen Sommer wieder Hütten besuchen. Eines seiner Ziele ist die Berglihütte SAC im Berner Oberland auf 3298 Metern. «Sie ist von zerklüfteten Gletschern umgeben, und der Zustieg wird nicht einfach sein», sagt der berggängige Botaniker. «Die Hütte thront auf einem eisfreien Felssporn, und ich denke, es könnten fünf bis zehn Arten in ihrem Umfeld wachsen.» Er wird der Erste sein, der dort oben, umgeben von Eis, Pflanzen kartiert und dabei wertvolle Daten erhebt. Solche Daten tragen zu mehr Wissen über die Verbreitung von seltenen Arten bei und helfen, diese besser zu schützen oder zu fördern.

Tragen Sie ein Buch hoch?

  • Mission Cabane:

Vor allem im Wallis fehlt das Buch noch auf vielen Hütten, etwa auf der Cabane de Valsorey CAS oder der Weisshornhütte SAC. Um ein Exemplar hochzutragen und dabei den Hüttenweg und die Umgebung der Hütte zu kartieren, muss man keine botanischen Kenntnisse haben. Interessierte können sich bei Info Flora registrieren: www.infoflora.ch/mitmachen/mission/cabane.

  • Mission Entdecken:

Mithilfe von alten Fundortsangaben wird versucht, seltene Arten wiederzufinden. Dabei geht es nicht nur um auffällige Arten wie den Alpen-Mohn oder den Himmelsherold, sondern auch um kleine, unscheinbare Arten wie das Steintäschel oder das Schneeweisse Fingerkraut, die schwieriger zu finden sind. Für jeden Geschmack sind in den schönsten Regionen der Schweizer Alpen Arten zum Suchen dabei: www.infoflora.ch/mitmachen/mission/entdecken.

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