SAM erhält Kulturpreis 2005. 100 Jahre allein reichen nicht

SAM erhält Kulturpreis 2005

Am 23. Februar 2005 wurde der 17. Kulturpreis der Berner Burgergemeinde dem Schweizerischen Alpinen Museum SAM überreicht. Der Preis kommt gerade zur rechten Zeit, denn die finanzielle Zukunft des Museums ist noch unsicher.

Unter dem Applaus von 300 Personen überreichte im Kulturcasino Bern Franz von Graffenried, Präsident der Burgergemeinde Bern, dem Präsidenten des Stiftungsrats und dem Direktor des Alpinen Museums einen Umschlag mit 100 000 Franken. Der Kulturpreis 2005 – einer der höchstdotierten der Schweiz – ging damit zum vierten Mal an ein Museum.

Ein Museum wie kein anderes

Welch schönes Geschenk für ein Museum, das heuer sein 100-jähriges Bestehen feiert! Daraus seien aber keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, meinte Franz von Graffenried: « 100 Jahre alt zu werden, reicht nicht, um den Kulturpreis zu bekommen. » Das 1905 unter der Ägide der SAC-Sektion Bern gegründete Museum wird seit 1933 von einer von Bund, Kanton Bern, Stadt Bern, SAC-Gesamtver-band und SAC-Sektion Bern unterstützten Stiftung getragen. Urs Kneubühl, Direktor des Museums, präzisierte die Rolle des Museums: « Das Schweizerische Alpine Museum entzieht sich jeder einfachen Kategorisierung. Es ist weder Kunstmuseum noch naturhistorisches oder technisches Museum, sondern alles zusammen; es widmet sich allen Aspekten der Beziehung zwischen Mensch und Berg. » Eine Sonderstellung, die die Existenz des Museums noch schwieriger macht als jene anderer Museen. Dazu Franz von Graffenried: « Der Kanton Bern hat auf 950 000 Einwohner rund 100 Museen, die etwa 700 000 Eintritte pro Jahr verzeichnen. Wenn man die Zahl der Eintritte durch die Zahl der Einwohner teilt, kann man feststellen, dass drei von vier Berner Einwohnern einmal im Jahr ein Museum besuchen. Im Vergleich dazu gibt es im Kanton Bern 70 Kinos mit 2,1 Millionen Eintritten pro Jahr. Die Berner gehen also drei Mal mehr ins Kino als ins Museum. »

Museum und Zukunft

Sorgt der Kulturpreis 2005 für mehr Eintritte ins Museum? Die Zukunft wird es weisen. Er ermöglicht auf jeden Fall die Realisierung der ersten Etappe des Projekts, das ab 2008 das SAM in ein « Berg-welt-Zentrum » umwandeln soll mit den drei Bereichen Sammlung, Ausstellung und Kommunikation. Die gegenwärtige permanente Ausstellung weicht einer Kombination von neuen Ausstellungs-typen. Das Museum wird dann über eine Ausstellungsfläche von 1000 m 2 verfügen und sich mehr aktueller Themen annehmen.

Dieser Aufbruchstimmung zum Trotz steckt das Museum in einer heiklen finanziellen Lage. Paul Messerli, Präsident des Stiftungsrates, erinnert an die Fakten: Bis 2003 erhielt das Alpine Museum von der Stadt Bern Subventionen in Höhe von 231 000 Franken. 2004 beschloss der Stadtrat, die Unterstützung der Stadt auf die Höhe des Baurechtzinses zu kürzen. Für 2005 fand man eine provisorische Lösung, indem eine einmalige Zuwendung von 100 000 Franken zugesichert Das Quartett Alpenrösli umrahmte die Kulturpreisverleihung 2005 mit seinen Jodeldarbietungen, die auf grosse Begeisterung von Seiten der Zuhörer stiessen.

Urs Kneubühl ( r. ), Direktor des SAM, und Paul Messerli ( Mitte ), Präsident des Stiftungsrates des SAM, nahmen den Kulturpreis 2005 aus den Händen des Präsidenten der Burgergemeinde Bern, Franz von Graffenried, entgegen.

Der Präsident der Burgergemeinde Bern, Franz von Graffenried, bei der Festansprache zur Verleihung des Kultur-preises an das SAM wurde. Dies gibt dem Museum, das eine erfrischende Aktivität an den Tag legt, eine kleine Verschnaufpause. Die letzten Ausstellungen « Achtung Klimawandel » und « Kinder reisen um die Welt » zogen immerhin 30 000 bzw. 13 000 Besucher/ innen an. Insgesamt ist die Zahl der Eintritte seit 2000 um nicht weniger als 80% gestiegen! Die Mitglieder des Stiftungsrates haben kürzlich an einer Sitzung dem neuen Projekt « Bergwelt-Zentrum » mit einer Absichtserklärung zugestimmt. Bleibt die Aufgabe, die Finanzierung bis 2008 sicherzustellen. Dannzumal sollte dank dem neuen Kulturförderungsge-setz die Finanzierung auf eine neue Basis gestellt werden können.

« Der ewige Augenblick »

Gegenwärtig – und noch bis zum 23. Oktober 2005 – lockt die Ausstellung « Der ewige Augenblick ». Sie ist der Berg- und Reisefotografie von 1860 bis heute gewidmet und stellt die Werke von acht Fotografen aus der Sammlung sowie von vier aktiven vor. 1 Diese zeigen die Entwicklung der Bergfotografie in Bezug auf Motive, Technik und Fotomaterial. An der gut besuchten Vernissage der Ausstellung, an der auch der scheidende Direktor des Bundesamtes für Kultur, David Streiff, sprach, waren die noch lebenden Fotografen persönlich anwesend.

Wenn SAC-Zentralpräsident Franz Stämpfli an der Preisverleihung ausführte, dass das Alpine Museum « das alpinistische Gewissen der Alpenrepublik der Schweiz ist », so liegt darin einer der Gründe, dass es noch lange und viel von sich reden machen wird. a Karine Begey ( ü ) 1 Vgl. Beitrag ALPEN 2/2005, « Jubiläumsausstellung 100 Jahre SAM » Die Jubiläumsausstellung « Der ewige Augenblick » ist bis zum 23. Oktober geöffnet. Sie gibt Einblick in die wichtigste Schweizer Fotosammlung zur Berg- und Reisefotografie sowie in das Werk von vier aktiven Fotografen. SAC-Zentralpräsident Franz Stämpfli erinnerte in seiner Rede an das Kulturengagement des SAC, das in den Clubstatu-ten festgehalten ist. Einige der Ausstellungsobjekte im SAM seien Zeugen für wichtige Ereignisse der Clubgeschichte.

Im Rahmen der Vernissage zur Ausstellung « Der ewige Augenblick. Bergfotografie im Wandel der Zeit » interviewte Daniel Anker ( r. ) den Fotografen Thomas Ulrich über die speziellen Situationen der Berg- und Extremfotografie.

Fotos: Dieter Spinnler

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