Sammeln von alpinen Mineralien

Kleine Einführung und Starthilfe

Mineraliensammeln ist ein zunehmend beliebtes Hobby geworden, das man nach verschiedenen Gesichtspunkten betreiben kann. Dieser Beitrag ist als kleine Starthilfe gedacht, um dem Anfänger mit praktischen Tips, Anregungen, Hinweisen und Literaturangaben Wege aufzuzeigen.

Am Anfang jeder Sammeltätigkeit steht das Problem: Was soll ich sammeln? Um diese Frage beantworten zu können, benötigt man zunächst einen Überblick über das betreffende Gebiet, und der fehlt beim Anfänger ja meist.

Thematisches Vorgehen

Alpine Mineralien

Für uns SAC-Mitglieder, die wir die Berge lieben, ist der Fall klar und der grosse Rahmen gegeben: Wir sammeln Mineralien der Alpen. Aber selbst in diesem Bereich sind die Möglichkeilen der thematischen Unterteilung fast unbegrenzt.

Wissenschaftliche Ausrichtung

Das bedeutet, dass wir die Mineralien nach der wissenschaftlichen Systematik sammeln können, die neun chemische Klassen unterscheidet. Dieses Vorgehen ist für den « Beginner » allerdings weniger zu empfehlen. Denkbar wäre, sich auf eine einzige

Klasse - z.B. Oxide und Hydroxide - zu beschränken. In dieser Klasse könnte man den hier zugehörigen Quarz ( Siliciumdioxid ) auswählen oder -innerhalb dieser Gruppe - sogar eine Spezialsamm-lung von Bergkristall mit all seinen zahlreichen Varietäten anlegen. Eine weitere Möglichkeit wäre, sich innerhalb der Klasse 5 den vielfältigen Carbo-

Rosa Fluorit, Gletschhorn ( Furka, UR ), ca. 6,5x4 cm. Fluorit = Calciumfluorid ist ein weit verbreitetes, farblos und in vielen Farben vorkommendes Mineral. Am schönsten und kostbarsten sind die rosafarbenen Oktaeder, wie sie vor allem im zentralen Aaregranit vorkommen. Grössere Stufen oder auf Bergkristall aufgewachsene Kristalle sind sehr selten, begehrt und teuer. Mit etwas Glück findet man auf Börsen aber für wenig Geld kleine lose Oktaeder oder kleinere Stufen mit nicht ganz « lupenreinen » Kristallen von diesem zauberhaften Mineral.

1974 wurde beim Stollenbau der Kraftwerke Oberhasli an der Gerstenegg, ca. 500 m unter dem Räte-richsboden-Stausee und ca. 2 km tief im Berginnern, eine märchenhafte riesige Kristallkluft angefahren. Dank einer raschen, vorbildlichen Zusammenarbeit

naten ( Salze der Kohlensäure ) zuzuwenden. Allein schon der Calcit ( Kalkspat ), chemisch Calciumcar-bonat, kommt in den Alpen und im Jura in mannigfaltigen Erscheinungsformen vor.

Andere Möglichkeiten

Weitere thematisch ausgerichtete Ansätze wären, sich z.B. auf Erze ( in den Schweizer Alpen vielfältiger vorhanden als man ahnt ) zu konzentrieren und Belegproben aus alten, stillgelegten Bergwerken unter Einbezug ihrer kulturhistorischen Geschichte zu sammeln. In einem fortgeschrittenen Stadium kann man sich den seltenen alpinen Kluftmineralien zuwenden oder sich primär mit den für ein Gebiet typischen Mineralien-Gesellschaften ( Para-genesen ) befassen. Am reizvollsten und für den Anfänger aussichtsreichsten ist aber das Anlegen einer Lokalsammlung über eine bestimmte Gegend oder Region. Dabei kann es sich um den Heimatkanton, den Wohnort, ein Tal, einen Berg oder das bevorzugte Ferien-/Tourengebiet handeln.

Selbständige Mineraliensuche

Vorbereitung

Beim künftigen Mineraliensammler steht natürlich der Wunsch im Vordergrund, die Schätze selber zu finden und zu bergen. Um dabei Erfolg zu haben, benötigt man grundlegende geologische und gesteinskundliche Kenntnisse, eine entsprechende Ausrüstung, Erfahrung, sehr viel Ausdauer und auch eine Portion Glück. Zudem ist das « Strahlern » nicht ungefährlich, befinden sich doch die Fundstellen oft in steilen steinschlaggefährdeten Runsen,

der Werkleitung mit dem Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde der Stadt Bern und dem kantonalen Naturschutz-Inspek-torat konnte dieses weltweit einzigartige Naturdenkmal geschützt und durch einen Besichtigungs-stollen für Besucher zu- gänglich gemacht werden. Vorherrschend sind makellose Riesen-Bergkristalle und zahlreiche Rosa-Fluo-rit-Oktaeder. Auskunft über Besichtigungsmög-lichkeiten erteilt der Verkehrsverein Meiringen.

Wissenschaft und Bergwelt Schutthalden, Rutschgebieten, Moränen oder unter abschmelzenden Gletscherzungen und Lawinenre-5; sten. Wie leicht vergisst man, vom Kristallfieber ges packt, die elementarsten Vorsichtsmassnahmen! cObschon man das Auffinden von Mineralien und 5 das Öffnen von Kristallklüften nicht aus Büchern * lernen kann, bieten die Literaturangaben 1 bis 6 ö undvgl. S. 46 ) diesbezüglich hilfreiche Hinwei-^m se. Im weiteren erbringt die SVSMF1 zahlreiche, 40 auch für den Anfänger nützliche Dienstleistungen.

Behördliche Vorschriften und SVSMF-Ehren-kodex

Beim Selbersuchen gilt es zu berücksichtigen, dass in den meisten kristallreichen Gebieten behördliche Vorschriften gelten, eventuell ein ( Ta-ges-(Patent benötigt wird oder sogar ein totales Strahlerverbot besteht.2 Die SVSMF hat zudem einen 10 Punkte umfassenden Ehrenkodex aufgestellt, dessen Einhaltung für alle Sammler Ehrensache und Verpflichtung ist ( vgl. Lit. 1 ).

Vorgehen an Ort

Wer auf Bergwanderungen mit Hammer und Meissel nebenbei nach Mineralien sucht, wird keine grossen Funde tätigen - aber jeder selbstgefun-dene Bergkristall ist natürlich viel wertvoller als ein gekaufter. Oberstes Gebot, auch beim Strahlern mit leichtem Werkzeug, ist der Schutz von Augen, Händen und Kopf. Ebenfalls muss streng darauf geachtet werden, dass nicht Dritte durch Steinschlag getroffen werden.

Nicht vernachlässigen sollte man die Registrierung und Verpackung der Funde an Ort. Man legt die Proben z.B. in numerierte Plastiksäcklein und wickelt diese in Zeitungen oder Schaumstoff ein. Feinnade-lige und zerbrechliche Kleinmineralien zuerst in Seidenpapier einpacken ( keine Watte !) und in Eier-kartons bzw. Picknickeier-Dosen transportieren.

Angaben über Fundort usw. trägt man unter der entsprechenden Nummer in ein Notizbuch ein. Mineralien ohne Herkunftsbezeichnung sind später wertlos.

Mineralien erwerben

Abgesehen von möglichen Eigenfunden wird man eine Sammlung hauptsächlich durch Kaufen und Tauschen aufbauen bzw. ergänzen. Dazu bieten die überall und das ganze Jahr hindurch stattfindenden Mineralienbörsen die beste Gelegenheit.5 Nebst Mineralien, Fossilien und Edelsteinen kann man an den Börsen4 auch Strahlerzubehör und -Werkzeuge sowie entsprechende Fachliteratur besichtigen und erwerben.

An den Börsen muss man in der Regel auch nicht befürchten, dass man übersetzte Preise bezahlt oder unwissentlich geleimte, gefärbte oder sonstwie manipulierte Kristalle kauft. Eher abzuraten ist von Käufen auf Warenmärkten, bei Ständen in und vor Warenhäusern und in Souvenirläden in Massentourismus-Gebieten. Da bezahlt man mei- Gletschertor, Langgletscher, Lötschental. Durch den starken Gletscherschwund geben abschmelzende Gletscherzungen immer wieder neue Klüfte und Fundmöglichkeiten preis.

stens für massige Qualität zu hohe Preise. Zudem kann es vorkommen, dass man auf einem Schweizer Pass eine Bergkristallstufe erwirbt, die in Kan-sas/USA gewachsen ist. Das tut ihrer Schönheit zwar keinen Abbruch; die fehlende Deklaration beinhaltet aber eine Täuschung des Käufers.

Die Sammlung zu Hause

Reinigung

Selbstgefundene Stufen müssen zu Hause als erstes gereinigt werden. Dazu verwendet man, je nach Mineralart, Wasser, Detergentien, Säuren, Laugen, organische Lösungsmittel, mechanische Verfahren, Druckluft, Ultraschall u.a. m.

Vorsicht!

Ohne Kenntnis der Mineralart und ihrer Beständigkeit kann bei der Reinigung viel zerstört werden. Einige Mineralien sind schon gegen Wasser empfindlich. Ein Muss für Anfänger wie Fortgeschrittene ist daher die Anschaffung der Broschüre von E. Sury, Mineralien richtig reinigen ( Lit. 8 ). Ebenfalls ausführliche Anleitungen und Beständigkeitstabellen sind im Buch von W. Schumann ( Lit. 2 ) zu finden.

Bestimmung

Zur Identifizierung von Eigenfunden gibt es eine grosse Auswahl von Bestimmungsbüchern, mit denen an Hand von charakteristischen Eigenschaften und Abbildungen ein unbekanntes Mineral sollte eruiert werden können. In der Praxis führt dieses Vorgehen aber oft nicht zum Ziel; nicht zuletzt deswegen, weil die gleiche Mineralart in verschiedenen Ausbildungsformen und Farben vorkommen kann. Dennoch empfiehlt sich die Anschaffung von ein bis zwei dieser Bücher, allein schon wegen der zahlreichen schönen Fotos und der vielen nützlichen allgemeinen Angaben(z.. " " .B. Lit. 12, lì, 14 ).

Für PC-Besitzer gibt es die Lapis-Datenbanken Version 4.0 ( DOS ) bzw. 1.0 ( Windows ). ' Die Mine-ralienbestimmung erfolgt nach bis zu 8 frei wählbaren Kriterien. Das Programm enthält zudem eine Sammlungsverwaltung und ein Mineralien-Ge-samtregister.

Der beste Weg zur Bestimmung von unbekannten Mineralien ist aber immer noch der direkte Kontakt zu andern Sammlern. An vielen Börsen gibt es Bestimmungsstände, zu denen man eigene Proben mitbringen kann. Auch der Besuch von Sammlungen in Museen und Universitäts-Institu-ten ist sehr nützlich.6 Letztere helfen auch weiter bei seltenen Mineralien, die nur mit chemischen oder physikalischen Methoden identifiziert werden können.

Aufbewahrung und Archivierung

Schöne, grosse Schaustufen präsentiert man vorteilhaft in einer Glasvitrine auf Glastablaren. Die Schränke sollten staubdicht schliessen und mit einer indirekten Kaltlichtbeleuchtung versehen sein. Entsprechende Schaukästen und Vitrinen werden von Spezialfirmen in vielfältigen Ausführungen angeboten.

Schilthorn - Birg. An dem geologisch sehr komplexen Aussichtsberg im Berner Oberland findet man Calcit und - vor allem im Eisen-sandstein - kleine Drusen mit klaren Quarzkristallen.

c o.

Sidelengletscher. Das Gebiet nordöstlich der Furka, das den Tiefengletscher, den Sidelengletscher und die imposant-bizarre kristalline Felsenlandschaft mit Gletschhorn, Galenstock und Büelenhorn umfasst, ist besonders reich an Kristallen und seltenen Kluft-Mineralien. Es begann 1868, als gewitzte Guttanner Strahler am Tiefengletscher eine riesige Kluft mit bis zu 130 kg schweren, braunschwarzen Rauchquarzen ( Morione ) entdeckten und den schwierigen Abtransport heimlich bewerkstelligen konnten, bevor die Urner etwas merkten. Offenbar haben diese aber seither dazugelernt und wachen heute besonders aufmerksam über ihre Schätze ( Strahlern im ganzen Kanton bewilligungspflichtig ).

Beim Aufbewahren der übrigen Sammelstücke sind der individuellen Fantasie keine Grenzen gesetzt. Einige Punkte müssen aber beachtet werden: Schutz vor Staub, Wärme, starken Erschütterungen, Feuchtigkeit und Licht. Letzteres gilt für licht- 1 SVSMF: Schweizerische Vereinigung der Strahler, Mineralien- Lind Fossiliensammler. Die Vereinigung cirganisien die alljährlich im Kursaal Interlaken stattfindende Schweizerische Mineralienbörse und gibt die Zeitschrift Schweizer Strahler heraus. Die kantonalen Sektionen veranstalten zudem Vorträge, Bestimmungsabende, lokale Börsen und Exkursionen. Adressen: SVSMF Geschäftsstelle, Frau Franziska Zaugg, CH-1 595 Faoug VD, Tel./Fax 026/672 26 28 Montag bis Freitag 8 bis 10 Uhr. Redaktion Schweizer Strahler: Paul Houinger, Kirschbaumweg 1 5, 2563 Ipsach, Tel. 032/331 66 53 -'Ein Verzeichnis der Kantone und Gemeinden mit entsprechenden Vorschriften erscheint, alljährlich aktualisiert, meist in der Februar-Nummer der Zeitschrift Schweizer Strahler.

lDie meisten werden von der SVSMF und deren kantonalen Sektionen und andern lokalen Sammler-Vereinigungen durchgeführt. Jährlich wird eine Liste aller Börsen, auch der wichtigsten ausserhalb der Schweiz, periodisch im Schweizer Strahler publiziert ,'Empfehlenswerte Adressen für alpine Mineralien sind ebenso alle ( halb- ) professionellen Strahler, die, ausser an Börsen, auch privat gerne Besucher empfangen. Eine gule Anlaufstelle ist lerner das Schweizer Heimalwerk Zürich, wo man eine grosse Auswahl an Schweizer Mineralien und kompetente Beratung vorfindet.

.'Christian Weise Verlag, Orleansstr. 69, D-81667 München.

" Eine Aufstellung aller zugänglichen Mineraliensammlungen erscheint jährlich im Schweizer Strahler, meistens in der November-Nummer.

Wissenschaft und Bergwelt

In jede Sammlung muss eine gewisse Ordnung eingebracht werden. Ob dies mit Karteikarten ( vorgedruckte Kleinschilder und Karten sind an den Börsen erhältlich ), einem Ringheft oder mittels Computer-Datenbank geschieht, ist jedem einzelnen überlassen. Folgende Mindestangaben sollten aber in jedem Fall - nebst Probennummer, Mineral-namen und Schubladen-Bezeichnung - registriert werden:

-bei Eigenfunden Datum, Fundort-Angaben, Begleitmineralien und Literaturhinweise,

- bei gekauften Stücken zudem Name und Adresse des Verkäufers und Kaufpreis.

Zur Aufbewahrung in Schubladen sind lückenlose Block-Schubladeneinteilungen zweckmässig, deren Abteilgrösse sich nach den Dimensionen des Sammelgutes richtet. Zur Dämpfung von Erschütterungen kann Schaumgummi unterlegt werden. Für Kleinstufen werden im Mineralienhandel klare durchsichtige oder schwarze Kunststoff-Döschen, auch mit Lupendeckel, in verschiedenen Grossen angeboten. Micromounts werden darin mit einem neutralen Spezialkitt, der sich auch wieder rück-standsfrei entfernen lässt, fixiert; keinen Fensterkitt verwenden!

Bergkristall mit Toneinschlüssen, Trient ( VS). grösster Kristall 7,3 cm lang. So wie oft Mineralien auf Quarz aufgewachsen sind, wurden andere, aber auch Wasser und Gase, während der komplexen Kristallisa-tionsvorgänge von diesem eingeschlossen.

Kosten

Mineraliensammeln muss nicht teuer sein. Abgesehen von kostspieligen Schaustücken und ganz seltenen Mineralien findet man im Preissegment zwischen Fr. 1. bis Fr. 10O. ein fast unübersehbares Angebot, und die Auswahl ist gross. Um dies zu illustrieren, finden sich im vorliegenden Beitrag vorwiegend Abbildungen von Proben, wie man sie selber finden und/oder preiswert ( die meisten unter Fr. 2O. ) erwerben kann.7

Wenn man sich auf die besonders preiswerten Kleinstufen bzw. Micromounts ( MM ) beschränkt, kann man sich mit den dadurch erzielten Einsparungen sogar ein Stereo-Mikroskop ( erhältlich ab ca. Fr. 45O. ) anschaffen. Damit eröffnet sich dem staunenden Betrachter eine neue, wundervolle Welt.

Zur Ethik des Mineraliensammelns

« Wer die Berge liebt, lässt ihnen die Blumen. » Sollte man diesen Slogan nicht auch sinngemäss auf Mineralien und Kristalle anwenden? Es bestehen da schon Unterschiede: Mineralien würden durch Erosion, tektonische und klimatische Einflüsse früher oder später unwiederbringlich zerstört. Durch die Strahler werden diese Schätze geborgen und bleiben erhalten. Wünschenswert ist jedoch, dass wertvolle Funde der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugänglich gemacht werden ( Museen, Institute ), was heute weitgehend der Fall ist. Mineralfunde sind auch von wissenschaftlichem Wert im

7 Nur der Sammelweri der Stufen Rtmchquarz Gwindel ( S. 38 ), Adular, Aarmassiv, ( S. 43 ) und Anhydril-Krhtallyruppt ( S. 43 ) liegt etwas höher und reicht bis ca. Fr. 80..

Hinblick auf neue Erkenntnisse über den Bau der Erdkruste und die Entstehung der Gebirge.

Besonders grosse und wertvolle Kristallklüfte sollten als Naturdenkmäler an Ort geschützt, konserviert und zugänglich gemacht werden, wie dies z.B. in vorbildlicher Weise bei der weltweit einmaligen Kristallhöhle im Kraftwerkstollen Gersten-egg/Grimsel geschah. Wenn wir alle, professionelle Strahler wie Amateure, den Ehrenkodex der SVSMF einhalten, dann dürfen wir mit ruhigem Gewissen diesem faszinierenden Hobby nachgehen.

Wichtige Begriffe

Mineralien Einheitliche Bestandteile der Erdkruste mit meist definierter chemischer Zusammensetzung und kristallinem Aulbau. Bei der Entstehung von Mineralien kann man drei Hauptarten unterscheiden:

- Magmatische Bildung Beim Abkühlen einer flüssigen Gesteinsschmelze und heisser Gase - meist im Erdinnern - oder durch vulkanische Vorgänge findet eine selektive Entmischung, verbunden mit Kristallisationen, statt.

Kyanit ( =Disthen ), Pizzo Forno ( TI ). Blaue, stengelige Kristalle, 4 bis 5,5 cm lang. Beste Qualitäten sind als Edelsteine schleif-würdig.

Anhydrit-Kristallgruppe, Arvayes/Bex ( VD ), ca. 8x8 cm. Neufund von 1977 Adular, Aarmassiv. Der ca. 7x6,. " " .5 cm grosse Kristall ist vollständig vom grünen Mineral Chlorit überwachSedimentäre Bildung Mineralien entstehen auch bei der Verwitterung von Gesteinen und Erzen an der Erdoberfläche durch chemische Einflüsse unter Mitwirkung von Wasser, Kohlensäure und Mikroorganismen.

- Metamorphe Bildung Durch Umwandlung von schon bestehenden Mineralien bei gebirgsbildenden Vorgängen; wenn z.B. Gesteine in tiefere Zonen gelangen und durch die dort herrschenden höheren Temperaturen und grossen Drücke umgewandelt werden.

Gestein Gemenge von Mineralien oder auch nur ein einziges Mineral, sofern es als grösserer Teil der Erdkruste auftritt.

Kristall Ein Körper, dessen kleinste Bauteilchen in einer gesetzmässigen Anordnung zu einem Kristallgitter zusammengefügt sind. Alle Kristalle können sieben Kristallsystemen zugeordnet werden ( vgl. Lit. 2, 7 ). Alle Mineralien sind aus Kristallen aufgebaut.

Erze Metallische Mineralien oder Gesteine mit nutzba-rem Metallgehalt. In den Schweizer Alpen gibt es zahlreiche Erzvorkommen, die in vergangenen Zeiten teilweise auch bergmännisch abgebaut wurden. Die Lagerstätten sind aber heute alle für eine kommerzielle Nutzung bedeutungslos, mineralogisch jedoch hoch interessant.

Micromount ( MM ) Bedeutet ursprünglich eine sehr kleine Mineralstufe von etwa 15 X15 bis 25 X25 mm Grösse. Heute wird der Begriff etwas weiter gefasst. Das Sammeln von Micromounts hat sich in den USA zu einer richtigen Volksbewegung entwickelt und findet auch bei uns immer mehr Anhänger. Micromounts Pyrop in Olivinfels; Alpe Arami, Val di Gorduno ( TI ). Das leuchtend-blutrote Mineral gehört zur Granat-Familie.

EisenrosenHämatit ); Oberaar, Grimsel ( BE ), Durchmesser: 8-15 mm. Hämatit ist als Eisenerz und als Kluftmineral weit verbreitet. Sind dünne, tafelige Kristalle rosettenartig angeordnet, entsteht der Eindruck einer Rosenblüte. Eisenrosen sind beliebte Sammelobjekte. Der Preis steigt exponential mit ihrer Grösse.

Paragenese: Adular ( weiss ), Bergkristall, Chlorit ( dunkelgrün ) und winzige Asbestfasern, Gauli; Bildbreite 8 cm Hornblende, Val Canaria ( TI ). Garbenförmige dekorative Gebilde aus der chemisch komplizierten Atn-phibolgruppe; Ausschnitt ca. 8x4 cm Wissenschaft und Bergwelt sind nicht nur billiger im Erwerb und platzsparend bei der Aufbewahrung. In Kleinststufen sind die Kristalle meist idealer ausgebildet als bei grossen Stücken. Viele ganz seltene Mineralien sind auch nur als MM erhältlich und erschwinglich.

« Nachteil »: Zur Betrachtung der Stüfchen benötigt man ein Binokular, wobei eine 10- bis 40fache Vergrösserung in den meisten Fällen genügt.

Alpine Zerrklüfte

Es sind dies Zentimeter bis einige Meter grosse, längliche Hohlräume, die durch Auseinanderreis-sen von Gesteinsmassen bei gebirgsbildenden Vorgängen entstanden sind. An den Wänden kristallisierten mineralhaltige Lösungen, meist aus dem Nebengestein stammend, und die Kristalle landen genügend Platz, um sich gut zu entwickeln. An die 150 Zerrkluft-Mineralien sind bis heute beschrieben worden. Häufige und bekannte Kluftmineralien sind z.B. Bergkristall, Rauchquarz, Chlorit, Adular, Calcit, Hämatit, Amiant, Epidot, Pyrit, Muskovit, Rutil, Titanit, Fluorit, Turmalin, Zeolithe.

Weiterführende Literatur

Als empfehlenswerter Grundstock für Anfänger sind insbesondere die Bücher 1 ) sowie 2 ), 3 ) und 12 ) zu empfehlen.

1 ) Die Mineralien der Schweiz. Ein mineralogischer Führer. Max Weibel et al. Birkhäuser, Basel-Bo-ston-Berlin 1990 ( 5. Aufl. ) 2 ) Steine und Mineralien sammeln. Finden, Präparieren, Bestimmen. Walter Schumann. BLV 1994 3 ) Mineralien - Verborgene Schätze unserer Alpen. H. A. Stalder, F. Haverkamp, F. Rausser. Mondo-Verlag 1973 4 ) Die Mineralfunde der Schweiz. R. L. Parker. Verlag Wepf, Basel 1972 5 ) Mineralklüfte und Strahler der Surselva. P. Flurin Meissen. Universitätsverlag Freiburg ( CH ) 1955 6 ) Gesteine bestimmen und verstehen. Ein Führer durch die Schweiz. P. Heitzmann, F. auf der Mauer. Birkhäuser, Basel 1989 7 ) Mineralienkunde. Allgemein verständliche Einführung für Liebhaber und Sammler. R. L. Parker. Ott-Verlag, Thun 1958 8 ) Mineralien richtig reinigen. Ernst Sury. Sektion Basel SVSMF 1991 9 ) Der Mineraliensammler. Über den Aufbau von Sammlungen. Werner Lieber. Ott-Verlag, Thun 1978 10 ) Der Micromounter. Alex Kipfer. Ott-Verlag, Thun 1972 11 ) Kristall Alpin. Die Mineralien der alpinen Klüfte; Strahlen und Bestimmen. Extra Lapis No. 5. Christian Weise Verlag, München 1993 12 ) Der neue BLV Steine- und Mineralienführer. Walter Schumann. BLV Verlagsgesellschaft, München-Wien-Zu rieh 1994 13 ) Mineralien und Kristalle. Rupert Hochleitner. GU Naturführer, Verlag Gräfe und Unzer, München 1986 14 ) Der Kosmos Steinführer. Minerale, Gesteine, Fossilien. Woolley et al. Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 1992 15 ) Fotoatlas der Mineralien und Gesteine. Rupert Hochleitner. Gräle & Unzer, München 1981 Schlucht des unteren Grindelwaldgletschers - Gletschermühlen an der Felswand. Eine interessante Variante zu den Mineralien ist das Sammeln von Gesteinen.

Ein leicht zugänglicher, müheloser Gesteinslehr-pfad führt von der Pf ingst- egg zum Oberen Grindelwaldgletscher. Lohnend ist auch der Abstieg zur Schlucht des unteren Gletschers via Marmorbruch, wo bis Anfang unseres Jahrhunderts der berühmte bunte Grindelwaldner Marmor gewonnen wurde.

Schutz der Gebirgswelt

difesa dell'ambiente

»rotection

le la montagne

verfolgung und Realisierung der einzelnen Kapitel der Agenda 21 wurde verschiedenen UNO-Organisationen übertragen.

Die Bergregionen unserer Erde erhalten in der Agenda 21 eine spezielle Aufmerksamkeit: Das Kapitel 13 ist sehr treffend betitelt: « Umgang mit empfindlichen Ökosystemen -nachhaltige Entwicklung der Berggebiete ».

Braucht es überhaupt eine Berggebietsagenda?

Kommen wir zurück auf die eingangs formulierten Feststellungen über unsere Alpen als Wasserschloss, Region biologischer Vielfalt, intensiver touristischer Nutzung oder drastischer ökologischer Veränderungen. Gelten diese Stichworte nicht auch für andere Gebirgsregionen der Welt? Sie machen übrigens einen ansehnlichen Anteil der Erdoberfläche aus: 27% der Festlandoberfläche liegt über 1000 m, rund 11% über 2000 m. Reicht ihre Tragweite nicht weit über die Grenzen der eigentlichen Gebirgsräume hinaus? Nehmen wir die vier Themenbereiche etwas näher unter die Lupe.

Wasser Je nach Klimazone kommen 40-90% des oberflächlich fliessenden Süsswassers aus den Gebirgen der Welt ( vgl. Fig. unten ).

Fragen der Wasserbilanzen, Verschmutzung usw. sind heute schon grenzüberschreitende Themen. Konflikte um Wasser ( Jordan, Euphrat, Nil, Indus usw. ) zeigen die internationale Bedeutung dieses Elements für das Überleben von Völkern und Kulturen. Wird es gelingen, den Um-

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