Sektion Rinsberg. Kletterhalle statt Hütte

Kletterhalle statt Hütte

Dass sich junge « Flachlandsektionen » keine neue Hütte in den Alpen leisten können, liegt auf der Hand. Wie eine Alternative aussehen kann, die dem Club und der Allgemeinheit nützt, zeigt das Beispiel der SAC-Sektion Rinsberg: Ihre Kletterhalle ist zum Treffpunkt geworden.

Die erst 20 Jahre alte, von der Sektion Uto abgetrennte Sektion Rinsberg hätte gerne von der Muttersektion eine SAC-Hütte übernommen, was aber nicht zu Stande kam. « Eine kleinere Kletterwand im regionalen Sportzentrum Hirslen in Bülach hatte die SAC-Sektion Rinsberg schon lange », erinnert sich Sektionspräsident Stephan Kernen. « Dies entsprach einem wachsenden Bedürfnis, namentlich der jungen und jüngsten Sektionsmitglieder. »

Nicht zuletzt wegen der Mitglieder-rekrutierung wird der Schwerpunkt auf den Kletterbereich gelegt, denn « wir können rund 90% der interessierten Jugendlichen für ein Mitmachen bei der SAC-Jugend gewinnen », beschreibt Kernen die heutige Situation. « Wir führen derzeit wöchentlich sechs Kurse mit je rund 10 Teilnehmenden durch. Limi-tiert wird dies nicht durch Interessenten, sondern durch die Verfügbarkeit von Kursleiter/innen. »

Jugendkommission als Triebfeder Das Projekt « Kletterhalle mit Ganzjahres-betrieb » reifte in der Jugendkommission. 1999 wurde eine erste Konzeptidee entworfen. Eines der Probleme waren die Besitzverhältnisse, befand sich doch die bestehende Kletterwand auf dem Boden der städtischen Sportanlage. Diskussionen über die Privatisierung dieser Anlagen, die schliesslich am politischen Widerstand scheiterten, erschwerten in der Folge die Planungsarbeiten der SACler. Die Suche nach alternativen Standorten blieb erfolglos. Erst als die Stadt Bülach auf Grund eines neu erarbeiteten Betriebskonzepts wieder zu Verhandlungen bereit war, kam Bewegung ins Projekt. Ein stillschweigend verlän-gerbarer Zehnjahresvertrag hält fest, dass die SAC-Sektion Rinsberg die Investitionen in die Anlage à fonds perdu tätigt, die Sektionsmitglieder im Gegenzug dafür unentgeltlich Zutritt erhalten. Die Sektion ist für Unterhalt und Wartung verantwortlich und erhält dafür von der Stadt Bülach einen jährlichen Beitrag. Die Eintrittsgelder für Nicht-Sektions-mitglieder hingegen gehen an die Stadt.

Ohne Geld läuft nichts Nicht ganz einfach war die Finanzierung. Stephan Kernen erinnert sich lebhaft: « Die Ungeduld war gross, hatten wir doch so lange in den Startblöcken gewartet. Um die Realisierung zu forcieren, wurde auch das ursprüngliche Budget von 110 000 Franken um einen Drittel gekürzt. » Dank Fundraising – aus einer Sponsorenlaufveranstaltung im Jahre 2000 lagen rund 10 000 Franken auf der hohen Kante – und dem enormen Effort des Präsidenten konnten die

Die Kletterhalle – ein Sektionsgemeinschaftswerk: KiBeler beim Einschlagen und Anschrauben von Griffmuttern Als noch auf den Gerüsten herumgeklettert wurde DIE ALPEN 11/2002

Mittel innert eines halben Jahres aufgetrieben werden.. " " .Als dann an einer ausserordentlichen Sektions-Generalversamm-lung die Mitglieder dem Antrag noch zustimmten, maximal die Hälfte des Vereinsvermögens als Sicherheit einzubringen, stand der Realisation nichts mehr im Weg.

Frondienst Am 18. Februar 2002 fiel der Startschuss. Drei SACler widmeten sich praktisch voll dem Bau, ein wesentliches Plus für die optimale Bauführung und -beglei-tung. Über 60 SACler beteiligten sich an den Bauarbeiten und trugen so zu gut 2300 Stunden Fronarbeit ( Stand Eröffnung ) bei. Noch einige 100 Stunden Freiwilligenarbeit stehen für die Einrichtung des Clublokals an. Aber auch andere Organisationen wie der Kiwanis-Club, die Drogentherapiestation Arche und eine Schulklasse leisteten Fronarbeit. An Arbeit fehlte es nicht, waren doch 300 m 2 Kletterfläche mit Quarzsand durchsetzter Farbe zu bemalen, 16 000 Schlagmuttern zu setzen und mit 32 000 Schrauben zu sichern.

Termingerecht eingeweiht Obwohl die Farbe kaum trocken und die letzten Sägemehlspuren erst grad beseitigt waren, wurde die neue Kletterhalle wie geplant am Samstag, 8. Juni 2002, der Öffentlichkeit präsentiert – und am Sonntag darauf mit einem ersten Wettkampf sportlich würdig eröffnet. Von Euphorie zum Durchhänger nach zwei Monaten ohne sichtbare Kletterwand-fortschritte bis zum Schlussfieber vor der Eröffnung hatten die Verantwortlichen der Sektion verschiedene Stadien durchgestanden, aber « der Aufwand hat sich gelohnt – wir realisierten gemeinsam ein Projekt, das zunächst kaum vorstellbar war. » 1

Positiv war die hohe Akzeptanz unter den Sektionsmitgliedern: Rund 15% der 450 Mitglieder arbeiteten aktiv mit und rund 100 beteiligten sich finanziell. Dieses Miteinander manifestierte sich am Eröffnungstag: Viele waren da, auch von jenen, die sonst nicht so aktiv am Sektionsleben teilnehmen. Stolz waren alle auf « ihre » Sektionskletterhalle. Und Mitte 2003, wenn voraussichtlich das monatliche Vereinstreffen im neuen « Kletterwandstübli » abgehalten wird, werden hoffentlich auch die vereinzelten Skeptiker vom gelungenen Werk überzeugt sein. a

Markus Kick, Zweidlen 1 Informationen finden sich im Internet unter www.rinsberg.ch

Kletterwandbudget

Auf rund 75 000 Franken wurden die gesamten Baukosten für die neue Sportklet-terhalle « Hirslen » in Bülach ZH veranschlagt. Finanziert wurden sie durch Spon-sorenläufe ( 10 000 Fr. ), Materialspenden ( 16 000 Fr. ), Stiftungsgelder ( 13 000 Fr. ), SportToto ( 10 000 Fr. ) sowie Eigenleistungen der SAC-Mitglieder ( 30 000 Fr. ). Abgesichert wurde das Bauprojekt mit privaten Darlehen ( 25 000 Fr. ) und Sektions-kapital ( max. 10 000 Fr. ).

Roland Seiz testet den Boulder. Blick in den Boulderbereich der Kletterwand Hirslen der SAC-Sektion Rinsberg am Tag der offenen Tür Bevor die Isolation an der Kletterhallendecke angebracht werden konnte, mussten einige Hürden überwunden werden. Christine Zehr beim Anbringen von Glaswolle Fo to s:

St eph an Ke rnen DIE ALPEN 11/2002

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La difesa dell'ambiente

Protection de la montagne

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