Silvester mit Folgen Historischer Moment

Er gehört zu den grossen Alpinisten, Fotografen und Publizisten um die vor­letzte Jahrhundert­wende: der Neuenburger Arzt Jules ­Jacot Guillarmod ­(1868–1925). Als erster Schweizer bereiste er den Karakorum und den Himalaya und brachte das erste Foto vom K2 nach Hause. Unerwartetes Aufsehen erregte aber eine simple Familientour: Vom 29. Dezember 1894 bis zum 3. Januar 1895 unternahm er zusammen mit Bruder Joseph, Schwester Hélène und dem Holländer P. Hennequin eine Hüttentour von Linthal aus. Wegen des knietiefen Schnees brauchten sie zwei Tage für den Aufstieg – zu Fuss. Die Hütten erreichten sie jeweils im Schneetreiben und in der Dämmerung, ja in der Nacht. An Silvester wurde in der Fridolinshütte gekocht, geschrieben und gestopft (die Zwischenräume der Holzbalken mit Heu). Hélène schmückte für den Abend den mitgetragenen Weihnachtsbaum, die Männer machten Grog. Die vier wären noch lange dort oben geblieben, aber das Holz ging zur Neige. Am 2. Januar 1895 schreibt Guillarmod: «Nous disons adieu à la Clubhütte et nous partons en chantant.» Auf Vorder Sand wurde wieder übernachtet. In Linthal unten aber begann zugleich ein ganz anderes Abenteuer. Denn man hatte sich Sorgen gemacht, schon fast eine Rettungskolonne geschickt. Die Folge: Glarner, Schweizer, ja gar ausländische Zeitungen berichteten über die Silvestertour der Familie Guillarmod, nicht bewundernd, eher verurteilend. Der Präsident der Sektion Tödi verstieg sich gar zum Vorwurf, sie hätten den SAC beschmutzt. Dennoch publizierte der SAC Guillarmods atemberaubenden Bericht ­«Nouvel-An à la cabane Fridolin (Tödi)», nachzulesen im L’Écho des Alpes von 1895. Heute auch zu finden unter www.sac-cas.ch/zeitschrift.

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