Spurlos. Emil Zopfi

Spurlos

Limmat Verlag, Zürich 2007, ISBN 978-3-85791-538-3. Fr. 34.– Ganz am Anfang steigt Andrea auf den Berg, um die Asche ihres eben verstorbenen Vaters der Natur zurückzugeben. Und ganz am Schluss, 210 Seiten später, seilt sie sich vom gleichen Berg ab, schwebt in die Tiefe und taucht in die schwarze Nacht weg. Der Berg, ihr Berg, heisst Sila und erinnert an die grossen Kletterwände des Rätikons. Er existiert nur in Emil Zopfis Kopf sowie in den Köpfen seiner treuen Leser, die bereits die beiden ersten Bände der Sila-Trilogie, Die Wand der Sila und Steinschlag, verschlingen durften. Der seit Jahrzehnten im steilen Fels ebenso wie in der warmen Schreibstube erfolgreiche Zopfi lässt seinen neuen Roman Spurlos, der auch ein Krimi ist, nicht nur am Berg, sondern auch auf der Alp, im Dorf und in der Grossstadt spielen. Dabei verflicht er gekonnt und unterhaltsam mehrere Handlungsstränge und entwickelt seine Figuren auf überzeugende Art. Im Mittelpunkt stehen die junge Bergführerin Andrea und das etwas verschlafene Bergdorf, in dem sie sich niederlassen möchte. Doch unter der ruhigen Oberfläche brodelt es: alte Geschichten, schwelende Liebe, unbeglichene Rechnungen und beklemmende Gerüchte. Und als die Bergführerin dann noch beschuldigt wird, einen Gast am Berg in Stich gelassen zu haben und gar für seinen Tod verantwortlich zu sein, wird sie von ihren männlichen Führerkollegen im Stich gelassen. Mehr sei nicht verraten, ausser dass sich Zopfis Fabulierkunst nicht nur am Berg zeigt. Ein Buch, das sich im sonnigen Kletterurlaub wunderbar liest, aber vielleicht noch besser in einer Berghütte vor dem Cheminée, wenn es draussen schneit und schneit und die Lawinengefahr steigt und steigtMarco Volken, Zürich

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